Datenpanne 43ff.: Der Grosse European Incompetence Contest

Die norwegisches Steuerverwaltung hat versehentlich CDs mit Daten zu 4 Millionen Steuerpflichtigen an 9 Zeitungen geschickt.

Es ist eine norwegische Spezialität, dass Name und Einkommen öffentlich zugänglich sind, und dass das Steueramt sogar Listen aufbereitet und regelmässig an die Medien schickt. Die Panne in diesem Fall ist also nicht die Liste an sich, sondern der Umstand, dass auch ID-Nummern dabei waren, die sonst streng vertraulich behandelt werden.

Die norwegische Panne ist nur ein weiteres Kapitel in einer ganzen Reihe von Datenpannen. Die britischen Behörden sind schon beinahe legendär, die Deutschen haben grad auch ihren grossen Datenverlustrummel hinter sich – es gibt bald keinen Staat mehr in Europa, der nicht irgendwelche Daten verhühnert hat.

Das ist bedenklich. In der öffentlichen Wahrnehmung (beeinflusst von Datenschutzbeauftragten und Konsumentenschützern) bedrohen Unternehmen unsere Privatsphäre. Und vor diesen Unternehmen müssten wir per Gesetzgebung geschützt werden. Eine Gefährdung der Privatsphäre durch den Staat geht dabei gerne vergessen.

Tatsache ist: alle sammeln Daten, Unternehmen und Behörden. Und wo Menschen werkeln, da geht etwas schief. Seien es individuelle Fehler oder schlechte Prozesse. Unsere Privatsphäre wird deshalb nicht nur von Unternehmen bedroht, sondern gerade auch von Behörden. Und während die Unternehmen handeln oder Werbung treiben wollen, argumentieren Behörden mit Terroristen, Hooligans und Kinderporno und halten ihre Sammelei für dringlicher.

Man nimmt es hin mit dem Hinweis, man habe „ja nichts zu verbergen“. Das ist sehr kurz gedacht und offenbart, wie hier mit ungleichen Ellen gemessen wird. Während man Unternehmen grundsätzlich misstraut und den Datenmissbrauch als den Naturzustand annimmt, vertraut man umgekehrt dem Staat grenzenlos, auch mit den heikelsten Daten keinen Mist anzustellen. Das ist naiv.

Fail09

Es ist keine neue Forderung: Behörden sollen unsere Daten sorgfältig und vertraulich behandeln. Das tun sie in der Regel auch. Neu ist aber die Tendenz der Vollzugsbehörden, bei jeder Gelegenheit mehr Kompetenzen zur grossflächigen Sammelei zu verlangen (zwecks Terrorbekämpfung etc.). Dieser Tendenz muss man sich widersetzen.
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3 Gedanken zu “Datenpanne 43ff.: Der Grosse European Incompetence Contest

  1. Naja, man kann darüber streiten, wie neu die Tendenz zur Datenanhäufung ist…war es nicht schon immer so, dass die Behörden möglichst viel über die Bevölkerung wissen wollten? Man denke nur an die Fichenaffäre, die ja schon ein Weilchen her ist: Wenigstens werden Sammelgelüste heute öffentlich diskutiert!

  2. Diskutiert werden sie, ja. Aber ich finde, die Diskussion fokussiert einseitig auf die bösen Unternehmen. Gemessen an der Relevanz der gesammelten Daten ist das genau verkehrt. Mal abgesehen von Krankenkassen und Banken haben Staaten jetzt schon die viel offenherzigeren Daten über uns.

  3. Da pflichte ich dir bei. Es waere wahrscheindlich oefters mal angebracht zu fragen, wie diese Daten ausgewertet werden und wie nuetzlich sie schlussendlich fuer den Staat zur Wahrung seiner Aufgaben sind.

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