Darf man das bloggen?

Am Anfang war das Blog und man sah es war gut und dann stellen sich aber gleich einige grundsätzliche Fragen.

1. Wie direkt darf man sein?

Wer mich kennt, weiss, dass ich ihm Privaten nicht zimperlich bin, wenn es um Kraftausdrücke geht. Analmassage und Hitlerwitze rollen mir leicht von der Zunge. Darf und soll ich diesen Stil hier verwenden?

Teufel: Das ist ein privates Blog, hier darfst du fluchen soviel du willst.
Engel: Das ist ein öffentlich zugängliches Blog, und wird von Leuten gelesen, die du nicht kennst.
Teufel: Das ist mir wurscht, niemand wird gezwungen, das zu lesen.
Engel: Du trittst nicht anonym auf. Damit könnten deine Aussagen hier auch auf deinen Arbeitgeber abfärben; immerhin ein öffentlich-rechtlicher Sender, der sowohl per journalistischen Richtlinien als auch per Gesetz/Konzession zur ausgewogenen, sachlichen Berichterstattung verpflichtet ist.
Teufel: Wenn du am Stammtisch fluchst, färbt das auch nicht auf deinen Arbeitgeber ab. Deine Leser erwarten, dass du gerade hier dein SRG-Mäntelchen ablegst.
Engel: Deine Freunde können vielleicht Mäntelchen unterscheiden, Fremde und potentielle Quellen aber nicht.

2. Wie politisch darf man sein?

Dito. Rede ich privat gern drüber. Darf ich hier?
Auch die Argumentation verläuft ähnlich; lediglich die Gewichtung der Argumente ist bei politischen Aussagen etwas anders wie bei Kraftausdrücken.

Spannend wird es, wenn es um Angriffe auf Personen geht – etwas, das ich privat gern und blumig mache. Wird das aber öffentlich geäussert, bewegt man sich potentiell im Bereich des Strafbaren. Ist ein Blog öffentlich? Auch wenn es vor allem von Bekannten gelesen wird?

Was meint ihr? Und wenn ich schon frage: worüber wollt ihr eigentlich allgemein lesen? Grosse Themenwunschliste go!
3 .. 2 .. 1 … Mitmachinternet!!
  • Games, alles andere ist langweilig!
  • Gadgets, weil ich noch mehr Geld für Grätli ausgeben muss!
  • Popkultur, weil ich voll der Supatopstyler bin!
  • Blogosphere, weil ich am liebsten auf meinen eigenen Nabel schaue!
  • Politik, weil meine Tageszeitung einfach auf dem falschen Dampfer fährt!
  • Hitlerwitze, weil man darüber so befreit herauslachen kann!
  • Urheberrecht und Kopierschutz, weil ich das dann kopieren und auf dem Pausenplatz verkaufen kann!
  • iPhone, iPhone, iPhone, iPhone!
  • Alles, nur nicht iPhone!
  • Mir egal, ich lese alles.
  • Mir egal, ich kann nicht lesen.
  • Mehr Bilder!
 Andere Vorschläge: rein in die Comments!

 

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13 Gedanken zu “Darf man das bloggen?

  1. ich kenne deine kraftausdrücke; well, du kennst auch meine. wir haben ja bei manch einem mittagessen die umliegenden tische schockiert, was allerdings sehr spassig ist.ich finde stammtisch und blog aber nicht das gleiche. gesprochenes platzt halt einfach raus. geschriebenes zeug ist aber eher reflektiert, und mann kann den gleichen pfupf auch anders rüberbringen.aber es geht um drei sachen: anstand, wirkung und konsequenzenwenn es um persönliche angriffe geht, sollte man anständig bleiben. auch bei öffentlichen personen oder solchen, die sich selber zum fenster rauslehnen. die sorgen meist durch ihre blödheit für genug argumente.kraftausdrücke vermindern die credibility und wirkung. es geht dann bei den repliken nicht um den inhalt sondern um die form. wie bei tipper gore und so.das mit dem arbeitgeber muss halt jeder für sich entscheiden. man darf sich aber nicht wundern, wenn das mal nach hinten los geht.das gilt übrigens auch für zukünftige arbeitgeber oder wohnungen und so. mit den blogs und facebook etc. kann man sehr einfach einiges erfahren. vielleicht bekommt man die wohnung oder den job halt nicht, wenn man entsprechende bilder oder blogeinträge publiziert hat.politisches muss man nicht gesondert behandeln. da gilt das gleiche. man muss den möngeli nicht brandstifter nennen; ok das macht halt einfach spass. aber das geht auch anders.cheerio

  2. Kraftausdrücke mindern die Wirkung? Nur wenn sie plump eingesetzt werden. Sonst ist das doch ein wunderbares rhetorisches Mittel! Etwas Feuerwerk für die Gallerie!Das mit der Archivfunktion ist wahr, das ist natürlich ein ziemlich grosser Unterschied zur privaten, mündlichen Äusserung. Aber, wenn das Geschrieben ja tatsächlich besser reflektiert ist, wie du sagst, dann sollte der Text dem Archiv auch standhalten, oder?

