Batman Arkham Asylum: Der dunkle Ritter im Irrenhaus

Batman Arkham Asylum ist ein düsteres Superhelden-Action-Spiel, das von allen gelobt wird. Kaum eine Review-Site gibt weniger als 90%. Ich verstehe, warum: Die Action ist abwechslungsreich und spektakulär inszeniert. Trotzdem lässt mich das Spiel recht kalt. Offenbar eine Minderheiten-Meinung – ich versuche zu erklären, warum.

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Beginnen wir aber zunächst damit, warum Batman Begeisterung auslöst. Mit Lizenz-Spielen hat man ja bis jetzt nur selten gute Erfahrungen gemacht. Oft wird die Geschichte des Films schlecht verwurstet, das Spiel ist nur Merchandise. Nicht so bei Batman Arkham Asylum. Mit dem letzten Film (The Dark Knight) hat das Spiel recht wenig zu tun (abgesehen davon, dass der Joker der Hauptgegner ist). Das Spiel ist eher an die Comics angelehnt und erzählt eine eigenständige Geschichte: Der Joker übernimmt die Kontrolle über das Irrenhaus Arkham Asylum und erpresst die Stadt mit versteckten Bomben.

Diese Geschichte ist düster, sehr düster. Und übertriebener: Bane z.B. oder Croc sind richtige Monster, die man aus den Comics kennt, in den Filmen aber nie sieht. Hier spielt das Medium Games seine Stärken aus, und den Comic-Fans wird das gefallen. 

Und diese Fans werden auch die üppige Ausstattung schätzen: Zu jeder Figur kann man Charakter-Bios nachlesen, die durch im Spiel verstreute Tonbänder („Patienten-Interviews“) noch weiter ausgestaltet werden. Wenn man eine Bio freischaltet, wird auch angezeigt, in welchem Comic die Figur ihren ersten Auftritt hatte, eine kleine Comicgeschichtslektion also.

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Das Gameplay ist eine gute Mischung aus Action-Adventure, Stealth und Boss-Fights.  Gegen unbewaffnete Gegner kämpft Batman mit Faust und Fuss. Wir drücken dabei lediglich im richtigen Tempo auf X; mit Y kann man kontern. Ein einfaches, elegantes Kampfdesign, das vor allem dank der tollen Kamera zu spektakulärer Action führt. Die Kamera zoomt hinein, dreht sich um die Figuren, wechselt zwischen Normaltempo und Slow Motion und schafft es so, die Action ganz automatisch sehr filmreif aussehen zu lassen. Wenn ich mich an die Auto-Kamera z.B. von Tomb Raider erinnere (die bei jeder Gelegenheit in einer Ecke hängen blieb), ist diese technische Leistung und Entwicklung beeindruckend.

Gegen bewaffnete Gegner hat Batman keine Chance, was sehr gut zur Figur passt; schliesslich hat Batman jede Menge tolle Gadgets zur Verfügung, bleibt darunter aber ein Mensch. Sind also Gewehre im Spiel (was man im „Detective Mode“, eine Art Nacht-/Röntgensicht mit Zusatzinfo, auch deutlich angezeigt bekommt, indem Gegner rot statt blau sind), kommt man mit prügeln nicht mehr weit. Das Spiel wird dann zum Schleichspiel: Man lässt sich hinter Gegner fallen und würgt sie lautlos; man hängt sie an die Decke; man springt von Steingargoyles und überrascht sie mit einem knackigen Flug-Kick.

Sollte man scheitern, kann man beim letzten Checkpoint weitermachen; die sind eng genug gesetzt und neu laden geht sehr schnell, also alles sehr angenehm. Einige dieser Abschnitte kann man später in einem Challenge Mode wiederholen, auf Zeit, mit Online-Leaderboards. Replay-Value!

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In die Action- und Stealth-Abschnitte werden ab und zu Boss-Kämpfe eingestreut. Den allerersten fand ich etwas peinlich (klassische Boss-Strategie mit dem roten Blinker auf dem Rücken, der Verwundbarkeit signalisiert), später werden die Kämpfe aber besser und unterhaltsam. Scarecrow zum Beispiel ist toll, wie in den letzten zwei Filmen eine wichtige Nebenrolle und im Spiel eine der stärksten Figuren.

Hier zeigt sich auch der gut balancierte Schwierigkeitsgrad des Spiels: Nicht zu schwer, aber durchaus fordernd. Einige Bosskämpfe wird man erst nach ein paar Anläufen schaffen; die notwendige Strategie wird aber gut kommuniziert, man lernt und merkt mit jedem Versuch, dass und wie man sich verbessern kann.

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Mit diesen Bosskämpfen fangen nun aber meine Bedenken an. Die Funktion, die sie in der Geschichte erfüllen, ist etwas gar offensichtlich. Oft tauchen sie recht unvermittelt auf und sind mit der Hauptgeschichte kaum verknüpft. So zeichnet sich schnell eine Struktur ab, die recht plump wirkt: Dialog – normale Gegner – Dialog – Boss und dann repeat: Batman vs. Zsasz, Batman vs. Scarecrow, Batmans vs. Bane usw.  Trotzdem ist jeder Bosskampf anders und immer spektakulär orchestriert.

