Thailand vs. GTA: der Idiotenreigen tanzt weiter

Das GTA-Theater in Thailand hat sich ausgebreitet. So hat auch Malaysia plötzlich Angst vor GTA bekommen. Eine Konsumentenschutzorganisation hat das Ministry of Domestic Trade and Consumer Affairs aufgefordert, das Spiel zu verbieten, und bereits erfolgte Verkäufe zurückzurufen.

Einen Rückruf! GTA sehen die damit auf der gleichen Stufe wie Airbags, die nicht aufgehen.

Das thailändische Gesundheitsministerium hat auf den Druck reagiert und eine Liste veröffentlicht mit den 10 gefährlichsten Spielen, die man unbedingt meiden soll:

  1. GTA
  2. Manhunt
  3. Scarface
  4. 50 Cent : Bulletproof
  5. 300 : The Video Game
  6. The Godfather
  7. Killer 7
  8. Resident Evil 4
  9. God of War
  10. Hitman : Blood Money

Wie kommt das Gesundheitsministerium auf diese Liste? Offenbar hat jemand einfach nach „violent games“ gegooglet, stiess dabei auf eine Liste von Spielen einer Staatsanwältin in Detroit, die der Meinung ist, dass Gewalt-Spiele zu einer Desensibilisierung gegenüber Gewalt führen. Tun sie nicht: wer häufig Gewalt-Medien konsumiert (Filme, Games), reagiert weniger empfindlich auf Gewalt in eben diesen Medien. Dass auch eine Veränderung der Haltung zu echter Gewalt stattfindet, konnte in unzähligen Studien nicht nachgewiesen werden.
Das hielt das Gesundheitsministerium in Thailand aber nicht davon ab, die auf dem Internet entdeckte Liste einfach 1:1 zu übernehmen

In den Reigen der Denkfaulen gliedert sich natürlich auch der amerikanische „Ambulance Chaser“ Jack Thompson ein und packt die Gelegenheit am Schopf, den Thailand-Fall als Beweis seiner „Games are murder simulators„-These zu präsentieren.

Und nun schlägt die Idiotie auf Europa über: in Spanien hat der Vorsitzende des katalanischen Taxi-Verbandes die spanische Regierung aufgefordert, GTA aus dem Verkauf zu nehmen, weil der Fall in Thailand die besondere Gefährdung der Taxifahrer durch dieses Spiel zeige.

Lineinthesand01

Da mir bei dieser ganzen versammelten Dämlichkeit die Worte fehlen, bleibt mir nichts anderes übrig, als Walter S. aus The Big Lebowski zu zitieren:

This is not Nam.  There are rules. […] HAS THE WHOLE WORLD GONE CRAZY?
I’m talking about drawing a line in the sand, Dude. Across this line you do not, uh–

Die Regeln wären, dass sich Anwälte und Gesundheitsministerien auf mehr abstützen als auf Internetsuchen und abstruse Theorien – und die Linie im Sand ist überschritten, wenn sich Taxifahrerverbände in Spanien zu Mordfällen in Thailand äussern.

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14 Gedanken zu “Thailand vs. GTA: der Idiotenreigen tanzt weiter

  1. Ich bin ja einverstanden, dass das sobchakesk ist. nur weil in den Studien bisher nicht nachgewiesen werden konnte, dass eine Veränderung der Haltung zu echter Gewalt stattfindet, heisst aber nicht, dass es nicht trotzdem so sein kann. Dies zu beweisen geht eh nicht. Ausser man nimmt Zwillinge und lässt den einen 10 Jahre ballern und den anderen 10 Jahre Briefmarken sammeln, Triangel spielen oder Planeten beobachten. Beide dürfen weder Nachrichten schauen noch in die Gewaltzone Pausenplatz. Nix Fussball, nix Doktorspiele… (so ein Pech!). Auch wenn dieser Beweis fehlt, fühlt es sich trotzdem nicht ok an, wenn jedes erdenkliche Spiel endlos gespielt wird. Da genügt SJW-Heftli-Psychologie.

