Song Summoner: Wie man eine Superidee in den Sand setzt

„Song Summoner: The Unsung Heroes“ ist ein Spiel für den iPod, von der legendären japanischen Spieleschmiede Square Enix – die Macher von Final Fantasy. Ein runden-basiertes Strategiespiel, in dem man eine kleine Gruppe von Kämpfern gegen Roboter und andere Monster antreten lässt.

Die Kernidee von Song Summoner ist toll: man erstellt die Kämpfer – „Song Troopers“ – aus den Songs auf dem iPod. Irgendeinen Song auswählen, z.B. AC/DC, „Back in Black“, und daraus entsteht ein ziemlich starker Ritter. Justin Timberlakes „Cry Me A River“ führt zu einem schwächlichen Mönch, kann ich nicht empfehlen.

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Das hätte ein wirklich tolles Spiel sein können: meine Musik kämpft für mich! Man hätte stundenlang experimentieren können, welche Songs zu welchen Kämpfern werden, ob Hip Hop oder Country die besseren Bogenschützen gibt und ob die Balladen auf dem Schlachtfeld auch was taugen.

Uuhuuuhu! Hab ich gedacht! Ich stehe auf runden-basierte Strategiespiele! Und ich mag die Musik auf meinem iPod! Das wird richtig geil!

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Ist es aber nicht geworden. Im Gegenteil, total versiechet.

Und zwar, weil ein ganz grundsätzlich falscher Designentscheid gefällt wurde. Damit ich das Gefühl bekomme, dass da wirklich meine Musik für mich kämpft, müssten die Song Troopers eng verknüpft sein mit den Songs, aus denen sie entstanden sind. Sind sie nicht.

So wären Musik und Spiel eng verknüpft:
  • Wenn ein Song Trooper kämpft, läuft ein Ausschnitt aus dem Song, der ihn kreiert hat.
  • Song und Trooper gehören zusammen: ich sehe immer, aus welchem Song ich diesen Trooper gemacht habe.
  • Wenn ich aus dem gleichen Song noch ein Mal einen Trooper erstelle, gibt es genau den gleichen. Oder ich kann den gar nicht noch einmal benutzen.
  • Die Eigenschaften des Troopers entstehen nachvollziehbar und verlässlich, abhängig von den Eigenschaften des Songs. Das Entdecken dieser Regeln ist ein Teil des Spiels.

So ist es aber leider nicht:
  • Statt meiner Musik läuft übelstes Dudelgenöle während des Kampfs – Casio-Örgeli-Metal aus den 90ern.
  • Sobald ein Song Trooper erstellt ist, verschwindet der Song auf Nimmerwiedersehen.
  • Der erstellte Trooper ist jedes Mal etwas anders, auch wenn der Song der gleiche war. Die Werte ändern ziemlich zufällig.
  • Welche Songs zu welchen Troopern führen, ist mir komplett schleierhaft und halt zufällig. Damit gibt es nichts zu entdecken, man könnte gerade so gut würfeln.

Der Designentscheid war also so:
„Songs sind einfach das Grundmaterial. Daraus formen wir zufällig einen Trooper. Der Trooper steht im Zentrum.“

Er hätte aber so sein sollen:
„Ein Song IST ein Trooper. Es gibt eine klar nachvollziehbare Logik, wie der Trooper entsteht. Der Song steht im Zentrum.“

Dem taktisch-strategischen Teil des Spiels kann man nicht viel vorwerfen – Square Enix hat schliesslich z.B. mit Final Fantasy Tactics schon bewiesen, dass sie wissen, wie runden-basierte Strategiespiele gemacht werden müssen. Und 7.- hat man auch schon blöder ausgegeben.

Trotzdem: eine so schöne Idee so leichtfertig im hohen Bogen ins Klo gelobbt – das tut mir weh im Herz.

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4 Gedanken zu “Song Summoner: Wie man eine Superidee in den Sand setzt

  1. Erster!!Hihi, endlich auch mal den Klassiker bringen können. Apropos. Was wohl aus Beethoven für ein Trooper würde, wenn das Spiel gut gemacht worden wäre?Jetzt hab ich sogar Ugokonform noch die Kurve gekriegt… 🙂

  2. Beethoven hab ich nicht auf dem iPod, aber mit Bach hab ichs probiert. Gibt eine Bronze-Ritterin (?) namens Heaven’s Door (darf eine Frau "Türe" heissen?). Anständige HP, Defense-Rating auch zimli gut (Ritter sind sowas wie Tanks in Song Summoner).Wie aus einem Pianokonzert ein Tank wird, weiss ich nicht. Der gewählte Satz ist immerhin Allegro.

  3. ich würde jetzt mal vermuten, dass das Lieblingsprinzip unser Juristen, die Geissel der abendländischen Kultur was mit deinem ersten Problem zu tun hat: das copyright! Darf man einfach so Musik, für die der User eventuell nicht mal zum hören bezahlt hat, zum spielen benutzen? Würde uns da Yaël nicht erklären, dass wir dafür nochmal zahlen müssen?

  4. Das glaube ich weniger: schliesslich ist es eine Standardfunktion aller iPod-Spiele, dass man seine Musik im Hintergrund eines Spiels laufen lassen kann. Es ist definitiv nicht die Aufgabe eines einzelnen Spiels, Copyright zu enforcen. Das sehen glaubs auch Juristen so.Und wer ist Yaël?

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