Kung Fu Panda: Perfekte Physical Comedy

Waren gestern im Kino und haben uns Kung Fu Panda angeschaut. Fazit: wunderbar. Insbesondere die Art Direction hat mich beeindruckt – und gezeigt, wie gewaltig sich der Animationsfilm seit Toy Story entwickelt hat.

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Jack Black, der den Kung Fu Panda spricht, ist hervorragend gecastet und flösst dem Dicken viel Persönlichkeit ein. Als Po z.B. das erste Mal in die heilige Halle eintreten darf und die Reliquien legendärer Kämpfer erblickt, vertätscht es den Kung-Fu-Geek fast – und diese rohe Begeisterung bringt Black wie kein anderer.

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Enttäuschend sind allerdings einige der anderen prominenten Stimm-Besetzungen: v.a. Angelina Jolie als Tigress und Lucy Liu als Viper bleiben blass.

Trotzdem: Kung Fu Panda ist ein toller Film, perfekte Unterhaltung. Und ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Animationsfilme aus Hollywood aussschliesslich in einem einzigen Genre einnisten: dem der Physical Comedy. Der Humor in Kung Fu Panda ist immer körperlich. Po schleudert sich selbst unfreiwillig in eine Wand. Po verzieht das Gesicht im dümmsten Moment zu einer Grimasse. Po purzelt die laaange Treppe hinunter. Die Dialoge bleiben dagegen einfach, ebenso die Geschichte. Das scheint das sichere Erfolgsrezept zu sein: Wall-E, Ratatouille, Shrek, Madagaskar, Cars, The Incredibles, sogar Nemo funktionieren alle nach demselben Schema – und gehören letztlich in das gleiche Genre, lediglich die Geschichte und damit das Design unterscheiden sich.

Das zeigt mir, dass trotz allen Erfolgen der Animationsfilm aus Hollywood noch nicht ausgereift ist – weil sich eine ganze Branche auf ein einziges Genre konzentriert. Dass es auch anders geht, zeigt als Beispiel der japanische Animationsfilm Hotaru no Haka (Grave of the Fireflies, Die letzten Glühwürmchen) – wohl der traurigste Film überhaupt.
Der Film aus dem legendären Studio Ghibli erzählt das Drama eines Geschwisterpaars, das nach der Atombomben-Explosion in Hiroshima die Eltern verliert und auf sich allein gestellt ums Überleben kämpft.

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Noch nie habe ich vor dem Fernseher so geflennt. Und wie man dieses Gefühl erzeugt, das haben die Animationsfilmer in Hollywood noch nicht entdeckt.

Einen Abend lang mit dem dicken Panda lachen ist natürlich angenehmer. Wenn das aber die einzige Emotion im Angebot ist, dann fehlt die Reife noch.
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2 Gedanken zu “Kung Fu Panda: Perfekte Physical Comedy

  1. Du flennst vor dem Fernseher? Noch dazu bei einem Animationsfilm? Mir fehlen die Worte…Wie wär’s, wenn man hier mal einen Beitrag zum Thema Jungs und Ihre Emotionen schalten würde? Heulen Männer auch bei Games? Darf man sich dazu bekennen? Sind wir überhaupt noch richtige "Sieche"?

  2. Klar kann man sich dazu bekennen! Die Geschichtenerzählform Film ist ja auch ziemlich perfektioniert, in dem Sinne, dass ein guter Film ganz genau weiss, wie man Emotionen erzeugt. Dass das klappt, tut meiner Männlichkeit nicht weh.Bei Games ist man noch nicht soweit. Gerade in der Sind-Games-Kunst-Diskussion wird diesen oft vorgehalten, dass sie nicht in der Lage seien, derart starke Emotionen zu provozieren.Das hat aber weniger mit der Erzähltechnik zu tun, als mit den unterschiedlichen Zielen des Mediums. So hat umgekehrt noch nie ein Film bei mir z.B. Entdeckerstolz ausgelöst. Oder "Wow, dass ich das geschafft habe!" Vielleicht muss ein Medium nicht jede einzelne Taste auf der Klaviatur menschlicher Emotionen drücken können.Das klassische Beispiel für Tränen beim Gamen ist der Tod von Aeris in Final Fantasy VII. Einer der Momente, an den ich mich immer noch deutlich erinnere, und ja, es wurde es bizzeli feucht. Aber eigentlich mehr geschockt als traurig: dass eine zentrale Spielfigur mitten im Spiel unverrückbar wegstirbt, ist ein gewaltiger Bruch mit gängigen Spielkonventionen.

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