Thailand vs. GTA

Am Samstag soll ein 18-Jähriger einen Taxifahrer erstochen haben. Er wurde verhaftet und habe bei der ersten Einvernahme gesagt, er habe ausprobieren wollen, ob man im richtigen Leben genau so leicht ein Taxi stehlen könne wie im Spiel Grand Theft Auto IV. Den Taxifahrer erstochen habe er, weil der sich gewehrt hat. Das Kulturministerium meldete sich zu Wort und sprach von einer Zeitbombe – und heute hat nun der thailändische Distributor den Verkauf von GTA IV gestoppt.

Grand_theft_auto_iv

1. Das geht aber schnell! Keine Verurteilung, nur eine vage Aussage von einem Polizisten, und zack, schon ein Verkaufsstopp. Warum hatte man es so eilig?

2. Das „Geständnis“ wird via Reuters vom Scheff-Ermittler so wiedergegeben:

„He said he wanted to find out if it was as easy in real life to rob a taxi as it was in the game,“ chief investigator Veeravit Pipattanasak told Reuters.

Die BBC zitiert den gleichen Polizisten ausserdem so:

He wanted money to play the game. His parents, who work as civil servants, did not have enough money to give him.

War nun das Nachmachen des Spiels das Motiv oder war das ein Raubüberfall? Sollte ein Scheffermittler auseinanderhalten können, nicht?

Reuters weiter: „Police said the youth, an obsessive player of „Grand Theft Auto“, showed no sign of mental problems during questioning and had confessed to committing the crime because of the game.

Weil es ja überhaupt kein Anzeichen mentaler Probleme ist, wenn man von einem Spiel besessen ist und versucht, es in Realität umzusetzen.

(Warum braucht der mutmassliche Täter Geld, um GTA überhaupt spielen zu können? Ich nehme an, dass er das Spiel nicht besitzt, sondern in Arcades  einen Platz an einer Konsole mietet. Weiss ich nicht, interpretiere ich so.)

3. Das thailändische Kulturministerium will laut Reuters schon länger eine strengere Regelung von Spielen, z.B. ein Rating-System und eine Einschränkung, wie lange Jugendliche in den Arcades spielen können. Hier wird wieder einmal ein tragischer Einzelfall für politische Zwecke missbraucht. Ein Sprecher lässt sich so zitieren:

„“This time-bomb has already exploded and the situation could get worse,“ Ladda Thangsupachai, director of the ministry’s Cultural Surveillance Centre, told Reuters. „Today it is a cab driver, but tomorrow it could be a video game shop owner.“

4. Thailand hat ein „Cultural Surveillance Centre„? Sehr schön. Es ist sehr wichtig, dass man Kultur überwacht. Weil Kultur ja so gefährlich für die Gesellschaft ist.

Brauchen wir unbedingt auch in der Schweiz! Ich hätte einen Vorschlag, wer das Zentrum leiten könnte: Roland Näf, SP Bern, der Vorkämpfer gegen „Killerspiele“. Der sich nicht zu blöd war, anlässlich seiner Niederlage im Verkaufsverbots-Prozess gegen den Mediamarkt doch tatsächlich einen Bezug zu einem Amoklauf in Japan am Vortag herzustellen. Für ihn ist der ursächliche Zusammenhang zwischen Gewalttaten und Gewaltspielen ebenso erwiesen wie für die schnellen Thailänder.
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4 Gedanken zu “Thailand vs. GTA

  1. man muss schon aufpassen, im fall. als bübi hab ich jenschtes space invaders gespielt. seither sind die aliens nicht mehr sicher vor mir. hier kann man das metzeln lernen:http://www.spaceinvaders.de/bein intergallaktischen bangbang-gericht funktioniert die game-ausrede übrigens super.

  2. Ich kann mir nicht helfen, aber bei "Bangbang-Gericht" lese ich jedes Mal "Gangbang-Bericht". Make love not war!

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