  2. Das ist jetzt aber recht unsauber argumentiert.1. Wenn man etwas nicht beweisen kann, dann darf man es einfach behaupten? So hat Wissenschaft noch nie funktioniert.2. Warum fühlt es sich nicht ok an? Was sagt die SJW-Heftli-Psychologie dazu genau?3. Bei den aktuellen Verkaufsverboten in Thailand und anderswo geht es nicht um Kinder. Der mutmassliche Täter ist 18. Die Verkaufsverbote gelten auch für Erwachsene. Warum soll ein Erwachsener Kriegs- und Verbrecher-Filme schauen, aber keine Kriegs- und Verbrecher-Games spielen dürfen?4. Möglicherweise gibt es einen Unterschied in der Wirkung, wenn ein Spiel "unendlich" oder nur ab und zu gespielt wird. Wie genau hilft da ein Verkaufsverbot?5. Bei deinem Beispiel bin ich ziemlich sicher, dass beide Zwillinge zimli lätz rauskommen. Das sagt jedenfalls mein SJW-Heftli.

  3. 1: nö, wenn man aber etwas nicht beweisen kann, heisst es nicht, dass es nicht trotzdem so sein kann.2: kinder können schon albträume haben, wenn die mutter von pingu in einer zeichnung fehlt.3. wenn er 18 ist, hat er wohl schon vorher damit gespielt. die tat ist somit eine folge seiner baller-game-jugend. und: wenn papa das kaufen darf, spielt sein gefitztes bübi das game, wenn papa taxifahrer vermöbelt. und: film schauen oder selber abdrücken ist wohl nicht das gleiche. wenn ich einen film schaue, geht es mir nie wie bei unseren unreal-sessions; keine adrenalinschübe. ok, vielleicht liegt das daran, dass ich als bübi pausenlos Gewaltfilme geschaut habe (Tom & Jerry, Road Runner, Rauchende Colts, etc.) und nun völlig abgestumpft bin.4. Ab und zu statt unendlich zu spielen hat mit Eigenverantwortung zu tun. Das bringen Liberale (oder freisinnig Liberale) gerne als Argument gegen Verbote. Das funktioniert aber leider selten. Wegen mir braucht es z.B keine Geschwindigkeitsbeschränkung, und Diebstahl oder Körperverletzung müssen nicht verboten sein; ich würde es auch sonst nicht machen.5. Das stimmt, und ich bin mir nicht sicher, welcher lätzer rauskommt. Ich bin einverstanden, dass ein völliges Verbot Blödsinn ist. Ich finde aber auch eine Verharmlosung falsch.Da sag ich nur: Smokey, mark it zero!

  4. 2. Auch Erwachsene haben Alpträume. Warum soll der Alptraum zu einer Gewalttat führen? Wenn die Kinder nicht GTA spielen wollen, weil sie davor Angst haben, zwingt sie ja niemand dazu. Wenn sie es spielen und manchmal Angst kriegen, dann helfen Eltern bestimmt weiter. Und vielleicht überwinden die Kinder sogar ihre Angst und das ist dann ein schöner Moment. Wie genau soll das zu Gewalt führen?3.1. Du weisst weder, ob der Junge eine Baller-Game-Jugend hatte, noch was sein Vater angestellt hat. Die Moralapostel in Thailand, die GTA verbieten wollen, auch nicht. Und trotzdem ist denen klar, dass nur etwas die Tat ausgelöst haben kann. Was ist mit den Klassikern (Gewalt im Umfeld, soziale Stellung und Aussichten, Drogen)? Dafür gibt es Studien, die auch tatsächlich beweisen können, was sie behaupten.3.2. Ja, ein Game spielen ist etwas anderes als einen Film schauen. Beiden Medien wird aber der gleiche Effekt vorgeworfen (bei den Filmen einfach schon viel länger). Dass Spielen Adrenalin-Schübe auslösen kann, ist gut gesichert und x-fach in Studien nachgewiesen. Viele dieser Studien sprechen dann allerdings sofort davon, dass "die Aggression gesteigert wurde". Das ist ein unzulässiger Schluss: Erregung ist nicht gleich Aggression. Es wurde bis jetzt weder geziegt, ob eine aggressive Stimmung auch zu tatsächlicher Gewaltausübung führt, noch ob diese Aggression längerfristig anhält oder Auswirkungen auf das Verhalten am nächsten Tag hat.4./5. Gesetze müssen verhältnismässig sein. Wie vielen Leuten nimmt man die Freiheit, etwas zu tun, um was zu verhindern? Bei Körperverletzung ist diese Abwägung sehr einfach: es ist zu verantworten, die Freiheit einzuschränken, jemanden zu verprügeln, weil die Folgen für den Verprügelten zu schlimm sind.Gewaltspiele werden nachweislich von Millionen Menschen gespielt, ohne messbare Auswirkungen. Ein Verbot wäre kein bisschen verhältnismässig.Nice sparring, keep it coming!