Ich empfehle, die Konsole auf Englisch umzustellen, damit ihr die englischen Stimmen zu hören bekommt, z.B. Mark Hamill als Joker. Die deutschen Stimmen sind leider einmal mehr grauenhaft. Da wird abgelesen mit den übelsten Karikaturstimmen, die man sich denken kann, dramatische Pausen werden in komplett undramatischen Sätzen eingelegt, es stehen mir die Nackenhaare zu Berg.

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Auch die Grafik (getestet auf der Xbox, mit der Unreal Engine) gefällt mir nicht immer. Sie ist zwar sehr detailliert, aber oft sehr graugrünbraun, mir fehlt ein richtig schwarzes Schwarz. Die Kontraste sind gerade bei Aussenansichten zu schwach, das Gesamtbild wirkt verwaschen und monochrom. Mir fehlt die farbliche Abwechslung, das ist aber wohl Geschmackssache.

Überdurchschnittlich oft ist es mir passiert, dass Batman an Ecken hängen bleibt. Ein Superheld, der nicht ums Eck rennen kann, ist etwas peinlich. Die Gegner sind dafür noch dämlicher, bewegen sich auf festgelegten Pfaden (à la Metal Gear Solid). Besonders lachhaft war eine Szene, in
der zwei bewaffnete Wachen in einem Torbogen stehen. Die Idee wäre, dass man ungesehen über die Mauer klettert und die zwei lautlos von hinten erledigt. Hab ich nicht geschnallt, voll in die Falle reingelatscht, sie entdecken mich und schiessen wie wild. Ich springe wieder um die Ecke, klettere auf die Mauer, lasse mich auf der anderen Seite hinabfallen und bin nun hinter ihnen. Und da stehen sie und schauen wieder stur nach vorn und haben mich völlig vergessen. Ich packe den einen, während der andere geduldig wartet. Tja.

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Die begeisterten Kritiker werden jetzt sagen: Kleinkram! Und haben damit natürlich recht, Batman Arkham Asylum ist ohne Zweifel ein gutes Spiel. Doch dieser allgemeine Freudenchor singt ohne mich. Mich begeistert dieses Standard-Action-Adventure nicht.

Unbefriedigend ist die starke Linearität. Wir haben im Spiel keine Freiheiten, die Story zwingt uns von A nach B. Das wäre an sich nichts schlechtes, es ist aber oft alles andere als subtil umgesetzt. Statt uns über freies Gelände zu bewegen, müssen wir durch einen engen Gang kriechen; manchmal können wir den Bat-Wurfhaken benutzen, um höher gelegene Stellen zu erreichen, manchmal nicht.

Ausserdem werde ich den Eindruck nicht los, dass man bezüglich Gameplay zu viel gewollt hat. Action + Stealth + Bosskämpfe = zu viel. Ich habe den Verdacht, dass die jeweiligen Spielmechanismen auf die Dauer zu langweilig geworden wären, und dass man diese Mechanikprobleme übertüncht, in dem man schnell wieder etwas anderes anbietet. Und das geht eben nur, wenn man die Spieler linear einen fest vorgegebenen Weg entlang scheucht. Man kann das dramaturgisch geschickt nennen; mir kommt es eher als Manipulationsversuch vor.

Das grösste Problem hatte ich allerdings mit der Hauptfigur, mit Batman. Batman ist ein einsamer Held, der unter seiner Macht und der damit verbundenen Verantwortung leidet; der Alpträume und Angstzustände hat; der sich einsam fühlt, der alleine unpopuläre Entscheidungen treffen muss, der immer altruistisch sein muss, und der weiss, dass ihn die Bewohner von Gotham City insgeheim für einen Freak halten – und nur darauf warten, dass er einen Fehler macht, um sich dann gegen ihn zu wenden. Dieser innere Konflikt wurde in Dark Knight ganz hervorragend ausgelotet, und vom Joker immer wieder gezielt provoziert, der gerne in dieser offenen Wunde Batmans herumbohrt.

Von dieser inneren Zerrissenheit Batmans ist im Spiel nichts zu spüren. Wir erleben ein tumbes Good Guy vs. Bad Guy. Der Joker darf Sätze sagen wie „Ich kontrolliere jetzt das Asylum! Hahaha!“ und Batman darauf antworten: „Nicht mehr lange!“. So etwas wird der Figur Batman nicht gerecht und das ist sehr schade. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Batman gerade im Irrenhaus Arkham mental so gesund und sicher wirkt wie er nie war.

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3 Gedanken zu “Batman Arkham Asylum: Der dunkle Ritter im Irrenhaus

  1. Es kommt ein 2 ter teil und der wird hoffe ich auch interessant.Ich mein klar gibt es einige sachen was mich im spiel nerven und was machen hätte besser machen können,aber so im ganzen ist es Fett OK.Die ganzen fehler werden dann im nächsten teil natürlich verbessert und es folgen wieder fehler und das kann man nicht verhindern.So ist das halt.

