Resident Evil 5: – Survival Horror, + Rassismus?

Es hat mich einiges an Überwindung gekostet, Resident Evil 5 zu spielen. There, I’ve said it. Survival Horror ist einfach nicht mein Genre. Ich mag es nicht, wenn ich erschreckt werde. Geisterbahnen finde ich doof, Horrorfilme sind mir zu viel.

Und die Resident-Evil-Serie hat das Genre des Survival Horror erfunden und geprägt: Du bist allein in einem dunklen Gang. Du hörst unangenehme Geräusche wie Stöhnen oder Schlabbern. Du siehst nichts im viel zu kleinen Lichtkegel deiner Taschenlampe. Du tastest dich vorsichtig Schritt um Schritt vor. Und dann BLAAAAAHHHRGL!! springt dich ein Viech/Zombie/Monster an, und obwohl du gewusst hast, dass das irgendwann passieren wird, rast das Herz trotzdem und du versuchst, den Panikanfall zu unterdrücken und nicht zu viel Munition zu verschwenden.

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Resident Evil 5 spielt in Afrika. Der erste Level ist draussen, am helllichten Tag. Und die Hauptfigur Chris Redfield ist nicht allein: die knackige Sheva Alomar begleitet ihn und hält ihm den Rücken frei. Damit bricht RE5 mit zwei wesentlichen Elementen der Serie: es ist nicht dunkel, und du bist nicht allein. Beerdigt Resident Evil 5 also sein eigenes Genre? Ist das ein „gewöhnliches“ Actionspiel geworden?

Ich finde: Nein. Da ist immer noch locker genug Survival Horror drin. Klar, besonders harte Splatter- und Horror-Freaks werden die Schockerei wohl zu lahm finden. Mir kommt das aber gerade recht. Das Spiel ist immer noch beängstigend genug, da ändern auch die Begleiterin und das Tageslicht nichts daran.

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Das hängt vor allem mit dem Spiel-Design zusammen. Resident Evil ist nicht ein Shooter. Die Designer halten mit einer beachtlichen Sturheit an antiquiert wirkenden Spielkonzepten fest, und das zahlt sich aus.

  • Die Kamera befindet sich nicht in den Augen der Spielfigur, sondern hinter Chris, über der rechten Schulter. Damit verdeckt Chris immer einen guten Fünftel des Sichtfeldes. Nicht alles zu sehen, verstärkt die Angst.
  • Man kann sich nicht bewegen UND schiessen. Eine Schussabgabe ist ein strategischer Entscheid. Stehe ich hier gut? Kommt nichts von hinten? Bin ich weit weg genug vom Gegner? Auch das verstärkt die Angst.
  • Die Munition ist knapp. Wenn ich zu oft daneben schiesse, bliebt mir bald nur noch die Machete, was bedeutet, dass ich die Zombies in meine Nähe kommen lassen muss. Jeder Schuss will überlegt sein. Was kommt noch auf mich zu? Wann finde ich Ersatzmunition? Verstärkt die Angst.
  • Die Gegner kommen in Wellen und in grosser Zahl. Die Dramaturgie ist exzellent. Phasen der Ruhe wechseln sich ab mit einem Ansturm; man hat nie das Gefühl, die Situation unter Kontrolle zu haben, man ist immer unterlegen.

Es gab schon zu Resident Evil 4 Stimmen, die forderten, all diese Spiel-Elemente fallen zu lassen. Ich kann das nachvollziehen, halte aber die Sturheit der Entwickler für den richtigen Entscheid. Hätte man RE5 zu einem echten Shooter umfunktioniert (freier bewegen, bessere Übersicht, mehr Munition), hätte man die DNA der Serie weggeworfen. Man wäre in der Menge von Schock-Shootern untergegangen.