  5. 2. Ich sage nicht, dass Albtäume zu Gewalt führen. Das war lediglich die SJW-Heftli-Psychologie zur Aussage, dass es sich nicht ok anfühlt.Wieso soll es ein schöner Moment sein, wenn die Kinder mit den Eltern die Angst überwinden, die ihnen ein Gewaltspiel eingeflösst hat? Damit sie furchtlos draufhauen können?3.1. Was ist, wenn die Klassiker (Gewalt im Umfeld, soziale Stellung und Aussichten, Drogen) da sind und das Gewaltgame lediglich der Trigger ist? Pech für das Opfer? ok, keine studien, die das beweisen…. aber es gibt auch keinen beweis, dass es eine Klimaerwärmung gibt, es gibt keinen Beweis, dass der Mensch an der Klimaerwärmung schuld ist. Und es gibt keinen Beweis, das gen-manipulierter Mais zu riesigen Mutanten-Ameisen führt. Drumm volle Kraft voraus.3.2. Ach wie gut, dass niemand weiss das ich auf die Studien sch… Das Gegenteil ist auch nicht bewiesen. Niemand kann behaupten, dass es keinen Einfluss hat. Wir können ja mal zusammen einen Kinoausgang beobachten und das Verhalten des Publikums vergleichen. Aber auch das wird aber schwierig, weil nicht das gleiche Publikum "Die Geschichte vom weinenden Kamel" und "Saw XXIV" schauen geht.Studien sind schon ok, man sollte sie aber auch nicht überbewerten. Wie sie entstehen müssen wir hier nicht thematisieren. Und oft kommen Studien heraus, die genau das Gegenteil der vorherigen Studien beweisen. Gerade bei Gesundheits- oder Ernährungsfragen. Zuerst ist etwas gut, dann doch schlecht, dann doch wieder nicht. Gesunder Menschenverstand ist manchmal eben besser. Und der sagt mir eben, dass sich Gewaltgames nicht gut anfühlen. Ob nun GTA des Teufels ist, spielt gar nicht so eine Rolle. Es fühlt sich auch nicht ok an, wenn man das einfach verbietet. Aber einfach sagen, dass es keinen Beweis und somit kein Problem gibt, finde ich eben zu einfach. Und die Gameindustrie macht es sich auch zu einfach. Der Plan besteht aus dem Kleber mit der Alterslimite. Die Konsolen könnten doch z.B. einen integrierten Altersschutz haben, der von den Eltern aktiviert wird. Digital-TV kann das und die Kinder müssen einen Code eingeben; juhu. 4./5. Erinnert mich an die Armeewaffen-Diskussion. Nur weil ein paar unvernünftige, verwirrte Deppen die Frau oder die Kinder erschiessen, soll die Freiheit der anderen nicht eingeschränkt werden, eine Waffe samt Munition zu hause zu haben. Und Verhältnismässigkeit ist eh kaum zu definieren.Es ist eine kühne Behauptung, dass Millionen Menschen Gewaltspiele ohne messbare Auswirkungen spielen; das weiss man nicht. Vielleicht wäre der Strassenverkehr weniger aggressiv, das Gedränge beim Einsteigen in die S-Bahn weg und die UBS-Krise durch eine weniger aggressive Strategie gar nicht geschehen…