  2. Gerade Batman – Arkham Asylum ist ein Musterbeispiel für die Games der ersten HD Generation. Pompös, cineastisch, überladen. Es gibt eigentlich nichts am Spiel an sich auszusetzen. Auf den ersten Blick jedenfalls.Es ist abwechslungsreich, leicht zugänglich für den "Casual-Player", hat aber auch genügend Sammelgegenstände und Challenges für den "Hardcore-Gamer". Es hat eine Geschichte. Es sieht super aus. Es ist abwechslungsreich. Es ist Batman. Es ist ein hervorragendes Lizenzspiel. Ergo gibt es dem Spiel objektiv , wie es die meisten Reviewer versuchen zu machen nach genau gekennzeichneten Merkmalen zu beurteilen, nichts auszusetzen.Grafik ist in meinen Augen Top (PS3 – und trotz U3 Engine keine nachträglich nachladenden Texturen wie bei UT3 oder Borderlands), und sogar die deutschen Sprecher haben mir gefallen: Die original deutsche Synchron stimme von Christian Bale, Will aus Will&Grace ist bei mehreren Wachen zu hören. Auch Lincoln Burrows aus Prison Break habe ich erkannt. Der Joker gefällt auch sehr gut und liess mich bei der deutschen Synchro verweilen. (off kors i alweis bäi the englisch version direktly from the juneited kingdem, hä!).Die schönen WTF-Momente mit der Scarecrow haben mich anfangs zur Verzweiflung getrieben, weil ich dachte ich habe den Verstand verloren und glaubte mich in Silent Hill wieder zu finden.Warum also, warum ist nach dieser ganzen perfektion und hervorragender Arbeit der Entwickler der Funken immer noch nicht übergesprungen, (ich habe es nie beendet)? Warum fühlt es sich immer noch leer und hohl an? Sind es die vielen, Luftschächte? Vielleicht 😛 Ich denke das gleiche Schicksal wird auch AC2 blühen (objektiv top – subjektiv flop), ich glaube eine Mannschaft von 400 Leuten ist einfach zu viel für ein Spiel. Im Gegensatz dazu (habe gerade vorhin den Zombies VS. Plants Bericht gelesen) sind 5 Leute fähig ein herrvorragends Spiel zu zaubern. Kurze Abschweifung: Die Individualität der Spieledesigner kommt immer weniger zum tragen, darum sind auch die ehemaligen Sterne Molyneux und Schafer langsam am ausglühen, von meinem Kindheitsheld John Carmack will ich jetzt erst gar nicht anfangen. Einzig Valve mit Gabe Newell hat noch eine Ikone vorzuweisen. Ist diese dick aufgetragene Perfektion der Tod des Spielspasses? Nehmen wir Borderlands oder Left4Dead2. Offensichtlich keine perfekten Spiele mit ihren Schwächen bei denen man immer dasselbe macht, aber auch immer wieder dasselbe machen will. New Super Mario bros, dass eigentlich gar nicht "new" ist, trotzdem zu begeistern weiss. Ich bete schon lange, dass Final Fantasy XIII (von dem ich dann auch einen Bericht lesen will) sich aus dem Dunst der Augenblenderei erheben wird.tl;dr Bin deiner Meinung, bis auf die deutsche Synchron Version.

  3. @Harry: Ha, da ist ja einer fast noch more verbose als ich! Danke dafür!AC2 lasse ich wohl aus, weil ich die erste Version so schlecht fand, dass es mir wohl sehr schwer fallen würde, die zweite unvoreingenommen zu spielen. Und vor FFXIII habe ich etwas Angst – ich werde wohl kaum die Zeit investieren können, die man in Japan von einem Fan einfach erwartet.Die riesigen Teams, du hast recht, können eine Gefahr sein; Dragon Age Origins wäre für mich auch noch ein Beispiel, wo man gigatonnenweise Inhalt produziert hat, ohne je die grundsätzlichen Fragen zu stellen.Andererseits zeigen Grossunternehmungen wie GTA, Halo, Uncharted oder Modern Warfare – für MW2 Produktionskosten von 40-50 Mio. Dollar (GTAIV kostete das Doppelte), dazu gegen 200 Mio. Dollar für Werbung/Vertrieb!! -, dass man auch riesige Produktionen so steuern kann, dass dabei nicht nur handwerkliche Qualität entsteht, sondern Spiele ihre Seele behalten. Jedes grosse Studio sollte sich sehr genau anschauen, wie Rockstar, Bungie, Naughty Dog, Infinity Ward ihren Arbeitsprozess strukturieren und versuchen, sich eine Scheibe abzuschneiden.Molyneux übrigens hat für mich immer noch Heldenstatus; weniger wegen Fable, sondern weil er seinen Mut nicht verliert, Grundprinzipien zu diskutieren und in Frage zu stellen. Oft trifft er die wunden Punkte sehr genau, auch wenn es ihm dann in den Spielen nie gelingt, die selbst geweckten, völlig übersteigerten Erwartungen zu erfüllen.

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