Facebook: dörfliche Gemeinschaft vs. urbane Anonymität

Ich bin reger Facebook-Benutzer. Viele meiner Freunde sind auf Facebook (mehr als bei jedem anderen Social Network). Umgekehrt kenne ich aber auch viele, die Facebook gar nichts abgewinnen können. Die stellen alle die gleiche Frage: „Wozu soll das gut sein?

Bis jetzt habe ich mich immer mit einer Antwort schwer getan. An einer Party ist mir kürzlich endlich eine gute Antwort eingefallen.

Iphoto

Das soziale Netzwerk ist wie ein kleines Dorf. In einem kleinen Dorf wissen alle, was die anderen gerade so machen. Man sieht, wann der Nachbar heimkommt, weil das Licht angeht, und man hört es rumpeln, wenn er Holz hackt für den Winter.

Genau das gleiche wird in den Neuigkeiten bei Facebook sichtbar. Meine Freunde setzen ihren Status, kommentieren, posten Fotos. Damit weiss ich zwar noch nicht genau, was sie denken und empfinden – dafür treffe ich sie persönlich. Aber ich bekomme sozusagen aus dem Augenwinkel mit, was gerade läuft. Einen unscharfen Blick durch das Küchenfenster auf die Häuser der Nachbarn.

Ich wohne also in einem kleinen virtuellen Dorf, mit meinen Freunden. Alle Freunde wohnen in ihrem eigenen virtuellen kleinen Dorf, und all diese Dörfer überschneiden sich. Und das ist letztlich der Zweck eines Social Network: urbane Menschen wieder näher zusammen zu bringen, in eine dörfliche Gemeinschaft. Allerdings virtuell, damit wir die Vorteile der urbanen Anonymität nicht aufgeben müssen. Im Gegensatz zum echten Dorf kann ich auf Facebook nämlich selber entscheiden, was ich preisgeben will und wann ich online bin.

Advertisements

3 Gedanken zu “Facebook: dörfliche Gemeinschaft vs. urbane Anonymität

  1. schön!werde ich in die – noch ziemlich kurze – liste der "rechtfertigungen" für meine facebook-präsenz aufnehmen : )

  2. ich glaube, dass facebook und all der andere virtuelle schrott daran schuld ist, dass wir menschen allmählich vergessen, wie zu kommunizieren. ein grossteil der kommunikation geschieht non-verbal, also durch entsprechende tonlage, mimig, gestik und ähnliches. dies alles kann facebook nicht übermitteln.lieber freunde in echtzeit treffen, als bloss passiv vor dem pc zeit verschwenden (und facebook ist allemal passiv, mal aus der aussenwahrnehmung betrachtet … man sitzt ja nur regungslos vor einer glotze, das ist schon fast … pervers?)

  3. @sa’id: Da du aber trotzdem genau so einen virtuellen Schrott wie ein Blog benutzt, um erfolgreich deine Meinung mitzuteilen, und da ein paar hundert Millionen Menschen Facebook nutzen, um schriftlich zu kommunizieren (ganz abgesehen von den vielen mehr, die Email oder Instant Messaging dazu verwenden), würde ich ganz im Gegenteil sagen, dass wir recht gesichert davon sprechen können, dass die Menschen überhaupt nicht vergessen haben, wie man kommuniziert, sondern es im Gegenteil ausgesprochen fleissig tun.Klar, schriftliche, teils asynchrone Kommunikation ist eine andere Form als die mündliche von Angesicht zu Angesicht. Der aber jeden kommunikativen Wert abzusprechen und sie obendrein noch als passives Glotzen zu bezeichnen, ist schon fast … pervers.

Sag was!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s