Fat Princess: Hektik für Anfänger

Was ist dieses „Deathmatch„, von dem ihr redet? Und was soll „Capture the Flag“ bedeuten? Wer seine ganze Freizeit mit Halo oder Call of Duty oder gar Counterstrike verbringt, gähnt jetzt. Es soll aber tatsächlich Leute geben, die zwar regelmässig spielen, solche Online-Kriegsspiele aber dennoch links liegen lassen. Fat Princess ist die Gelegenheit, die Hektik eines Onlinespiels recht gefahrlos kennenzulernen (zum Download auf dem Playstation Network, für rund 24 Franken). 

Zwei Teams (rot und blau) versuchen, die eine Prinzessin in der eigenen Burg gefangen zu halten, und die andere aus der gegnerischen Burg zu befreien und nach Hause zu bringen. Wer beide Prinzessinnen gleichzeitig eine Weile in der eigenen Burg halten kann, hat gewonnen. Also ein leicht abgewandeltes Capture the Flag, halt mit Prinzessinnen statt mit Flaggen.

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Und warum denn jetzt Fat Princess? Weil wir unsere Prinzessin füttern können, mit Kuchen. Das macht sie dick, und deshalb schwerer zu tragen. Eine schlanke, normale Prinzessin kann von einem einzigen Spieler befreit und getragen werden. Eine dicke Prinzessin aber nicht mehr schnell genug, es sind mehrere Spieler nötig. Je dicker die Prinzessin, desto schwieriger ist es also, sie zu entführen. Ha!

(Eine fette Frau füttern? Geht natürlich nicht ohne Internet-Kontroverse durch! Ach Internet!)

Es macht also Sinn, wenn sich jemand damit beschäftigt, die Prinzessin mit Kuchen zu versorgen – herumliegende Stücke einsammeln und zur Prinzessin zurückzubringen. Diese Rolle kann frei gewählt werden; und das ist in Fat Princess sehr schön gelöst. Spieler können beliebige Rollen (Jargon: Character Classes) wählen, indem sie in der eigenen Burg einfach den passenden Hut aufsetzen.

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Magier können Feuerbälle werfen oder Gegner einfrieren. Waldläufer können aus der Entfernung schiessen, mit Bogen oder Büchse. Krieger gehen in den Nahkampf. Priester heilen die Mitspieler oder entziehen als Schattenpriester Leben. Und Arbeiter kümmern sich darum, dass Holz gefällt wird, Brücken gebaut und die Burg befestigt wird; und werfen auch mal die eine oder andere Bombe.

Die Klassen sind einfache Multiplayer-Stereotype; für Neulinge in diesem Genre genau richtig. Die Rollen sind sofort intuitiv klar. Und weil es so leicht ist, eine andere Rolle zu wählen (einfach in der Burg einen anderen Hut aufsetzen), probiert man alle durch und findet eine, die zum eigenen Spielstil passt. Erfahrenere Spieler werden merken, dass die Klassen recht gut ausbalanciert sind; allenfalls den bombenwerfenden Arbeiter finde ich etwas zu stark im Vergleich (Jargon: OP=overpowered oder IMBA=imbalanced).

Fat Princess spielt man zunächst mal alleine, um die Grundlagen des Spiels kennenzulernen. Man steuert einen kleinen Kerl, alle anderen, die da rumwuseln, übernimmt die Playstation. Sobald man sich aber mal zurechtgefunden hat, spielt man online gegen andere Spielerinnen und Spieler. Bis zu 32 Spieler können gleichzeitig in den Kampf springen; je 16 pro Team. Man könnte sich über Voice-Chat koordinieren, in meinen Testspielen ging es aber auch ohne.

Characterlineupall

Das Spiel ist sehr hektisch, man stirbt oft und schnell; das macht aber nichts: nach 5 Sekunden ist man wieder im Spiel, aber halt in die Burg zurückversetzt (Jargon: Respawn). Recht blutig ist das Spiel ausserdem, was überrascht, wenn man nur die herzigen Figuren sieht. Etwas Gore (Jargon!) gehört bei einem solchen Spiel halt dazu.

