Der Todesritter, Teil 2: Von Tank&Spank und Tank-Trees

Der Todesritter ist die neue Heldenklasse in World of Warcraft: Wrath of the Lich King. Diese zweite Erweiterung von WoW wird für den Winter erwartet, im Moment läuft der Beta-Test von WotLK. Ich gehöre zu den Glückspilzen, die daran teilnehmen dürfen – und habe mich gleich auf den neuen Todesritter gestürzt. Eine der Rollen, die man mit dem Todesritter spielen kann, ist die des Tanks. In dieser dreiteiligen Serie beleuchte ich die Entwicklung des Tanks in World of Warcraft für Uneingeweihte und erkläre, warum ein Todesritter-Tank so aufregend ist. Dieser zweite Teil befasst sich mit der Veränderung der Tank-Rolle.

Im ersten Teil der Serie habe ich den grundlegenden Spielmechanismus von World of Warcraft beschrieben: in einer Gruppe mit 5 Spielern übernimmt einer die Rolle des Tanks; der stellt sich vor das grosse böse Monster hin und lenkt dessen Aufmerksamkeit auf sich. Ein Heiler kümmert sich darum, dass der Tank am Leben bleibt. Und die restlichen drei hauen auf das Monster ein, aber sozusagen heimlich – das Monster darf nicht plötzlich auf sie los, weil sie zwar austeilen, aber nicht einstecken können.

Diese Taktik hat einen Namen: „Tank and Spank„. Den Tank vorne hinstellen und dann das Monster „spanken“ – den Hintern versohlen.

Das ist die einfachste Art von Bosskampf: ein einzelner, starker Endboss, der mit dieser Taktik gut bekämpft werden kann. Viele der ersten Endgegner in World of Warcraft liefen nach diesem Schema ab.

Das Spiel gibt es aber seit Ende 2004. Und seither wird laufend neuer Inhalt gestaltet, und damit auch neue Bosskämpfe. Und den Spieler von WoW wurde die Tank&Spank-Taktik bald langweilig.

Deshalb sind moderne Bosskämpfe in der Regel viel abwechslungsreicher. Z.B. ist der Endgegner nicht allein, sondern hat noch ein paar Kameraden dabei. Dann spielt man oft mit einem sog. „Off-Tank“: der „Main-Tank“ bindet den stärksten Gegner alleine an sich; der „Off-Tank“ sammelt alle anderen Gegner ein und beschäftigt die so lange, bis der Rest der Gruppe den stärksten Gegner geschafft hat und sich um die kleineren kümmern kann.

Es gibt auch Gegner (z.B. der Magier Aran im Geisterschloss Karazhan), die sich gar nicht von einem Tank beeindrucken lassen, bei denen das Bedrohungs-Spielprinzip schlicht nicht gilt. Aran wählt sich zufällig einen Spieler aus und greift den per Feuerball oder Frostblitz an, unabhängig davon, wer gerade wie viel Bedrohung erzeugt. In einem solchen Kampf muss die Gruppe ganz anders vorgehen, als in einem gewöhnlichen Tank&Spank-Kampf.

Das bedeutet aber auch, dass kaum eine Gruppe unvorbereitet in einen Kampf steigt. Entweder hat man Spieler dabei, die sich schon auskennen – und die den Neulingen vor dem Kampf erklären, wie der abläuft und welche Strategie man wählt.

Oder man informiert sich vorher. Dafür gibt es einen Wust von Internet-Seiten (z.B. WoWWiki oder Bosskillers), die Strategien und Kampfbeschreibungen bereithalten. Es gibt allgemein anerkannte Strategien, aber oft auch wilde Debatten um das richtige Vorgehen.

Diese Entwicklung ist vergleichbar mit anderen gewachsenen Spielen wie z.B. Schach, wo z.B. über Eröffnungen diskutiert wird (und mit der Zeit neue Strategien entwickelt werden, die alte ersetzen).

Wenn sich also früher ein Tank einfach vor das Monster hingestellt und es geärgert hat, dann reicht das heute nicht mehr. Ein Off-Tank z.B. muss möglichst schnell mehrere Gegner „einfangen“ können, und sich deshalb geschickt und effizient bewegen. Oder dass ein Tank mitten im Kampf nicht mehr tankt, sondern zum Schadensmacher wird, und dafür extra eine andere, besser geeignete Rüstung anzieht. Oder dass sich zwei Tanks an einem Boss abwechseln (weil sie alleine nicht lange genug durchhalten würden – eine sog. „Tank-Rotation“).

Insgesamt hat sich also die Rolle des Tanks stark entwickelt und differenziert. Sie ist komplexer, aber auch spannender geworden. Und mit der neuen Erweiterung Wrath of the Lich King ändert sich das Tanken erneut.

Fullscreen

Alle Klassen (Magier, Krieger, Priester, etc.) lernen neue Fähigkeiten, wenn sie erfahrener werden. Man kann nicht jede beliebige Fähigkeit („Talent„) lernen: einige erfordern, dass man bereits ein anderes Talent erlernt hat; die Anzahl ist insgesamt begrenzt.

Talente sind in Bäumen angeordnet, für jede Klasse gibt es drei verschiedene Bäume. Jeder Baum entspricht einer bestimmten Spezialisierung. Ein Magier z.B. kann Talente aus dem Feuer-, Frost- oder Arkan-Baum auswählen. Ein Magier, der vor allem Talente im Frost-Baum ausgewählt hat, nennt man einen Frost-Magier; die meisten (und die stärksten) Zaubersprüche dieses Magiers haben dann irgendetwas mit Eis zu tun, frieren z.B. Gegner ein.

Das gleiche gilt für Tanks. „Tank“ ist nicht eine Klasse, mehrere Klassen können als Tank spielen (z.B. Krieger, und eben die neuen Todesritter). Damit aus einem Krieger aber ein Tank wird, muss er die richtigen Talente erlernen. Ein Krieger, der die Tank-Rolle effektiv ausfüllen möchte, lernt z.B. „Verbesserter Spott“, „Letztes Gefecht“ oder „Zähigkeit“. Damit werden defensive Eigenschaften, die ein Krieger auch sonst hat, verstärkt – ausgerichtet auf die Anforderungen, die an einen Tank gestellt werden: zäh sein, viel einstecken und viel Bedrohung erzeugen können.

Bis jetzt gibt es für jede Klasse immer genau ein Baum, der die für den Tank wichtigen Talente enthält. Bei einem Krieger oder einem Paladin ist das der „Schutz“-Baum. Ein Krieger, der als Tank spielt, wählt also die allermeisten Talente aus dem „Schutz“-Baum und ergänzt sie lediglich durch einige wenige aus anderen Bäumen.

Auch hier wird natürlich heiss diskutiert, welche Talent-Kombination die beste ist. Mit Hilfe von Talentrechnern kann man ausprobieren, welche Talentkombinationen möglich sind und abwägen – und dem eigenen Spielstil anpassen. 

Welcher Baum der geeignetste ist, musste bis jetzt aber nie diskutiert werden – weil einer der drei Bäume per Definition für die Tank-Rolle vorgesehen ist, von den Spielentwicklern selber.

Und das ändert sich jetzt mit dem Todesritter. Weder „Blut“, „Frost“ noch „Unheilig“ sind klare Tank-Bäume; Tank-Talente sind auf alle drei Bäume verteilt. Das ist eine radikale Design-Änderung, und um die geht es im kommenden dritten Teil.

Im dritten und letzten Teil der Serie: der Todesritter als Tank = Total Badass.

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