  3. mir geht es um fäkaliensprache oder n-wörter etc. oder eben ‚Analmassage und Hitlerwitze‘. da geht wirkung verloren, weil der leser daran kleben bleibt und nicht auf die argumente achtet. für deinen inneren kampf schlage ich folgendes vor: mach für den blog zwei accounts. den guidengel und den guideufel oder guidoifel oder guidolf.

  4. guidolf…wunderbar! das wäre ein toller dj-name. aber über die hat sich ja schon max küng exzessiv ausgelassen, zumindest in seinem ersten buch. muss man max küng mögen? muss man sein zweites buch lesen? max küng ist basler. und er trägt komische wanderhüte an vorlesungen. wo wir schon bei den tagimagi-koryphäen sind: michèle roten hat ja auch einiges dazu beigetragen, dass kraftausdrücke wieder salonfähig sind. insbesondere jene mit bezug zum schnäbi. und dem füzzli. ui, i said an f-word. and i like it! ich weiss, dafür sollte ich mich schämen, aber ich fand michèle roten richtig cool. bis ich sie vor kurzem auf klotzfunk mal live gehört habe. das war richtig schlecht. wie ein aufgedrehter teeny vor papas diktaphon. da war das fluchen peinlich.anyway, ich finde, guido darf und soll kraftausdrücke verwenden, denn bei ihm muss man dabei nicht an picklige leggins-trägerinnen denken.

  5. La Roten trägt Leggings? Ein weiterer Grund, den Tagi nicht zu lesen.Apropos: "Leggins" oder "Leggings"? Also mit dem "g" am Schluss oder nicht? Mein Dictionary sagt mit, und bei Google stehts 8.4 zu 1.2 Mio. Die Toptreffer für ohne g sind alle .ch-Domains, die Schreibweise "Leggins" oder sogar Singular "Leggin" demnach etwas originär Schweizerisches.Wieder laut Dictionary sind Leggings "protective coverings". Das sagt ausser zur Schreibweise auch noch viel über die Mode. Leggings tragen ist also ungefähr so als würden wir Männer mit einem Eishockey-Eierschutzbecher rumlaufen. Natürlich nicht unter, sonder über der Hose.

  6. Da versuch ich es doch mal mit ein wenig Laienjuristerei. Das Problem der Oeffentlichkeit stellt sich bei den Ehrverletzungen nach Art.173ff StGB gar nicht. Bei diesen Tatbeständen genügt es, wenn die Tatsachenbehauptung, bzw. das Werturteil von einer Drittperson zur Kenntnis genommen wird und man dies in Kauf nahm. Das Bundesgericht hat dies übertriebenerweise sogar schon mal bejaht, für ein bei einem Streit der Eltern anwesendes Kind.Würdest Du also einen uns bekannten rothaarigen Saucheib als Nazi bezeichnen, wäre dies zwar richtig, kann aber auch auf einem "privaten" Blog strafrechtliche Konsequenzen haben.Auch zivilrechtlich dürfte es nicht anders sein. Wenn jemand aufgrund eines Blogeintrags auf Persönlichkeitsverletzung klagen will, hat er ihn offensichtlich gesehen. Da besteht kein Bedarf mehr für Klärung, was Oeffentlichkeit ist.

  7. Also gut, mit Ad-hominem-Attacken setze ich mich dem Strafrecht aus. Wie sieht es denn aus mit Generalverachtung, z.B. gegenüber Winterthur oder den Pendlerzeitungslesern aus dem Züri Oberland? Fällt das dann unter die Rassismus-Strafnorm?

  8. Die würde ich nicht nur als straffrei qualifizieren sondern gestützt auf die Präambel der Verfassung "in der Verantwortung gegenüber der Schöpfung" geradezu als gut schweizerische Pflicht betrachten.

  9. und das von einem exilwetziker und einem herrn aus dem hinteren fricktal…rundumschläge gegen winti sind nicht nur völlig aus der luft gegriffen, nein, sie können auch zu handfesten problemen führen, die nichts mit dem anti-rassismus-gesetz oder sonstigem geltenden recht zu tun haben 😉 oder: also gut guido, es hat funktioniert, du bringst mich zum kommentieren wenn du winti anfiggst :-*

  10. da haben wir ja den beweis. der kraftausdruck vom guidolf hat martina zwar zum posten bewegt. aber im post geht es weder um winti noch um pendlerzeitungen und auch nicht um exilwetziker, das hintere fricktal oder frauen. wenn die rundumschläge zu handfesten problemen führen, hat das mit den rundumschlägen zu tun.es geht also nur um die form und nicht um den inhalt.

  11. Hui, du bist aber ernst drauf heute!Natürlich hast du völlig recht – sofern in einer Diskussion die Notwendigkeit einer Einigung besteht.Das ist hier auf diesem Blog aber wohl nur sehr selten der Fall. Jeder darf seine Meinung haben und meinetwegen auch behalten; schliesslich müssen wir am Ende nicht über den Ausbau der Wasserversorgung abstimmen.Deshalb ist Rhetorik erlaubt, und zwar auch Rhetorik, die (wie du richtig beobachtest) vom eigentlichen Thema wegführt.Weil: es soll auch unterhaltend sein, die Posts und die Kommentare hier zu lesen. Und gute Rhetorik ist unterhaltend. Und ein gut gewählter, präzise eingesetzter Kraftausdruck ist gute Rhetorik.

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