  6. 2. Weil Kindern lernen müssen, mit Angst umzugehen. Und weil ich glaube, dass Geschichten, die Angst machen, genau diese Funktion haben (Monstermärchen genauso wie Gewaltgames). Man kann im sicheren Rahmen ausprobieren, wie das ist, Angst zu haben, und wie man damit umgeht. Natürlich sollen Eltern ihren Kindern nicht extra Angst einjagen. Aber komplett vor jedem Angstzustand abzuschirmen ist wohl schlechter.3.2.1. Dass der Altersaufkleber das Problem lösen soll, das ist in der Tat die Strategie der Industrie, und da bin ich mit dir einverstanden, dass das scheinheilig ist. Habe ich mich grade heute in einem anderen Post dazu geäussert:http://guido.posterous.com/haben-eltern-angst-vor-gtaTatsache ist, dass auch minderjährige Kinder manchmal mit Gewalt spielen, und dieser Diskussion muss man sich stellen.3.2.2. Den integrierten Altersschutz gibt es übrigens, und zwar in jeder aktuellen Konsole, und bei jedem aktuellen Betriebssystem (Vista, OSX Leopard). Ich gehe allerdings davon aus, dass viele Eltern weder davon wissen noch das einstellen können.3.2.3. Wenn du sagst, es "fühle sich einfach nicht gut an", dann ist das ein subjektives Statement eines Vaters, und natürlich dein gutes Recht (ich durfte auch weder Fernsehen noch mit Chäpslipistolen spielen). Ich finde aber trotzdem, dass sich die Wissenschaft damit befassen soll, und auch, dass sie schon jetzt zu Ergebnissen gekommen ist. Und diese Ergebnisse deuten eben eher darauf hin, dass wir uns umsonst Sorgen machen, als umgekehrt.5.1. Nein, das ist keine kühne Behauptung, das ist gesunder Menschenverstand. Gewaltspiele gibt es seit 30 Jahren. Wenn die so schlimme Auswirkungen hätten, hätten wir die schon lange feststellen müssen. Haben wir aber nicht.5.2. Der Vergleich mit der Armeewaffe passt mir gar nicht – weil du damit suggerierst, dass das Gewaltspiel ähnlich tödlich wie ein Gewehr ist. Ist es nicht.Ob eine solche Einschränkung der Schützen verhältnismässig wäre, wird ja diskutiert. Natürlich kann man Verhältnismässigkeit nicht definieren, man muss jeden einzelnen Fall abwägen. Das tun Gerichte und Gesetzgeber täglich.Aber du wirst auch zugegeben müssen, dass der Effekt einer verfügbaren Waffe potentiell viel grösser ist, als der eines verfügbaren Gewaltspiels.6. Du schneidest mit deiner (rhetorisch leicht überdrehten?) Schlussbemerkung ein spannendes Thema an, bei dem ich allerdings zu einem genau gegenteiligen Schluss komme.Wir leben historisch gesehen in einer unglaublich gewaltfreien Gesellschaft; ich meine nicht kriegerische Konflikte, sondern wie viel Gewalt im normalen, friedlichen Alltag üblich ist. Dass Menschen persönlich keine Gewalt ausüben sollen, ist ein ziemlich neuer Gedanke (noch vor 100 Jahren war es total ok, seine eigenen Kinder zu verprügeln). Es ist logisch und nachvollziehbar, diesen Gedanken konsequent durchzuziehen, und nicht nur die reale Gewalt aus dem Alltag der Menschen verbannen zu wollen, sondern auch die Gewalt aus den Gedanken und Geschichten.Ich glaube, dass das keine gute Idee ist; im Gegenteil: wir sind fasziniert von Gewalt, und sollten uns ab und zu damit beschäftigen dürfen – sei es in Form einer Geschichte oder eines Spiels voller Gewalt. Ich würde sogar behaupten, dass das dem Ideal der gewaltfreien Gesellschaft zuträglich ist.

