Taibbi haut Palin in die Pfanne

Matt Taibbi schreibt für den Rolling Stone und scharfzüngige Bücher über die amerikanischen Gesellschaft, z.B. The Great Derangement

Taibbi war an der Republican National Convention und sah die ersten grosse Rede als VP-Kandidatin von Sarah Palin. Während ich die Nomination von Palin hoffnungsvoll als Fehler bezeichnet habe (Argument: die Reizfigur Palin mobilisiert die Linken und Gemässigten für Obama), kommt Taibbi in einer bissigen Analyse zu einer viel pessimistischeren Einschätzung:

The truly disgusting thing about Sarah Palin isn’t that she’s totally unqualified, or a religious zealot, or married to a secessionist, or unable to educate her own daughter about sex, or a fake conservative who raised taxes and horked up earmark millions every chance she got. No, the most disgusting thing about her is what she says about us: that you can ram us in the ass for eight solid years, and we’ll not only thank you for your trouble, we’ll sign you up for eight more years, if only you promise to stroke us in the right spot for a few hours around election time.

Er gesteht ein, dass Obama bisher auch nicht mit Substanz glänzt, sieht aber einen klaren Unterschied:

So, sure, Barack Obama might be every bit as much a slick piece of imageering as Sarah Palin. The difference is in what the image represents. The Obama image represents tolerance, intelligence, education, patience with the notion of compromise and negotiation, and a willingness to stare ugly facts right in the face, all qualities we’re actually going to need in government if we’re going to get out of this huge mess we’re in.
Here’s what Sarah Palin represents: being a fat fucking pig who pins „Country First“ buttons on his man titties and chants „U-S-A! U-S-A!“ at the top of his lungs while his kids live off credit cards and Saudis buy up all the mortgages in Kansas.
“ 

Das Argument von Taibbi: Palin ist die einfache Wahl. Wer sie wählt, muss sich weder mit Inhalten befassen, noch sich eine eigene Meinung dazu bilden. Sondern nur die Person wählen, die der Wahrnehmung von sich selber am ehesten entspricht. Also die einfache Frau aus der Kleinstadt und nicht den gebildeten Schwarzen.

So fulminant die Rhetorik Taibbis ist, so sehr hoffe ich, dass er unrecht hat. Dem Land geht es schlecht (Krieg, schlechte Sozialversicherung, riesige Schulden, Rezessionsängste), und es ist zu hoffen, dass sich die Wähler gerade in einer solchen Situation mit den wirklichen Themen befassen und nicht auf lausige Wahlkampftricks hereinfallen. Ich vertraue darauf, dass die Amerikaner sich nicht mit billigem Populismus zufrieden geben.

Mal sehen, ob ich nach der Wahl noch gleich optimistisch töne.

Taibbis Tirade ist auf jeden Fall lesenswert:
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