Boxkampf der Boxspiele – Punch-Out!! vs. Fight Night Round 4: Wer steht am Schluss im Ring?

„Ich tanze wie ein Schmetterling und steche wie eine Biene! “ Das will ich erleben in einem Boxspiel; das unmögliche Comeback nach einem Niederschlag; das Durchbeissen in die x-te Runde; das KO des Gegners, der auf dem Papier stärker gewesen wäre. 

Mit „Fight Night Round 4“ für die PS3/X360 und „Punch-Out!!“ für die Wii sind nun zwei Boxspiele erschienen, die den Sport kaum unterschiedlicher abbilden könnten. Welches Spiel ist besser? Das regeln wir im Ring!

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„Im linken Eck der Champion, mit 4 Titeln seit 2004 und in den goldenen Shorts von EA Sports: Fiiiiiiiiiight Niiiiiiight Round Foooooouuuur!!“

„Und im rechten Eck der Herausforderer, mit einem Comeback nach 25 Jahren, in grünen Shorts, Puuunch Ooouuuuuuut!!“

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Punch-Out!! (PO) für die Wii ist ein Remake des Arcade- und NES-Klassikers; Fight Night Round 4 (FN4) ist eine weitere Iteration der erfolgreichen Serie. PO bleibt seinen Arcade-Wurzeln treu: die Charaktere sind erneuert, bleiben aber erkennbar (Piston Hondo! King Hippo!), knallig eingefärbt, mit dämlichen Catch-Phrases. FN4 dagegen will eine Simulation sein: Ali und Tyson sind im Spiel, zusammen mit unzähligen anderen Boxlegenden, detailverliebt modellierten Muskeln und Schweiss- und Bluttropfen. In PO gehts gleich los mit dem ersten Kampf, ein Sieg schaltet den nächsten Gegner frei. In FN4 dagegen beginnt man mit einem Tutorial, plant im Kalender Trainingsphasen und Kämpfe und verliert sich in den unzähligen Statistiken.

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Die Neuerung des PO-Remakes ist die Steuerung per Wii-Fernbedienung, Nunchuck und (wenn man es hat) dem Balance Board aus Wii Fit. Also: linke Schläge mit dem Nunchuck, rechte mit der Remote, und ausweichen durch bewegen auf dem Board. Diese Steuerung bereit mir allerdings viel Mühe – und nicht, weil ich dabei schnell ins Schwitzen gerate. Die Wii-Steuerung ist völlig missraten. Um einen Haken nach oben zu schlagen muss ich nicht etwa einfach mit der Wii-Remote in die Höhe boxen statt geradeaus (so wie man das erwartet hätte); nein, ich muss genau gleich geradeaus boxen, aber zusätzlich mit der linken Hand am Nunchuck den Stick nach oben drücken. Das ist bescheuert. Das Balance Board macht die Sache nicht besser, im Gegenteil. Die Idee wäre gewesen, dass Little Mac auf dem Bildschirm nach links ausweicht, wenn ich auf dem Board mein Gewicht nach links verlagere. Zwei Probleme: das Board ist erstens nicht empfindlich genug; ich muss mit ziemlich viel Schwung nach links trampeln, um die Bewegung auszulösen – bin also immer zu langsam. Und zweitens ist „Nach links ausweichen“ im Spiel eine vordefinierte Animation: eine schnelle Bewegung nach links, und gleich wieder zurück in die Mitte – unabhängig davon, ob ich mich weiterhin nach links lehne oder nicht. Die Folge: völliger Disconnect. Ich habe nie das Gefühl, dass meine eigenen Körperbewegungen irgendwas mit den Bewegungen der Spielfigur zu tun haben.

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Um PO zu geniessen, gibt es nur eines: den ganzen Wii-Remote-Gimmick ausschalten, das Balance Board zur Seite schieben, und PO so spielen, wie man es schon vor 25 Jahren gespielt hat: mit einem Kontroller und per Knopfdruck. Dann stellt sich heraus, dass die einfache Schere-Stein-Papier-Mechanik und die Comic-Figuren immer noch viel Spass machen. PO ist eigentlich ein Puzzle-Spiel: jeder Boxer hat seine eigene Angriffsweise; es geht darum, die richtigen Zeitpunkte für Angriff, Ausweichen und Block herauszulesen, und dann mit dem richtigen Timing zuzuschlagen. Und die dafür nötige Präzision erreiche ich mit einem Knopfdruck viel leichter als mit wildem Gefuchtel.

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FN4 steuert sich wie seit Beginn der Serie über die Analog-Sticks. Der linke Stick entspricht den Bewegungen des Körpers; damit tanze ich im Ring und weiche den Haken aus. Der rechte Stick entspricht den Armen: nach oben links gedrückt ergibt eine linke Gerade; in einem Halbkreis von unten nach oben rechts einen rechten Haken. Diese einfache Idee wurde über die Versionen verfeinert und erweitert und ist immer noch erfolgreich. Wenn es gelingt, in einem sauberen Rhythmus aus der Deckung heraus links auszulegen und rechts einen saftigen Haken anzubringen, spüre ich, wie sich mein Handschuh mit dem Kiefer des Gegners anfreundet.
Bis dahin ist es aber viel Arbeit: wer einfach nur drauflos fuchtelt, verliert schnell die Ausdauer, was die Schläge langsamer und kraftlos macht. Ausserdem geht das Gefühl für den Boxer verloren: beim wilden Hebeln verliere ich die Verbindung zur Spielfigur. Die nötige Ruhe und das gezielte Ausführen einer Taktik muss ich erst lernen. Dieses Spiel fordert Geduld. Nur dann fühlt sich FN4 gut an. Beim Vorgänger Fight Night Round 3 ging das etwas einfacher. Ich vermute, dass man FN4 etwas länger trainieren muss, bis sich das gleiche Gefühl der Kontrolle einstellt.

