Heavy Rain zu deprimierend?

Ich habe an dieser Stelle bereits über Heavy Rain berichtet und an der Gamescom in Köln den Executive Producer Guillaume de Fondaumière interviewt. In Köln wurde die Spielfigur Ethan Mars vorgestellt, ein Familienvater, der seinen einen Sohn verliert (möglicherweise an den Serienmörder, den Origami-Killer, um den sich die Geschichte von Heavy Rain dreht) und sich um die Beziehung zu seinem zweiten Sohn bemüht.

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Nun äussert sich auch John Funk vom Escapist zu Heavy Rain und der Figur Ethan Mars. Er findet Heavy Rain total deprimierend:

[T]here’s still one question in my mind: Will it be any fun to play? […] Everybody has real-life problems of their own: Why do they want to have to deal with the problems of a fictional character in a game? […I]t would be a shame for a title with so much work going into it to ultimately end up as something that appeals only to a very small niche.

Das ist eine grenzenlos dumme Aussage, die mich masslos ärgert. Weil genau diese Engstirnigkeit das Medium Games zurückhält, und weil genau diese Denkweise so sehr dem Klischee derer entspricht, die Games für einen minderwertigen Auswuchs der Populärkultur halten.

In jeder anderen Kunstform ist es sehr wohl möglich, sich mit den Problemen fiktionaler Charaktere auseinander zu setzen. Nicht nur möglich, es ist erfolgreich – sowohl im Markt als bei den Kritikern. Es gibt schlicht keinen Grund, warum Games auf reine Unterhaltung beschränkt werden sollten.

Wollte Funk damit nur eine Befürchtung äussern, dass das Game-Publikum noch nicht für solche Themen bereit ist, dann wäre die Aussage anmassend und leicht mit der thematischen Vielfalt zu widerlegen, die sich in den letzten Jahren herausgebildet hat.

Ist Funk stattdessen tatsächlich so engstirnig, dass er in Games lediglich den Inhalt eines Sommer-Blockbusters sehen will, dann repräsentiert er The Escapist schlecht; eine Website, die von sich selber sagt, „the contemporary video gaming lifestyle and the diverse global video game culture by way of in-depth features, thought provoking articles and relevant columns“ feiern zu wollen, ein Anspruch, an dem Funk hier auf spektakuläre Weise scheitert.
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