Vom totalen Fuckwad zum anständigen Mitmenschen

Die Bedeutung von sozialen Netzwerken wie Facebook kann man nicht unterschätzen. Dass heute die meisten PCs am Internet hängen, war nur der erste Schritt – damit werden Computer miteinander verbunden, also eigentlich nur die ganz grundlegende technische Voraussetzung für etwas Bedeutenderes geschaffen.

Soziale Netzwerke setzen nun auf dieser bestehenden Technologie auf, und bilden eine ganz neue Ebene. Sie verknüpfen nicht Maschinen, sondern Menschen.

Schön und gut, aber warum ist das wichtig? Ich lese gerade Edward Castronovas "Synthetic Worlds: The Business and Culture of Online Games". In der Einleitung schreibt er:

"Human societies rely so much on reputation for their basic functioning that online anonymity seems unlikely to persist in any significant way." (p.23)

Das ist eine scharfe und weitsichtige Beobachtung. Wozu Anonymität auf dem Internet führt, wissen alle, die schon einmal ein Youtube-Video veröffentlicht haben und die Comments reinrollen sahen. Die Comiczeichner von Penny Arcade haben es schon vor über 4 Jahren charmant auf den Punkt gebracht:

Oder anders formuliert: sobald ich nicht mehr weiss, mit wem ich es zu tun habe – und sobald ich weiss, dass es meinem Gegenüber genau so geht -, dann brechen offenbar viele Kontrollmechanismen weg. "Im richtigen Leben" würde man sich wohl nie so verhalten, auch gegenüber Personen nicht, die man nur flüchtig kennt oder eben erst kennengelernt hat.

Und genau an diesem Punkt setzen soziale Netzwerke an: sie umgeben Personen mit Kontext – und dieser Kontext ermöglicht menschliche Interaktion im herkömmlichen, sozial relevanten Sinn. Wer kennt wen? Wer arbeitet wo? Wer repräsentiert welche Institution? Wer ist wie ausgebildet? Aber auch: wer gehört in welche "Szene", zu welcher Schicht, und was tun sie gerade und wie fühlen sie sich? Erst wenn all diese Zusatzinformation wahrnehmbar ist, gehe ich mit der Person so um, wie ich das auch mit einer Person tun würde, die mir in Fleisch und Blut begegnet.

Damit ist das Grundprinzip des Social Network ein ganz entscheidender Schritt hin zur Integration von neuen Kommunikationsformen in unsere bestehende Gesellschaft.

Update:
Case in Point (man beachte die Comments zu diesem GTA-IV-Video)
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7 Gedanken zu “Vom totalen Fuckwad zum anständigen Mitmenschen

  1. Ich bleibe hier anonym und verwende – wofür Du mich ja bereits getadelt hast – auch auf facebook ein Pseudonym. Trotzdem wurde ich bis jetzt, ehrlich gesagt, in der digitalen Parallelwelt meist sogar anständiger behandelt als im analogen Alltag… Nun, vielleicht wird sich das ja jetzt gleich ändern.

  2. </h1> Ich will nicht jammern, aber als Beispiel hier ein GTA-Video von mir ). So haben die Jungs reagiert: <br> <br> du5ty5tuff: This guy looks like a psycho XD <br> djjaye: great a carefull driver i will make sure if i see you online to put a blooy great dent in your car. ha ha nooooooooooooob <br> AngelEscuro66: Guido Berger is very gay hahahaha <br> <br> In den allermeisten kompetitiven Online-Spielen, die ich kenne, ist genau das die Grundstimmung. Myspace? Dito. Facebook ist eine Ausnahme, weil man sich da ja bereits kennt. <br> <br> <

  3. ich mach diesen comment anonym….. wer bin ich wohl?auf myspace habe ich bisher nur nettes bekommen. schon fast langweilig: oh hier ist es schön, ui hier klingt es gut…

  4. Das war nicht so schwer, mongolino :DHm. Evtl. ist der Umgangston unter Gamern härter – was noch naheliegend wäre, weil gerade Online-Gaming sehr kompetitiv ist. Und in den Social Networks haben sich halt alle lieb. Schmuusig!

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