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Weil Resident Evil 5 in Afrika spielt, schiesst man häufig auf Zombie-Afrikaner (neben Schlabber-Monstern und Hundemeuten). Aus diesem Grund wird schon seit einigen Monaten (seit der Veröffentlichung des ersten Trailers) darüber debattiert, ob das Spiel rassistisch ist.

Natürlich, dass man in RE5 auf schwarze Zombies schiesst, statt auf spanische Zombies wie in RE4, reicht noch nicht als Begründung für einen solchen Vorwurf. Das Spiel enthält aber Bilder und Szenen, die spezifische Afrika-Klischees verwenden.

Dan Whitehead von Eurogamer argumentiert darum so:
There will be plenty of people who refuse to see anything untoward in this material. „It wasn’t racist when the enemies were Spanish in Resident Evil 4,“ goes the argument, but then the Spanish don’t have the baggage of being stereotyped as subhuman animals for the past two hundred years.

Und N’Gai Croal sagt kurz und bündig:
This imagery has a history. It has a history and you can’t pretend otherwise.

Eine weisse Frau wird schreiend von einem (hell-)schwarzen Mann in einen Raum gezerrt. Ein besonderer Gegner ist dicker, nackter und grösser als die anderen Afrikaner und macht Gorilla-ähnliche Geräusche. Einige Männer (die notabene noch nicht zombifiziert sind), schlagen mit Stöcken auf etwas Lebendiges in einem Teppich ein, ohne Zusammenhang zur Story. Solche Szenen verwenden Bilder, die immer wieder vom Dunklen Kontinent gezeichnet wurden, und die zumindest damals in einem rassistischen Kontext standen. Diesen Kontext kann man nicht einfach ausblenden.

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Es gibt auch Kommentatoren, die das Spiel unproblematisch finden. Der Anthropologe Glenn Bowmann weist zum Beispiel darauf hin, dass man in der Geschichte durchaus auch ein anti-koloniales Thema sehen kann:

[T]here’s a very interesting anti-colonial thematic running through it. This whole idea of the victimisation of Africa by pharmaceutical companies, by terrorist groups, all of whom seem to be run by white characters who are coming in and exploiting people.

Es geht also weniger um die Frage, ob die benutzten Klischees als rassistisch wahrgenommen werden können, sondern um die Frage, ob die Verwendung solcher Bilder einen dramaturgischen Wert hat, ob das Bild eine der Geschichte dienliche Aussage machen kann. Hat man die Klischees nur verwendet, um mit alten Afrika-Ängsten die gefühlte Bedrohung für den Spieler zu erhöhen? Oder werden die Klischees überdeutlich gemacht, um die Instrumentalisierung dieser Ängste für die Kolonialisierung und damit Afrika als Opfer darzustellen?

Das ist eine äusserst spannende Diskussion. Enttäuschend finde ich es deshalb, wenn sie von vielen Game-Fans sogleich abgewürgt wird:
In Games verwende man halt häufig Klischees, und man solle das Spiel nicht so ernst nehmen. Das ist eine billige Ausrede. Wir können nicht dauernd fordern, dass das neue Medium Games ernst genommen werden soll oder Games gesellschaftlich relevante Kunst seien, und uns dann bei der ersten schwierigen Diskussion gleich wieder auf die „Ist ja nur ein Spiel, alles nicht ernst gemeint“-Position zurückziehen. Das ist feige und hält die Entwicklung des Mediums zurück.

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3 Gedanken zu “Resident Evil 5: – Survival Horror, + Rassismus?

  1. Ich hab es bereits wieder weggelegt. Eben nicht weil es ein schlechtes Spiel wäre, im Gegenteil, ich finde die Sturheit, mit der Capcom an der RE-Formel festhält, bewundernswert (siehe auch Street Fighter, das scheint ein Unternehmens-Mantra zu sein).Aber eben: Zombies und Survival Horror sind als Thema nicht so mein Ding. Und weil mich da schon ganz verlockend GTA: Chinatown Wars anblinzelt, muss Afrika hinter Liberty City zurücktreten.

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