PSPGo Preview: Die Konsole betritt den Strand der Neuen Welt

Am 1. Oktober soll sie bei uns in die Läden kommen: die neue Playstation Portable, die PSPGo. Gestern Abend konnte ich sie schon mal kurz in die Finger nehmen und Gran Turismo, Little Big Planet und Motorstorm kurz angespielen.

Den Markt der Spielkonsolen für unterwegs hat Sony schon lange verloren. Für jede PSP, die letztes Jahr in der Schweiz verkauft wurde, hat Nintendo fast zweieinhalb DSs abgesetzt (Marktanteile CH 2008: 70% DS, 30% PSP). Das wird sich auch mit der PSPGo nicht ändern, vor allem auch, weil sie rund 100.- mehr kosten wird (rund 380.-) als eine gewöhnliche PSP (die weiterhin erhältlich bleibt). 

Das ist man sich auch bei Sony bewusst, wo man die PSPGo als ein Nischenprodukt einschätzt. Trotzdem hat Sony mit der PSPGo einen wichtigen, zukunftsweisenden Schritt gewagt – hin zur Digitalen Distribution.

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Die PSPGo hat nämlich kein Laufwerk, keinen Cartridgeslot, nichts. Nur 16 GB Flash-Speicher, WLAN, Bluetooth und ein seltsames HDMI-auf-USB-Kabel. Die Idee: Spiele nicht in einem Laden auf einem physischen Medium kaufen, sondern online im Playstation Store. Und dann herunterladen. Entweder gleich direkt auf der PSPGo (über WLAN); oder an einem PC (und auch Mac, hat man versprochen) und dann per USB übertragen; oder auf einer Playstation 3, und wieder über USB auf die PSPGo. Alles wird verknüpft über das PSN-Login und sollte sauber kreuz und quer synchen (hat man mir jedenfalls gesagt, testen konnte ich das nicht).

Die Spiele sind zwischen 800 und 1200 MB gross, der interne Speicher (der mit kleinen, von Handys bekannten Sony-Memorysticks erweitert werden kann) reicht also für viele Spiele. Sollte man dennoch an die Grenzen kommen (weil man z.B. auch die schon von der PSP bekannten Musik- und Videoplayer-Funktionen nutzt), soll man per Mediamanager-Software Spiele nur auf dem PC zwischenlagern können und so kontrollieren, was auf der PSPGo installiert ist.

Also eben eine rein digitale Distribution. Kein physisches Medium, kein Bedarf für Läden und Zwischenhändler. Retail wird übersprungen und direkt von Sony übernommen, mit dem global verfügbaren Playstation Store. Der Vorteil liegt auf der Hand: Kosten einsparen, weil man nichts pressen/drucken/transportieren muss; und die Marge, die jetzt in den Läden blieb, selber einstreichen.

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Weil die alte PSP aber weiterhin verkauft wird, bleibt uns auch das UMD-Format erhalten. Sony will also alle neuen PSP-Spiele sowohl zum Download im Playstation Store als auch auf UMD herausbringen. Man überlegt sich auch, alte Titel zum Download verfügbar zu machen (ich nehme an, nur die, die sich gut verkauft haben). Und Sony überlegt auch, ob man Besitzern eines Spiels auf UMD die Möglichkeit bieten soll, dieses gleiche Spiel zusätzlich herunterzuladen, um es auch auf einer PSPGo spielen zu können. Das scheint allerdings noch in der Schwebe zu sein, die Konditionen (Gratis? Gegen Gebühr?) sind noch nicht entschieden.

Die Download-Version des Spiels soll ausserdem günstiger sein als die UMD-Variante (Klar, das ist immer so, CD vs. iTunes Store, Kindle-Buch vs. Papier-Buch etc.). Wie viel? „Noch nicht spruchreif“.

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Gran Turismo, Nürburgring, Nordschleife! 

Die Hardware der PSPGo unterscheidet sich eigentlich nur in Details von der PSP. Der grösste Unterschied ist der Bildschirm, der sich wie bei einem Slider-Handy ausfahren lässt, um die Steuerelemente freizulegen. Der Bildschirm ist ausserdem deutlich kleiner als bei einer PSP. Die L/R-Tasten sehen zwar etwas billiger aus als bei der PSP, fühlen sich aber besser an. Der Analog-Stick hat sich verschoben: Er ist nicht mehr unter dem Steuerkreuz, sondern rechts davon; man hält die Hände also schräger als bei einer PSP. Auf den ersten Blick schien mir das problematisch, beim Spielen fiel es mir aber nicht mehr auf. Wichtiger: Wenn ich die Zeigefinger nicht auf den L/R-Tasten hatte, sondern weiter unten, war die PSPGo etwas kopflastig (weil das meiste Gewicht im Bildschirm ist) und unstabil in den Händen. Mit den Zeigefingern auf den L/R-Tasten (was bei den meisten Spielen eh gefordert wird) ist der Griff aber stimmig.

Die PSPGo ist deutlich kleiner und leichter als eine PSP und eignet sich damit auch besser als Musik-Player für unterwegs. Hier habe man die Software auch verbessert (z.B. Shuffle). Wie es mit Zubehör aussieht, ist noch offen. Der Kopfhörer-Stecker hat allerdings keinen Anschluss mehr für eine Fernbedienung, man bedient also am Gerät. Und statt einem Mini-USB-Anschluss gibt es einen HDMI-Anschluss. Aufsteck-Zubehör der PSP (z.B. Kamera) ist also nicht kompatibel.

Der Akku ist nicht mehr auswechselbar und soll beim Gamen 4-6 Stunden, beim Musik hören 5-7 Stunden halten. Aufladen per Netzteil oder USB-Anschluss an einem Computer. Für lange Flug/Bahnreisen sicher ein Nachteil, im normalen Alltag aber zu verkraften.

Die PSPGo ist also ein Test. Wie gut klappt das mit der ausschliesslichen digitalen Distribution? Das will man herausfinden bei Sony – nachdem man mit Download-Spielen über das Playstation Network auf der Playstation 3 ja schon gute Erfahrungen gemacht hat. Die Vorteile dieses Vertriebsweges für Sony sind offensichtlich. Für die Spieler werden wohl vor allem der tiefere Preis der Spiele (wenn der dann deutlich tiefer ist) und die höhere Portabilität (keine UMDs in die Ferien mitnehmen) ausschlaggebend sein. Auf jeden Fall ist Sony aber recht früh dran.
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