  7. 2. GTA als Rotkäppchen-Ersatz lehrt uns den Umgang mit Angst …. I’m the walruss5.1. Die Gewalt hat allerdings zugenommen. Früher (als alles besser war und so) prügelte man sich zwar dauernd auf dem Pausenplatz oder bei der Chilbi. Heute kommt es aber vor, dass eine Gruppe Jugendlicher einen Opa überfällt und ihn noch in den Kopf tritt, wenn er schon längst ohnmächtig ist. Vielleicht sind das ja Auswirkungen. Ok, ich sage nicht, dass das mit den Games zusammenhängt. Aber einfach behaupten, dass bisher keine Auswirkungen zu sehen sind, geht nicht.5.2. Da hast du schon Recht. Aber die Diskussion wird ähnlich geführt. Nicht die Waffe resp. das Game tötet, sondern der Mensch. 6. Da bin ich nicht einverstanden. ‚unglaublich gewaltfreie Gesellschaft‘ stimmt vielleicht für unsere Breitengrade bezüglich Erziehung von Kindern und ist wohl eher die Folge der Touchy-Feely-Methoden als der Gewaltspiele. der Rest prügelt weiter was das Zeugs hält.7. Dass wir von Gewalt fasziniert sind stimmt wohl. Aber sich damit beschäftigen ist im Rahmen des Sports (Fussball, Hockey, Boxen) besser. Da hat man es mit echten Menschen zu tun und lernt, wo die Grenzen sind (ein anständiges Tackling schmerzt noch eine ganze Weile und es gibt Regeln). Bei den Gewaltgames lernt man ja letztlich, dass man volle Pulle geben kann und dafür noch Punkte bekommt. Im schlimmsten Fall (wenn man Prügel einsteckt) passiert nichts; nicht mal ‚insert coin‘ (das Game hat man ja gekauft oder … raubkopiert).

  8. 5.1. Ich habe mich mal beim BFS schlau gemacht. Da gibt es eine Langzeitstatistik zur Jugendkriminalität, 1946 – 2004:http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/news/publikationen.html?publicationID=2839Und natürlich ist die Wahrheit kompliziert. Ja, Verurteilungen von Jugendlichen steigen an. Das schlägt sich allerdings nicht in mehr Verurteilungen bei Erwachsenen nieder (Interpretation: Jungendliche begehen mehr Straftaten als früher, als Erwachsene reissen sie sich dann aber zusammen).Und: Straftaten gegen Leib und Leben sind ein sehr kleiner Anteil: von ’46 – ’80 sinken sie sogar, von 5% auf 1% (Anteil an allen Verurteilungen nach StGB). Dieser Trend hat sich allerdings gekehrt: seit ’80 ist der Anteil auf 10% gestiegen.Bevor du jetzt deinen Statistiksieg feierst – das BFS schreibt: "Ob die Zunahme der Leib- und Lebensdelikte ausschliesslich auf eine Zunahme von gewaltsamen Handlungen zurückzuführen ist oder auf geänderte Sensibilitäten gegenüber Gewaltausübung hinweist, wird von der Fachwelt kontrovers diskutiert und kann auf Grund der Datenlagen nicht sicher entschieden werden."7. Beim Sport setzt man seinen Körper ein, diesen Unterschied sehe ich. Dass das per se eine bessere Aggressionsbewältigung ist, glaube ich nicht.Das mit den echten Menschen stimmt nicht: gerade Shooter-Games werden heutzutage praktisch immer online gespielt, gegen andere Menschen, und manchmal (Counterstrike) auch mit anderen Menschen, im Team. Es spielen die genau gleichen Mechanismen wie im Sport: Training, Teammeetings, Wettkämpfe etc.Und: was ist mit den Kindern, die schlecht im Sport sind? Die einfach zwei linke Füsse haben und beim besten Willen nicht tschutten können? Wenn die auch mal in irgendwas gewinnen/gut sein wollen, dann bieten sich Games doch an.

