Die Sims 3: erstaunlich unterhaltsame Banalitäten

Ich muss gestehen, die Sims-Reihe hat mich bis jetzt nie sonderlich angezogen. Sims 2 hatte ich ausprobiert, kam aber mit der etwas verknorzten Bedienung und den vielen Einschränkungen nie richtig zurecht. Und dass ich mich dauernd um die Grundfunktionen meines Sim (Hunger, Schlaf, Klo) kümmern musste, war eher frustrierend.

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Entgegen dieser Bedenken habe ich mich auf Sims 3 richtig gefreut. Denn Sims 3 hat sich gegenüber der Vorgängerversion weiterentwickelt: einerseits haben die Entwickler versprochen, die Grundbedürfnisse der Sims etwas in den Hintergrund zu rücken. Und wichtiger: statt sich auf einen einzelnen Haushalt zu konzentrieren, lebt in Sims 3 nun die ganze Stadt, unsere Sims können sich darin frei bewegen. Sims 3 ist deswegen noch kein echtes Sandkasten-Spiel à la GTA, aber viele der Einschränkungen der zweiten Version fallen so weg. Die Auswirkung auf das Spielerlebnis ist gewaltig: während ich bei Sims 2 noch das Gefühl hatte, ständig an die Grenzen des Spiels zu stossen, ist es bei Sims 3 nun umgekehrt: ich habe so viele Möglichkeiten, dass ich zuweilen fast überfordert bin. Es ist nicht leicht, sich auf ein Ziel zu konzentrieren, statt dauernd abzuschweifen. Und das ist gut so!

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Sims wird neben dem naheliegenden Puppenhaus oft mit einer spielbaren Soap verglichen. Dafür sind die meisten Erlebnisse aber zu banal. Eine Soap würde sich nie so lange mit Geschirrspülen beschäftigen, wie die Sims. Auch in Sims 3 geht es sehr oft um den einfachsten Alltag, man befriedigt körperliche Bedürfnisse und geht arbeiten.

Ausserdem wartet man oft: wenn der Sim arbeitet oder schläft, kann man zwar den Zeitverlauf etwas beschleunigen, muss aber doch etwas warten (im Normaltempo dauert eine Spielminute eine echte Sekunde, beschleunigt vier, und die Sims schlafen gerne 7, 8 Stunden, also gut zwei Minuten warten jede Nacht).

Es hat mich deshalb überrascht, wie hypnotisch und spannend Sims 3 trotzdem ist. Die Erlebnisse im Spiel sind zwar banal, werden dennoch nie langweilig. Und das liegt eben vor allem daran, dass man seine Sims mit unzähligen Optionen beschäftigen kann, und eher aufpassen muss, den Faden nicht zu verlieren.

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Sims 3 gibt es für PC und Mac; die Mac-Version, die ich gespielt habe, ist allerdings nicht sehr stabil. Ich hatte schon drei Abstürze, was besonders ärgerlich ist, weil auch Sims 3 immer noch keine Auto-Save-Funktion hat. Man muss manuell speichern. Wenn man das nicht regelmässig tut, und das Spiel dann eben abstürzt, dann verliert man unter Umständen einige Stunden Spielfortschritt. Enorm ärgerlich, und eigentlich inaktzeptabel für einen so grossen Titel. Es bleibt die Hoffnung, dass zukünftige Patches Verbesserung zumindest der Stabilität bringen.

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Die Sims-Reihe hat schon immer enorm Kreativität gefördert. Und Sims 3 verstärkt dies noch. Modedesigner können ihren Sims tolle Kleider gestalten. Und architektonisch Beflissene können gewaltige Anwesen kreieren. Diese eigenen Kreationen lassen sich auch online hochladen und so mit anderen Sims-Spielern austauschen. In der Sims-Exchange findet man jetzt schon fantasievollste Häusern – hier zeigt sich auch, dass EA/Maxis mit früheren Sims und kürzlich vor allem mit Spore gelernt hat, wie man User Generated Content verwaltet und gezielt fördert und welche Bedeutung dieser Zusatzinhalt für die Spieler hat.

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„Die Sims“ ist ein völlig eigenes Genre. Es ist eigentlich erstaunlich, dass noch niemand ernsthaft versucht hat, die Sims zu kopieren. Und Sims ist so nicht nur zu einem festen Bestandteil der Populärkultur geworden, sondern hat auch die Rolle eines echten Sozialsimulators übernommen: viele Spielerinnen und Spieler nutzen „Die Sims“, um soziale Konstellationen auszuprobieren, die man nicht aus eigener Erfahrung kennt, z.B. eine homosexuelle Beziehung. Auch hier beflügelt das Spiel die Kreativität: mit Sims 3 hat z.B. Robin Burkinshaw ausprobiert, was passiert, wenn die Sims eben nicht in einem Haus wohnen, sondern obdachlos sind. Seine Erfahrungen beschreibt er in einem Blog. Dass ein Spiel diese soziale Kreativität zulässt und fördert, ist ein unbestreitbarer Leistungsausweis.

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Sims 3 hat nun endlich die unsichtbaren Grenzen und Einschränkungen entfernt, die in Sims 2 noch vorhanden waren und frustrieren konnten. Wer schon immer auf die Sims-Reihe stand, hat sich Sims 3 wohl eh schon gekauft. Wer sich bisher noch gefragt hat, warum er einer Spielfigur beim Kloputzen zusehen soll: vertraut mir, jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, den Sims eine Chance zu geben. Auch ihr werdet dem Charme dieses Spiels erliegen.

Auf DRS 3 habe ich übrigens zusammen mit den Hörerinnen und Hörern eine Figur erstellt und den Tag durch mit ihm gespielt. Was Homer Thaddäus Troll erlebt hat, könnt ihr hier nachlesen.
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2 Gedanken zu “Die Sims 3: erstaunlich unterhaltsame Banalitäten

  1. Sims wurde schon kopiert, nennt sich "Singles" (Teil 1 und 2). Über die Qualität dieser eher schlechten FSK18 Kopie kann man sich streiten.

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