Fight Night Round 4 ist nicht ohne Schwächen. Warum habe ich z.B. einen Kalender vor mir, der die Hälfte des Bildschirmes füllt, wo ich dann aber im Wesentlichen trotz dieser Illusion der vielen Möglichkeiten nur auf „X“ drücken kann, um einen Kampf auf ein vorgegebenes Datum zu setzen? Warum sind die Minigames des Trainings dermassen langweilig, dass ich nach wenigen Versuchen meine Figur lieber automatisch trainieren lasse? Wenn ich schon mit einer Kamera meinen Kopf ins Spiel bringen kann, warum sieht der dann dermassen Zombie-mässig aus?

Po3

Wenn ich morgen Lust auf Boxen habe, werde ich trotzdem Fight Night Round 4 starten. Punch-Out!! ist ganz in Ordnung, kann aber gegen einen Arcade-Titan wie z.B. Street Fighter nicht bestehen – dafür ist es zu simpel. Die neue Wii-Steuerung ist schlicht eine Enttäuschung. Und persönlich ist mir Muh
ammad Ali einfach näher als Little Mac.
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6 Gedanken zu “Boxkampf der Boxspiele – Punch-Out!! vs. Fight Night Round 4: Wer steht am Schluss im Ring?

  1. vielleicht nicht der richtige Moment (ich denke hier an münchen) um solche Boxgames vorzustellen – auch wenn es sich hier um den sport boxen handelt, was immer noch besser ist, als diese unmöglichen sonstigen kampf- und mörderspiele.

  2. Meiner Meinung nach ist FN3 immernoch das bessere Spiel…man hatte das Gefühl, dass man mit den richtigen, gezielten Schlägen den Gegner ziemlich heftig im Griff hatte, bis er dann auf die Matte ging. Irgendwie kommt dieses Gefühl bei FN4 so nicht mehr rüber….Offtopic:Leute, die Sport mit Freizeitprüglern (siehe Silvio, oben) vergleichen sind hier ganz falsch. Es wird nicht diskutiert, ob das Spiel vorgestellt werden soll, sondern dieses Spiel wird getestet und verglichen.Bei diesen Games geht es um Simulation, sei es Kampfsport, Racing oder auch Ego-Shooter. Es sind keine "Mörderspiele" und keine "Killerspiele"!!Solche Comments wie oben sind total unnötig.Wieder ein guter Bericht von Guido! Vielen Dank!

  3. @Flo: Ich weiss, was du meinst mit "nicht so richtig im Gefühl". Ich hatte das am Anfang bei FN4 auch. Bei mir hat sich das Gefühl erst später eingestellt. Die Haymaker finde ich noch etwas zu träge, sonst ist aber die Kontrolle da. Hast du einen eigenen Boxer erstellt oder spielst du mit den Grossen? Ich fand den Unterschied zwischen z.B. Ali und dem eigenen recht gross. Dem eigenen ging einfach der Schnauf schneller aus, und dann werden die Arme halt träge.Ich glaube, FN4 ist wie eine Platte, die erst nach mehrmaligem Hören aufgeht.

  4. Ich hatte bisher nur die Demo gespielt, also nur mit den grossen. Ich hatte diverse male probiert, danach wieder FN3 eingelegt und hatte einfach mehr Spass, resp. das bessere Gefühl. Auf der PS3 sei ja anscheinend ein Patch zur Steuerung erschienen…weisst du etwas darüber? Betreffend dem "eigenen Fighter": Wird das nichts mit dem Gesichter-Einlesen?? Oder ist es einfach extrem müesam und Aufwänidg?? Sieht es so schlimm aus??Ich hoffe das du rechts hast mit dem mehrmaligen Hören!Viel Spass…lass die Fäuste fliegen 😉

  5. Als ich das Spiel das erste Mal eingelegt hab, wurde es gleich gepatcht. Ich hab also nur einen Eindruck nach dem Patch, auf der PS3.Gesichter einlesen geht eigentlich recht einfach. Ein Foto von vorn mit der PS3-Cam, eines von der Seite (den Kopf in eine vorgegebene Silhouette halten) und dann einige Punkte platzieren (Mundwinkel, Ober-, Unterlippe z.B.). Geht recht schnell, aber eben, das Ergebnis war recht dürftig. Vielleicht ists bei mir schwerer wegen Bart und Brille, aber etwas mehr hätte ich schon erwartet.

  6. Ok, danke für die Antworten. Ich bin noch nicht richtig überzogen, evtl. hol ichs mir als Occasion. Es sind ja für September und für Dezember (hoffentlich GT5!) diverse gute Titel am Start….Fight Night 4 hört sich jetzt nich t direkt als "Must Have" an.Gruess Flo

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