  9. 5.1. Das mit der erhöhten Sensibilisierung gegenüber Gewaltausübung spielt sicher eine Rolle. Wenn man früher als Kind vermöbelt wurde, bekam man vom Vater allenfalls noch ein ‚hast es wohl nicht anders verdient‘ zu hören. Heute schreit man schneller Zetermordio. Der Anteil Anzeigen ist sicherlich gestiegen. Das ist in Ordnung so.Ich kann mich aber nicht erinnern, dass es früher unkontrollierte Vermöbelungen gab. Eine Gruppe, die aus purer Langeweile noch Bewusstlosen in den Kopf tritt und so.Wir sind nun etwas abgeschweift. Ob denn ein Zusammenhang zu den Gewaltspielen besteht ist eine andere Frage. Es besteht aber eine gewisse Ähnlichkeit mit Gewaltgames, wenn eine Gruppe Jugendlicher mit Baseball-Schlägern, Schlagringen etc. loszieht und Passanten hemmungslos vermöbelt.7. Da bin ich nicht einverstanden. 7.1. Auch wenn man mit Freunden spielt, geht es weiter als ein Tackling. Man macht einen Headshot. Zudem ist beim Sport auch das Zusammensein ein wichtiger Aspekt. Sich physisch treffen ist was anderes. Der Gestank nach Schweiss in der Garderobe und so. Physisch nudelfertig zusammen was trinken (nach Sieg oder Niederlage). Nenn mich einen sentimentalen Whatever, aber das ist nicht das gleiche.7.2. Kinder, die im Sport schlecht sind … well, die tschutten gegen solche, die auch schlecht oder noch schlechter sind. Und übrigens: die meisten Tritte habe ich in der Schule beim Tschutten von denen bekommen, die nicht mal linke Füsse hatten…ok, im ernst… Ich bin nicht sicher, ob es für das unsportliche Kind gut ist, wenn es sich – während die anderen draussen tschutten und grölen – alleine zu Hause mit Gewaltspielen sozialisiert.Das Argument mit den Online-Gruppen (auch soziale Netzwerke) finde ich übrigens auch nok. Auch wenn man in einer Gruppe ist, sitzt man allein zu Hause und hat einen stark eingeschränkten Austausch. Dieser beschränkt sich auf das Game (Strategie etc.). Wenn man zusammen Bowlen geht kann man sich während dem Spiel über Gott und die Welt unterhalten. Man trifft evtl. sogar Jesus Quintana, der seinen legendären Hüftschwung zeigt; ok, evtl. kommt auch Walter S. und hält einem seine Waffen an den Kopf…Zudem findet alleine in der verdunkelten Kammer (Fensterläden zu, damit das Bild besser sit) auch eine Verwahrlosung statt. Aus dem Bett direkt (ungewaschen und unrasiert, man wird ja nur online als hochpolierter Siegfried gesehen) an den Bildschirm, und wegen Zeitmangel nur Fertigpizza und Bier. Also solche WOW-Spieler gibt es ja genug…In die Gewaltspiele einen Nutzen für die Spieler und die Gesellschaft hineinzuinterpretieren finde ich schon ziemlich abgefahren. Kinder sollen damit lernen Angst zu überwinden, und unsportliche Kinder sollen auch mal das Gefühl des Sieges erleben… chum etz! Es isch eifach geil! So ist es doch.

  10. 7. Ich glaube, du unterschätzt die soziale Komponente, die Games heute haben. Und du zeichnest ein Klischeebild vom Online-Gamer, das in Einzelfällen zutreffen mag, aber nicht in der Breite. Es zeigt sich z.B., dass auch Single-Player-Games von Kindern oft in Gruppen gespielt werden (jmd spielt, die anderen kommentieren, oder man wechselt sich ab); dass Games ein wichtiges Gesprächsthema sind (so wie früher TV).Im wettkampfmässig betriebenen Bereich (z.B. Counterstrike) treffen sich die Clans auch in echt, veranstalten Trainingslager etc. Und dass in WoW auch Freundschaften entstehen, die die virtuelle Grenze überschreiten, ist bekannt.Natürlich, viele werden sich online auf das Spiel konzentrieren – und halt v.a. über das gemeinsame Hobby sprechen. Aber das ist im Fussballclub doch auch nicht anders.Ich sage nicht, dass Games ALLEN Kindern die Angst nehmen etc. Ich sage nur, dass Games diese Funktion haben können. Und ich finde es gut, dass ein Gesellschaft diese Möglichkeit bietet. Ob man diese Möglichkeit individuell nutzen will, steht jedem frei. Dass das eine Nische ist und nicht alle betrifft, zeigen die Verkaufszahlen: Titel mit 16+-oder-älter-Klassifizierungen machen nur ca. 10 – 15% des Umsatzes der Branche aus.8. Mit der Verwahrlosung wechselst du zwar das Thema, aber meiner Meinung nach auf die Diskussion, die man eigentlich führen sollte: nicht die Gewalt ist das wirkliche Problem, sondern das Suchtpotential. Dein Bespiel könnte von jemandem sein, der evtl. ein Suchtproblem hat.Sucht ist ein komplexes Verhalten und wird in der modernen Prävention eigentlich nicht mehr auf die Substanz reduziert; sondern mehr über Auswirkungen und Verhaltensveränderungen definiert. Es gibt eine WHO-Checkliste mit verschiedenen Faktoren, die erfüllt sein müssen, dass man von Sucht sprechen kann: z.B. körperliche Auswirkungen bei Entzug, Unfähigkeit, aufzuhören, Verlust des Zeitgefühls, negative Auswirkungen auf das soziale Umfeld oder die Perspektiven etc.Es gibt Leute, die davon sprechen, dass bei jeder "Substanz", die starke, begehrenswerte Emotionen auslösen kann, ca. jeder 20. in eine Abhängigkeit schlittert. Und weil Games "einfach geil" sind, haben sie dieses Potential.Dieses Risiko ist aber eines, dass die Eltern gut handhaben können. Suchtverhalten kommt nicht aus dem Nichts, die Warnzeichen sind bekannt.

