Tony Hawk RIDE: Die gute Idee ist schlecht

Ich bin kein Skater, habe aber Respekt vor der Kultur, die sich um den Sport gebildet hat. Seit den 70ern ging es immer schon um Individualität und Style – ein fester Bestandteil des sportlichen Wettbewerbs. Und deshalb hatte die Darstellung des Sports/Hobbys (wie auch bei den anderen Brettsportarten im Wasser und im Schnee) von Anfang an einen hohen Stellenwert, zunächst auf Fotografien, dann auf Video.

Für ein Skate-Game ist das Segen und Fluch zugleich. Man kann sich zwar auf eine reiche Bildkultur berufen und daraus zitieren, muss es aber eben auch schaffen, dieser hochentwickelten Ästhetik gerecht zu werden. Tony Hawk RIDE scheitert an diesem Anspruch.

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Dabei wirkt die Idee so gut: Statt die Skater-Figur, die uns auf dem Bildschirm vertritt, mit den gewohnten Kontrollern zu steuern, wird das Spiel mit einem Plastik-Skateboard ohne Räder geliefert, das wir vor dem Fernseher auf den Boden legen. Und uns dann draufstellen und Bewegungen machen, die ähnlich sind wie die auf einem richtigen Skateboard: Nach rechts oder links lehnen um zu steuern, mit dem hinteren Fuss eine Kickbewegung machen für einen Ollie, dabei das Brett leicht abdrehen für Flips. Licht-Sensoren auf allen Seiten ermöglichen ausserdem, dass wir per Fussbewegung neben dem Brett „angeben“ können oder dass Grabs erkannt werden.

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Fühlt sich das an wie richtiges Skaten? Nein, natürlich nicht. Die Plastikinstrumente aus Guitar Hero haben auch wenig mit richtigen Gitarren zu tun. In diesen Musikspielen gelingt es aber, ein Gefühl zu erzeugen, das nahe genug an der Realität ist. Man spielt ein schwieriges Solo fehlerlos und muss dafür eine Fingerfertigkeit an den Tag legen, die nicht so weit von der eines echten Gitarristen entfernt ist. Natürlich ist die Plastik-Gitarre eine Vereinfachung. Die Fingerbewegungen sind aber mindestens im Grundsatz genau die gleichen – und deshalb habe ich das Gefühl, dass ich die Musik wirklich erzeuge.

Diese Illusion gelingt auf dem Plastik-Skateboard nicht. Und zwar aus einem einfachen Grund: Solange sich das Brett nicht tatsächlich bewegt, wirken die echten Kräfte nicht. Ich kann nicht in eine Kurve liegen, ohne umzufallen. Ich kann nicht wirklich springen. Ich kann nicht wirklich abstossen. Die Gegenkraft fehlt – ich merke mit dem ganzen Körper, dass ich nur simuliere. Das ist so offensichtlich, dass im Gegensatz zur Plastikgitarre die Suspension of disbelief nicht gelingt. Also nicht nur eine gute Idee schlecht umgesetzt, sondern wirklich eine schlechte Idee: Dieses physikalische Grundproblem kann man nicht lösen.

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Dazu kommt, dass das Brett sehr unpräzise reagiert. Meine Bewegungen auf dem Brett haben oft überhaupt nichts mit den Bewegungen des Skaters auf dem Bildschirm zu tun. Oft verschiebt man das Brett, steht quer, muss absteigen und nachkorrigieren. Das Spiel gibt diese Schwierigkeiten sogar zu: Im einfachsten Spielmodus muss man gar nicht selber steuern – das Skateboard fährt wie auf Schienen auf einer vorgegebenen Linie, man kontrolliert nur die Sprünge. So kann das Spiel die Illusion noch halbwegs aufrechterhalten. Wechselt man dagegen in den schwierigeren Modus, ist das unkontrollierte Schlingern nur noch frustrierend.

