Killzone 2: Wenn der Supersoldat auch mal Kanonenfutter ist

Im ersten Killzone verteidigte man noch seinen Heimatplaneten gegen die Invasion der Helghast. Im zweiten Teil ist man nun dreister und versucht, Helghan zu erobern. Der Führer der Helghast spricht im Introfilm deshalb von Verteidigung und prophezeit der Invasion ein schnelles Ende – eine durchaus legitime Reaktion auf einen Angriff, der klar auf die Vernichtung des eigenen Volkes anzielt. Solche moralischen Ambiguitäten werden aber schnell beiseite geschoben, indem die Helghast als Imperial Mutant Zombie Nazis dargestellt werden. Man schenkt sich die schwierige Unterscheidung zwischen Aggressor und Freiheitskämpfer, es können bedenkenlos Lastwagenladungen gesichtloser Gegner niedergemäht werden.

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Klar, von einem Shooter erwartet man nicht mehr – trotzdem ist die Geschichte von Killzone 2 eher enttäuschend: man hat sich die Putzhandschuhe übergestreift und tief in die Klischee-Kiste gelangt. Solid, aber komplett ironieresistent und ohne jede Selbstreflexion. Die Konkurrenten Halo oder sogar Gears of War haben gezeigt, dass das nicht so sein muss.

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Optisch ist das Spiel aber toll gelungen. Helghan ist bedrückend und beängstigend, man fragt sich automatisch immer wieder, warum genau man diese gottverlassene Welt eigentlich erobern soll. Nebelschwaden, Rauch, Feuer und Explosionen gehören zum Besten, was ich je gesehen habe.

Leider fehlt die Politur an einigen Stellen. Wenn das Spiel nachlädt, stockt es z.B. deutlich. Ausserdem blieb ich in einem Level hängen, weil ein Event einfach nicht ausgelöst wurde. Den letzten Checkpoint nachzuladen, brachte nichts, nur den ganzen Level von vorn zu spielen. Das darf bei einem AAA-Titel nicht passieren.

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Trotzdem erlebt man im Single-Player einige starke Momente. Üblicherweise sind Shooter ja recht linear, Gegner kommen in Massen von vorn, und der Supersoldat putzt sie weg. Selbstverständlich gibt es auch in Killzone genug davon. Ab und zu wird man aber mitten ins Kriegschaos geworfen. Gegner von allen Seiten, Kameraden, die fallen, panische Funksprüche machen es fast unmöglich, den Überblick zu behalten. Wer eine solche Szene überstanden hat, den beschleicht das Gefühlt, dass das wohl mehr mit Glück als mit Macht zu tun hatte.

Das erzeugt das Gefühl, dass sich man nicht ständig der Nabel der Welt ist, dass sich Helghan nicht nur um den Spieler dreht. Man fühlt sich stattdessen als kleines Rädchen in der Kriegsmaschinerie, mitten in einem epischen Konflikt. Und das ist eine willkommene Abwechslung in diesem Genre.

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Der Multiplayer mit bis zu 32 Spielern gleichzeitig online wurde begeistert aufgenommen und setzt sich klar von Halo ab: es werden Rollen gewählt à la Battlefield, wie z.B. Ingenieur, Sanitäter oder Kundschafter. Auf ein eher technisch-strategisches Spiel zu setzen, ist bestimmt sinnvoll.

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Killzone 2 sieht hervorragend aus und spielt sich solid – ist also sicher in der gleichen Liga anzusiedeln wie Halo oder Gears. Man hat sich aber bewusst entschieden, das Shooter-Rad nicht neu zu erfinden. Damit bedient man Spieler (und wir können die weibliche Form wohl getrost weglassen), die sich ohnehin schon für Shooter begeistern. Wenigstens müssen die PS3-Besitzer nun nicht mehr ganz so neidisch auf ihre Xbox-Buddies schielen.
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