  11. In der Gruppe spielen stimmt schon; das war schon bei Space Invaders so; damals halt mit einer riesen Kiste im Spielsalon heute mit portablen Gadgets. und wenn die kinder so in der Gruppe Spass haben, spielt es keine rolle, ob es ein Game, Tschau Sepp oder ein Quartett (bei dem auch nur um weiter grösser schneller geht) ist.Übriges: Ich glaube nicht, dass Monstermärchen Kindern den Umgang mit Angst beibringen sollen. Da geht es eher um das Gegenteil. Die Kinder sollen Angst vor dem Wolf haben und nicht in den Wald gehen. Das gehört für mich in die Zeit, als man die Kinder mit der kräftigen Hand erzogen hat. Ich erzähle diese Märchen nicht gerne. Wenn z.B. Max und Moritz vom Müller gemahlen werden, sind Kinder ziemlich irritiert (und ich mache dann schnell weiter). Auf die Frage, was denn das soll, will ich nicht sagen, dass die beiden Streiche spielen und dies halt die Folge ist. Da kann ich dann nicht anders, als zu sagen, der Müller sei halt auch nicht sehr nett und so …

  12. Könnte man das nicht verallgemeinern, und behaupten, dass Kinder hier generell eher empfindlicher sind Gewalt gegenüber? Das Märchenbeispiel würde passen.Ein anderes: als ich in Madagascar war, sind wir einer Familie begegnet, die im Fluss Krebse gesammelt hat. Das Kind hatte so einen Krebs in der Hand. Während wir mit der Mutter gesprochen haben, hat uns das Kind gedankenverloren angestaunt, und dem Krebs ein Bein nach dem anderen gebrochen. Wohl weil es so schön knackt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Kinder hier das tun würden, weil man Tierli doch nicht weh machen soll. (Vielleicht ist das auch ein Stadt-/Land-Unterschied; allgemein bewegt sich aber die Weltbevölkerung in die Städte.)Das würde doch zu meiner These passen: Gewaltverzicht im Alltag ist eine zivilisatorische Leistung (vielleicht gerade, weil er in der Enge der Stadt überlebenswichtig wird). Eine richtig anstrengende. Trotzdem verschwindet Aggressivität nicht, sie wird einfach kontrolliert. Und das Beschäftigen mit fiktiver Gewalt kann ein mögliches Mittel dazu sein.

  13. Nun, die zivilisatorische Leistung ist das Resultat harter Arbeit. Als Vater ist man damit konfrontiert, dass ein Kind sagt: haha en Ameise … sölli tot mache (grins. lechz, gier, sabber)? Oops! Als erstes denkt man, woher das kommt (sicher die Krippe), dann schaut man verlegen die anderen Mamis und Papis an. Schliesslich sagt man: Nein, das ist nicht nett, die arme Ameise, das macht man nicht etc.Vielleicht sind wir eben tatsächlich so; halt immer noch Brüllaffen oder Primaten. Gewalt steckt in uns drin. Wir können nur den Deckel draufheben; oder – wie Du sagst – Gewaltgames spielen. Lass und doch einen Lastwagen mit Konsolen in den Kaukasus schicken.Müsste sich nicht irgend wer mal einschalten in die Diskussion?

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