Der Tagi fällt sein Urteil schnell

Laut dem „Boten der Urschweiz“ und der SDA steht die Untersuchung des Familiendramas in Muotathal vor dem Abschluss. Ein Hauptäter, ein Gehilfe und ein Anstifter werden angeklagt. Die drei Jungs sind um die 15 und sollen die Stiefmutter des Haupttäters und deren Sohn getötet haben.

Der Tagi überschreibt diese Meldung so:

Familiendrama_im_muotatal_brut

Eine schöne Schlagzeile – mal abgesehen davon, dass sie „Muotathal“ falsch geschrieben haben. Aber warum „Brutalo-Game spielte eine Rolle“? Wie kommen die da drauf? Im Artikel selber (und auch beim zitierten Boten der Urschweiz und in der SDA-Agenturmeldung) steht lediglich, dass der Untersuchungsrichter bestätigt habe, gewalttätige Computer-Spiele seien „ein Thema“. So wie es beschrieben ist wohl als Antwort auf eine suggestive Frage.

Es ist weder klar, um welche Spiele es geht, noch wie viel gespielt wurde, noch wann genau das letzte Mal vor der Tat. Wenn ein Untersuchungsrichter sagt, ja, das sei ein Thema, dann sagt er das, weil solche Spiele halt gefunden wurden, und weil er noch kein anderes Motiv pfannenfertig hat. Da gleich ein „Brutalo-Game“ draus zu machen, das „eine Rolle spielte“, ist verantwortungsloser Drecksjournalismus.

Drei Jugendliche vor Anklage (Bote der Urschweiz)

Hier die relevante Passage der SDA-Meldung:
Weitgehend geklärt sein soll auch der Tathergang. Schmidig wollte sich zum Motiv aber noch nicht äussern. Dass Drogen oder Alkohol im Spiel waren, könne ausgeschlossen werden. Eine Affekthandlung wurde bereits früher ausgeschlossen. Ein Thema seien gewalttätige Computer-Spiele, die bei den Angeschuldigten gefunden wurden, sagte Schmidig gegenüber dem «Boten der Urschweiz» weiter.
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6 Gedanken zu “Der Tagi fällt sein Urteil schnell

  1. Der Titel ist übertrieben, das sehe ich genauso. Allerdings ist die Formulierung doch noch knapp ok. Wenn jeglicher Zusammenhang ausgeschlossen werden könnte, wären Games in diesem Fall wohl gar kein Thema mehr, oder? (Ich schiebe damit nicht Games die Schuld an irgendwas zu, im Gegenteil, vielmehr zweifle ich einen Zusammenhang grundsätzlich an. Aber ich verteidige die Schlüsse aus den Infos, die (wenn auch knapp) zulässig sind)Ausserdem schreibt sich nur die Gemeinde Muotathal mit "h", das Tal selber nicht. Da muss ich den Tagi einmal mehr in Schutz nehmen 😉

  2. Ob ein Zusammenhang besteht, wird allerfrühestens der Prozess zeigen – was ich aber bezweifle. Prozesse sind wenig geeignet, solche komplexen Kausalzusammenhänge zu ergründen.Ich vermute eben, dass die Games nur "eine Rolle spielen", weil sie von diversen Medien in diesem Fall zum Thema gemacht wurden und weil damit die Staatsanwaltschaft das Vorhandensein dieser Games nicht ignorieren kann. Wenn das ein echt schreckliches, superbrutales Spiel war, hätten wir dann nicht schon lange Screenshots gesehen?Aus der Sicht der Anklage sehe ich ausserdem die Relevanz nicht. In anderen Fällen (in den USA und in Grossbritannien) wurden Gewaltspiele wenn schon, dann von der Verteidigung ins Spiel gebracht (als ein bescheuertes Argument für die Entlastung des Mandaten – "the game made me do it, I’m not responsible").Deshalb nehme ich an, dass der Untersuchungsrichter nur auf eine entsprechende Frage des Journalisten geantwortet hat. Ich stelle es mir so vor: "Sind diese Gewaltspiele noch ein Thema?" "Ja, das haben wir auch untersucht, wir können aber noch nichts zum Motiv sagen."

  3. Ja aber das sind jetzt genauso haltlose Spekulationen, einfach pro-Game statt wie die meisten Medien prinzipiell anti-Game! Dir kann’s doch recht sein, wenn das ein Thema ist (mal abgesehen vom doofen Tagi-Titel), da du dir ja eh sicher bist, dass nichts Bedenkliches nachgewiesen werden kann! Auch wenn das vorallem auf Druck der Medien genau untersucht wird. Das Thema "Games" gewinnt doch schlussendlich, oder?

  4. Ich bin nicht gleich optimistisch, weil die Politik selten auf den Ausgang eines (langen, komplizierten) Prozesses wartet, sondern schon vorher, nach dem Bekanntwerden des Falles, reagiert (siehe Näf-Initiative).Die Berichterstattung über den Fall beeinflusst die Wahrnehmung der Politiker und ihrer Wähler. Deshalb müssen die Medien ihre Verantwortung wahrnehmen und offene Fragen auch als solche darstellen – und nicht wie der Tagi den grossen Boulevard-Hammer auspacken.

  5. Ha, ich hab es doch gewusst. Vor 2 Jahren habe ich mir einen VR6 gekauft. Intuitiv, muss ich sagen, denn damals wusste ich nicht, dass meine Karre 174PS haben wird. Glaubt ihr mir natuerlich nicht? Na ja, ist ja egal. Doch ich bin kein grosser Fan von Computerspielen, ausser, klar ihr habs erraten, Fussball Simulationen und Rennspielen. Die Frage ist nur, hab ich ein schnelles Auto wegen den Games oder liebe ich Racegames wegen meinem Auto?Fakt ist, dass meine erste, von insgesamt drei, Busse wegen zu schnellem Fahren einige Jahre vor meinem ersten Autorennspiel gekriegt habe. Ja, ich gebs ja zu, ich gehoere zu den langweilige Ueberdreissigjaehrigen. Fakt ist auch, dass ich wesendlich besser im realen Leben Autofahre als auf der PS3. Klar, das hat mit der Uebung zu tun, aber auch damit, dass diese zwei Dinge zwar aehndlichen Spass bereiten, aber total verschiedene Faehigkeiten verlangen.Kurz um, ist es nicht so, dass Menschen die Freude an der Gewalt haben auch Freude an Gewaltspielen haben jedoch nicht umgekehrt? Jedenfalls hat der Typ der mich in der Schule immer verpruegelt hat gerne Rambo und Top Gun Filme geschaut. Doch die meisten meiner Klassenkollegen habe diese Filme gemocht und ich wurde trozdem nicht von all diesen verpruegelt. Da soll mir doch einmal einer dieser oberschlauen Politiker, diese alleswissenden Journalisten und dieser wahrsagerischen Sozialpaedagogen dieses Phenomen erklaeren. Ich bitte darum!!

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