Grand Theft Auto IV – The Lost and Damned: Ein zweiter Frühling für Liberty City

GTA drückt bei mir alle richtigen Knöpfe. Dabei gäbe es soviel, was man GTA IV vorwerfen könnte:

  • Die Geschichte wird hauptsächlich über Cutscenes erzählt – ein etwas altertümliches Mittel, weil es den Spielern die Kontrolle entzieht.
  • Viele Missionen folgen dem Schema „Fahre von A nach B und dann nach C etc.“.
  • Die Licht- und Wettereffekte führen dazu, dass die Stadt oft etwas braun/grau/grün/blau ausgewaschen aussieht.
  • Die „schwere“ Geschichte (im Gegensatz zum comichaften San Andreas) und überhaupt die Fokussierung auf die Geschichte bewirkt, dass das Gefühl der freien Spielwiese von früheren Versionen etwas in den Hintergrund gerückt ist.
  • Einige Figuren strotzen vor Klischees, z.B. der sehr tuntige Bernie Crane.
  • Speichern und gescheiterte Missionen wiederholen wurde zwar verbessert, ist aber noch lange nicht wirklich angenehm – man muss die ganze Mission wiederholen, was oft auch heisst, sich ein neues Auto zu besorgen und noch einmal quer durch die ganze Stadt zu fahren.

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Das alles ist mir egal. Ich liebe dieses Spiel. Weil es eine lebendige Welt zeichnet – Liberty City dreht sich nicht nur um die Hauptfigur, man hat das Gefühl, dass auch sonst etwas passiert in der Stadt, unabhängig von Niko Bellic. Und trotz aller Klischees sind die meisten Figuren in GTA liebevoll und detailliert gezeichnet, die vielen Handlungsstränge sind abwechslungsreich und oft spektakulär überdreht.

Deshalb war GTA IV letztes Jahr das meist verkaufte Spiel in der Schweiz (70’000 Stück). Und nun steht mit „The Lost and Damned“ eine Erweiterung zum Download bereit (leider vorerst nur für die Xbox-360-Version).

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Held und Spielfigur ist Johnny Klebitz, Vice President des The Lost Motorcycle Club – und wohl der erste jüdische Biker, der im Zentrum einer Erzählung steht (aus beruflichen Gründen allerdings nicht praktizierend). Johnny hat Probleme mit seinem Scheff, Billy Grey. Der kehrt aus dem Gefängnis zurück und sieht die Gang vor allem als Mittel, seine Macht- und Rachegelüste zu stillen. Johnny hingegen hat während Billys Abwesenheit mittels Verhandlungen und Waffenstillstand mit gegnerischen Gangs die Geschäfte der Lost (Drogen- und Waffenhandel) abgesichert und sieht diese Arbeit nun gefährdet. Es ist klar, dass dieser Konflikt eskalieren wird – und die Bruderschaft beinahe auslöscht.

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The Lost and Damned ist sehr geschickt erzählt. Besonders gut gelungen ist die Verknüpfung mit der Geschichte von Niko. Dieser hat Johnny nämlich schon kennengelernt, bei einigen Aufträgen trat Johnny als Partner auf. Die zwei, drei Berührungspunkte der beiden Handlungsstränge sind besonders spannend, weil wir eine Geschichte, die wir schon kennen (z.B. der schief gelaufene Diamanten-Deal im Libertonian Museum) noch ein Mal aus einer anderen Perspektive erzählt bekommen. Wer sich gefragt hat: „Was hat eigentlich Johnny gemacht nach dieser Schiesserei?“, der bekommt jetzt eine Antwort.

Die Geschichte ist spannend, das Finale spektakulär. Die Bruderschaft wächst ans Herz, man fährt gerne mit den Jungs– ein deutlicher Kontrast zum einsamen Wolf Niko. Das Handling und der Klang der Bikes ist hervorragend und trägt viel zur Atmosphäre bei. Vermisst habe ich einzig etwas mehr Hintergrund zu Johnny. Während wir bei Niko wissen, was ihn nach Liberty City gebracht hat und wie er zum pragmatischen Zyniker geworden ist, erfahre kaum etwas über Johnnys Werdegang.

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Die End Credits sind aus dem gleichen Grund ein Genuss: Johnnys Geschichte ist zwar eigenständig, aber tief in die GTA-IV-Welt eingebettet. Die Kamera fliegt über Liberty City und fängt wie zufällig einige Szenen der Erlebnisse von Johnny und Niko ein – erinnert uns daran und stellt sie geografisch in einen Zusammenhang. Das hinterlässt den Eindruck, dass mit Liberty City eine Welt geschaffen wurde, die noch viel Stoff für Geschichten bereit hält. Die zweite Erweiterung ist ja bereits in Produktion und nach dieser hervorragenden ersten kann ich sie kaum erwarten. 

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The Lost and Damned hat mich ein fiebriges Wochenende lang gefesselt – und angeregt, auch mit Niko wieder ein paar Ausflüge zu unternehmen. Wer das tut, wird allerdings im Hauptspiel einige Verbesserungen der Erweiterung vermissen. So hatte Rockstar endlich ein Einsehen und führte für „The Lost and Damned“ Mission Checkpoints ein. Wenn man bestimmte Abschnitte einer Mission abgeschlossen hat, muss man nicht mehr ganz von vorn beginnen, wenn man doch noch scheitert. Auch die Telefonnummern von Terry (Johnny kann ihn jederzeit anrufen und Terry kommt mit einem Van voller Waffen vorbei) und Clay (liefert Johnny ein neues Bike) habe ich im Handy von Niko schmerzlich vermisst.

Obwohl man TLAD nur spielen kann, wenn die GTA-IV-Disc in der Xbox liegt, sind die beiden Spiele völlig getrennt. Alle, die automatisches Speichern an haben, sollten deshalb aufpassen, dass mit den Speicherständen kein Unglück passiert (also darauf achten, keine TLAD-Speicherstände über einen des Hauptspiels zu speichern). 

„The Lost and Damned“ gibt es für 1600 Punkte (ca. 25 Franken) auf Xbox Live zu kaufen, der Download ist 1.8GB schwer. Für Downloadable Content ist das an der oberen Grenze – ist es aber locker wert, besonders wenn ich dran denke, das ein einziges lächerliches Kostüm für Littl
e Big Planet  bis zu acht Franken kosten kann. Rockstar setzt für Downloadable und Episodic Content neue Massstäbe.

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