Arbeiten für Sony?

Little Big Planet ist noch nicht erschienen. Und darum weiss man noch nicht, wie viele Spielerinnen und Spieler die Level-Gestaltungsfunktion nutzen werden. Was schon klar ist: Rechte an ihren Kreationen sollen sie keine haben.

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Sony hat rechtzeitig vor dem Launch von Little Big Planet nämlich die Nutzungsbedingungen des Playstation Network geändert (und dieses Netzwerk braucht man, um LBP-Levels austauschen zu können). Stark verändert wurde insbesondere ein Abschnitt, der genau den von Little Big Planet geförderten User Generated Content regelt. Hier einige Auszüge:

10. BENUTZER-MATERIAL
[…]
Von Ihnen erstelltes Benutzer-Material gehört Ihnen, aber jegliche zur Verfügung gestellten Inhalte befinden sich nach wie vor in unserem Besitz und/oder dem unserer Lizenzgeber.
[…]
Sie autorisieren uns, unsere angeschlossenen Unternehmen und andere PSN-Benutzer dazu, Ihr Benutzer-Material über PSN und andere dazugehörige Dienstleistungen zu nutzen, weiterzugeben, zu kopieren, zu verändern, darzustellen und zu veröffentlichen. Sie autorisieren uns und unsere angegliederten Unternehmen außerdem dazu, Ihr Benutzer-Material zu lizenzieren, zu verkaufen und auf sonstige Art und Weise kommerziell zu verwenden (dazu gehören z. B. der Verkauf kostenpflichtiger Abonnements für Benutzer-Material und/oder Werbeeinnahmen im Zusammenhang mit Benutzer-Material) sowie damit für PlayStation-Produkte und -Dienste zu werben, ohne dass Sie dafür finanziell entschädigt werden. Ohne unsere Zustimmung dürfen Sie Benutzer-Material nicht selbst kommerziell verwenden. Sie verzichten auf alle moralischen Rechte an Ihrem Benutzer-Material. Sie verzichten auf alle Urheberpersönlichkeitsrechte, die Sie an Ihrem Benutzer-Material haben mögen.

Noch mal zusammengefasst bedeutet das:

  • Sony darf von Benutzern erstellt Levels weitergeben, verändern und verkaufen.
  • Die Urheber erhalten dafür keine Entschädigung.
  • Die Urheber können sich nicht gegen eine Weiterverwendung aussprechen.
  • Die Urheber verzichten auf ihre Rechte an ihrem Inhalt.

Erstens:
Diese Formulierung ist aus der Sicht der Sony-Juristen nachvollziehbar. Sie soll Sony gegen Ansprüche der Benutzer absichern. Evtl. macht eine solche Regelung die Community erst möglich.

Zweitens:
Weiterverkaufen? Really? Sony hält sich so die Möglichkeit offen, von Benutzern erstellte Levels zu verkaufen, und so mit der Arbeit der Enthusiasten Geld zu verdienen, ohne dass diese dafür entlöhnt werden. Nicht gerade nobel.

Drittens:
Ich bin zwar kein Jurist, aber das ist rechtlich gesehen Quatsch. Das Urheberrecht ist nicht veräusserbar, kann nicht verkauft werden, und man kann auch nicht darauf verzichten. Dass man auf seine „moralischen Rechte“ verzichtet, ist schlicht lächerlich – was soll das bitte sein?

Das ist reines Wunschdenken – vor Gericht würde diese Bestimmung niemals durchkommen. Und das wissen die Juristen bei Sony eigentlich. Diese „Endnutzervereinbarung“ (nach jeder gängigen Gerichtspraxis ist das keine Vereinbarung, weil der Benutzer nie wirklich ja sagen konnte) ist deshalb eher als eine überhöhte Forderung einzuschätzen, von der Sony weiss, dass sie die in einer Verhandlung niemals durchsetzen könnten. 

Darum hoffe ich, dass wir bald Zeugen dieses Szenarios werden:

  1. Sony gibt im Frühling eine Sammlung der beliebtesten LBP-Levels heraus, z.B. als Download für 10.-, ohne die Urheber zu beteiligen.
  2. Jemand geht vor Gericht und klagt sein Urheberrecht ein.
  3. Sony erhält eine Lektion in Urheberrecht.

Reaktionen:

GameCulture wirft eine spannende Frage auf:

[H]ow does the equation change as user-generated content becomes less a matter of remixing existing intellectual property by ‚modding‘ a game and starts to look more like the creation of original work? What happens when the systems game developers build for us are less games than platforms for the creation of new games?

Wie ihr aus meinen obigen Ausführungen folgern könnt, gehe ich davon aus, dass ein Little-Big-Planet-Level ein Werk ist, und dass damit der Urheber ein Recht daran hat. Sony stellt sich umgekehrt auf den Standpunkt, dass das lediglich eine Anwendung von Inhalten ist, deren Urheberrechte bei Sony liegen. Ich glaube nicht, dass diese Ansicht durchzuziehen ist. Ich sehe Little Big Planet eher als ein Werkzeug, dass das Erschaffen von neuen Inhalten ermöglicht.

Ein Beispiel: Musik wird mit ProTools produziert, das gibt dem Hersteller von ProTools aber kein Recht an der produzierten Musik. Das ist natürlich ein Extremfall, und Little Big Planet Levels sind etwas komplizierter. Deshalb fände ich es äusserst spannend, wenn ein Gericht beurteilen müsste, wo genau LBP-Levels auf dieser Palette zwischen Werkzeug und Werk anzusiedeln sind. Wenn die Gameindustrie User Generated Content so spannend findet, muss sie früher oder später eine echte Antwort auf diese Frage finden.

Zur Illustration einige Beispiele von Little Big Planet Levels aus dem Beta Test:

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