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Das mag daran liegen, dass ich eben halt auch auf einem richtigen Skateboard Mühe hätte, das Gleichgewicht zu halten. Die Skateboard-Legende Tony Hawk verteidigt „sein“ Spiel auch verbissen gegen die zahlreichen Kritiker (was ich an sich süss finde, weil man es nicht oft erlebt, dass sich die Person auf dem Cover auch ausserhalb von Medienveranstaltungen mit dem Spiel identifiziert). Wenn er damit wirklich gut skaten kann, dann hat man aber genau das eigentliche Ziel eines solchen Spiels verfehlt: Nicht die Profis sollten in erster Linie damit Spass haben, sondern genau die, die eben nicht skaten können.

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Der Frust hört beim Plastik-Board zudem nicht auf. Es nerven:

  • Laaange Ladezeiten.
  • Jedes Mal seinen Namen neu eingeben, wenn man einen High Score schafft.
  • Die hölzernen Introfilme mit bekannten Skatern in einer superhässlichen Pseudo-Cellshade-Optik.
  • Die unheimlich umständliche Menuführung – viel zu viele Klicks sind nötig, bis man endlich losskaten kann.
  • Vor jeder einzelnen Session in einem Level muss ich angeben, ob ich Regular oder Goofy stehe, und dafür nicht mal nur einen Knopf am Kontroller drücken, sondern tatsächlich einen am Brett und danach eine Kickbewegung. 
  • Und mit Kontroller meine ich den ganz normalen Xbox-Kontroller. Ja, den braucht man auch noch, die Menuführung läuft darüber. Wo soll man den bitte hinlegen? Sicher nicht in der Hand behalten! In den meisten Wohnzimmern muss man wohl dauernd vom Brett runtersteigen, nur um den Kontroller von der Couch aufzuheben, drei Knöpfe zu drücken und dann wieder dort hinzuschmeissen. Und wenn man mal etwas zu lange für einen Level gebraucht hat, hat sich der Kontroller abgemeldet, um Energie zu sparen.

Das alles zerstört nicht nur die Illusion, sondern auch jeden Spielfluss. Und es hilft auch nicht, dass die Umgebungen, in denen man da so rumskatet, recht ungesalzen wirken: Langweilige Texturen, durchschnittliches Licht, eine Kameraführung, die sich von unzähligen Skater-Videos überhaupt nicht inspirieren liess und die immer gleichen Passanten, die auch nicht recht erklären könnten, warum sie uns eigentlich im Weg herumstehen.

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So werde
ich den Eindruck nicht los, dass Activision und der ausgezeichnete Geschäftsmann Hawk nicht in erster Linie an eine getreue Umsetzung der Skate-Kultur dachten. Stattdessen mag man damit geliebäugelt haben, dass man durch das Stück Plastik in der Packung den Preis des Spiels auf ganze 180.- Franken hochschrauben kann, ohne wirklich mehr in die Entwicklung investieren zu müssen (dank der gut geölten Guitar-Hero-Maschinerie weiss Activision, wie man diese Plastikkontroller möglichst günstig produziert) – und so im Weihnachtsgeschäft eine schöne Stange Geld einfahren kann.

Mit anderen Worten: Liebe Eltern, auch wenn euer Sohn sowohl gerne skatet als auch gerne spielt, und er mit Tony Hawk RIDE „wenigstens nicht nur rumsitzt“ vor dem Fernseher, ist das trotzdem alles andere als ein perfektes Weihnachtsgeschenk.

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Echtes Marketing-Foto, für euch erklärt!
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5 Gedanken zu “Tony Hawk RIDE: Die gute Idee ist schlecht

  1. Was mir erst jetzt auffällt: Die Marketingabteilung hat das Wohin-mit-dem-Kontroller-Problem gelöst, indem er einfach nirgends ist. Und die Konsole hat man auch gleich verschwinden lassen, und stattdessen das Bild per Photoshop auf den Bildschirm montiert.

  2. ich kapiers ned habe das game aber der controller spinnt!!!!! es findet den ps nich es blinkt aber kommt nix!!! 2mal ist es gegangen jetzt spinnt es zum 2mal ich dreh durch!!!!!!!

  3. also ich habe mir es auch gekauft nur die eintellung vor dem spiel ist böd weil es nicht geht ich gebe euch den tipp kauft es nicht es war auch ein fehler von mir hollt euch lieber skate mit dem conroler das ist viel besser viel spaß mit skate

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