Gutes Teamwork wird aktiv gefördert. Heiler begleiten Krieger; Magier sichern mit ihren Eisfallen hinten ab; Arbeiter befestigen die Burg; und je mehr Leute die Prinzessin packen, desto schneller bringt man sie in die eigene Burg. Dementsprechend schwierig ist das Spiel. Ich habe es oft erlebt, dass einfach beide Prinzessinnen sicher in der entsprechenden Burg sitzen und sich die meisten Spieler irgendwo in der Mitte des Schlachtfeldes sinnlos die Köpfe einschlagen (Jargon: zergen). Dann zieht sich das Spiel hin, ist zwar unterhaltsam, aber ohne richtiges Erfolgsgefühl. Wer gewinnen will, braucht eine Strategie und muss in der Gruppe gut harmonieren.

Das etwas unkoordinierte Chaos, das man im Moment online häufig antrifft, könnte verschwinden, wenn mehr Spieler lernen, wie man Fat Princess spielen soll. Die vielen Klassen lassen erwarten, dass das Spiel Tiefe hat und viele verschiedene Strategien und Spielweisen möglich sind.

Das Online-Spiel polarisiert. Man kann das Spiel dafür loben, dass es Teamwork belohnt. Oder man kann kritisieren, dass die Spielmechanik vielleicht nicht intuitiv genug ist. Es kann jedenfalls passieren, dass man in einem Team voller kopfloser Idioten landet. Solange man selber so einer ist, macht das Spass. Hätte man eigentlich eine Strategie, könnte sich Frust ansetzen.

Pathwaytodeath

Die Hektik, das Adrenalin, die schnellen Klassenwechsel und die niedliche Grafik machen mich trotzdem kribbelig auf das Spiel, ich möchte mehr. Leider gibt es aber ein paar weitere Details, die das Bild trüben.

Der Single-Player-Modus (Jargon!) ist enttäuschend. Nicht weil ich da eine ausgefeiltere Geschichte erwartet hätte, sondern weil das Verhalten der computergesteuerten Mitspieler meist recht dämlich ist. Dadurch können sich die späteren Levels (Jargon!) sehr lange hinziehen, was besonders unglücklich ist, weil der Single-Player wohl vor allem als Tutorial (Jargon!!) ge
dacht war.

Auch kann das Spiel mindestens im Moment (Fix/Patch – Jargon! – ist schon versprochen) die 32 Spieler noch nicht wirklich sauber handhaben. Wenn viele dieser Spieler an der gleichen Stelle kämpfen und noch ein paar Explosionen dazukommen, ruckelt das Spiel und macht es unnötig schwer, den Überblick zu behalten. Die Figuren unterscheiden sich ausserdem optisch zu wenig; es ist mir ab und zu passiert, dass ich nicht mehr wusste, welche Figur ich eigentlich steuere. Frisur und Hautfarbe kann man bestimmen; das Kostüm ist aber bei jeder Klasse gleich – wenn also zwei Magier nebeneinander herrennen, ist nicht klar, wer welcher ist.

Und den schwersten Fehler habe ich gestern abend spät erlebt – da verschwand nämlich plötzlich eine Prinzessin spurlos (obwohl sie auf der Übersichtskarte noch angezeigt wurde). Damit wurde es unmöglich, zu gewinnen. Interessanterweise waren alle so vertieft im fröhlichen Hin- und Herschlachten, dass das irgendwie gar nicht auffiel.

Fat Princess macht ohne Zweifel Spass. Ob dieser Spass aber länger anhält, hängt davon ab, ob die technischen Probleme ausgebügelt werden und ob die Spieler lernen, zusammenzuarbeiten. Die Online-Anfänger müssen ihre Gesellenprüfung ablegen.

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6 Gedanken zu “Fat Princess: Hektik für Anfänger

  1. Was mir peinlicherweise eben erst auffällt: zumindest die eine Prinzessin in rosa ist ja ein totales Peach-Double. Und das Super-Mario-Zitat erschöpft sich nicht im optischen: "Your princess is in another castle" beschreibt recht präzise die Ausgangslage von Fat Princess. Mario wäre von der neuen Prinzessin bestimmt ganz hingerissen: More cushion for the pushin‘! Und damit wären Spinal Tap auch noch drin in diesem Popkulturswingerclub.

  2. @Guido: Du meinst also die 24.- lohnen sich? Mal schaun obs eine Demo gibt. Sonst warte ich halt auf Castle Crusher8)

  3. Ist wie mit allen Guides bzw. Anleitungen 😉 Die meisten machen sich nicht die Mühe weil man wie im RL alles besser weiss (als Beispiel neue Handys / Fernseher etc.)! Wie schon Konfuzius sagte: RTFM or stfu you must (Sorry für den Rude Ton).Danke fürs Feedback!

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