Facebook wird demokratisch

Gestern hat Facebook ihr Versprechen nach dem Kerfuffle eingelöst: ein Vorschlag der neuen Nutzungsbedingungen wurde veröffentlich und zur Diskussion gestellt.

Die neuen „Principles„:

Die zwei Diskussion-Gruppen:

Und Zucki im Facebook-Blog:

Zucki

Besonders wichtig scheinen mir diese Punkte:

2. Ownership and Control of Information

People should own their information. They should have the freedom to share it with anyone they want and take it with them anywhere they want, including removing it from the Facebook Service. People should have the freedom to decide with whom they will share their information, and to set privacy controls to protect those choices. Those controls, however, are not capable of limiting how those who have received information may use it, particularly outside the Facebook Service. 

[…]

6. Open Platforms and Standards
People should have programmatic interfaces for sharing and accessing the information available to them. The specifications for these interfaces should be published and made available and accessible to everyone.
[…]
9. Transparent Process 
Facebook should publicly make available information about its purpose, plans, policies, and operations. Facebook should have a town hall process of notice and comment and a system of voting to encourage input and discourse on amendments to these Principles or to the Rights and Responsibilities. 
10. One World
The Facebook Service should transcend geographic and national boundaries and be available to everyone in the world.

Das ist nun die versprochene klare Sprache und die klare Aussage: Die Kontrolle über die eigenen Daten liegt bei den Usern, nicht bei Facebook. Das wurde gefordert und wird von Facebook erfüllt.

Gleichzeitig verspricht man offene Standards für die hinterlegten Daten. Das ist bedeutend, weil es ermöglichen wird, die bei Facebook aufgebaute Identität auf andere Plattformen zu übertragen oder mit diesen zu verbinden. Damit wird verhindert, dass man Facebook nicht mehr verlassen kann, weil man so die virtuelle Existenz löschen würde und neu aufbauen müsste.

Am aufregendsten ist aber, dass mit diesen Principles gewissermassen die Basis-Demokratie eingeführt wird, jedenfalls was die grundlegenden Nutzungsbestimmungen betrifft. Damit wird nun in Facebook das vollzogen, was zu erwarten war: die Nutzer „importieren“ ihre Erwartungen und Gewohnheiten bezüglich Recht und Mitsprache in die virtuelle Welt; ein Unternehmen, das auf das Vertrauen dieser Nutzer angewiesen ist, muss diesen Erwartungen gerecht werden.

Dass dieser Prozess unter viel Getöse ins Rollen kam, ist schade, ändert aber am Resultat nichts. Wir erleben hier den ersten ernsthaften Versuch, vom autokratischen „Wenn es euch nicht passt, könnt ihr woanders hin“-Modell wegzukommen und echte Lösungen für komplexe Datenschutz-Fragen zu finden.

Um nicht nur eitel Freude zu verbreiten: offen bleibt die Frage, wie bindend diese Vereinbarungen zwischen Facebook und den Benutzern wirklich sind. Ein nationales Gesetz z.B. könnte die Facebook-Betreiber zur Herausgabe zwingen. Das Unternehmen könnte verkauft werden, neue Besitzer andere Regeln einführen. Das sind denkbare Szenarien, die mit den neuen Principles nicht verhindert werden. Trotzdem: hier wird Pionierarbeit geleistet, und das soll man respektieren.

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