God of War 3: Der Halbgott, der nicht springen kann

Wenn die alten Griechen bereits die Technologie von heute zur Verfügung gehabt hätten, dann hätten sie God of War 3 gespielt. God of War 3 ist so blutrünstig wie die griechische Mythologie

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Das Spiel bedient sich gierig der alten Sagen und zeigt sie in all ihrer Brutalität. Die Griechen haben ja ihrerseits schon nichts ausgespart, keine Strafe ist blutig genug. Man erinnere sich zum Beispiel an Prometheus, der Pandora daran hindern wollte, mit ihrer Büchse Seuchen über die Menschen zu bringen – was man ja durchaus als legitimes Motiv ansehen könnte, was die Götter aber als ein Infragestellen ihrer Macht wahrnehmen. Zeus bestraft ihn deshalb gnadenlos, indem er Prometheus an einen Berg kettet und einen Adler die stetig nachwachsende Leber aus dem Leib fressen lässt. Dass griechische Götter nie Gerechtigkeit oder das Wohl der Menschen im Sinn haben, belegt Zeus ausserdem tatkräftig, indem er so ziemlich alles vergewaltigt, was bei drei nicht auf den Bäumen ist.

In dieser Welt spielt God of War 3 – übertreiben muss man da eigentlich nicht mehr. Natürlich schockt die explizit bildliche Darstellung mehr, als das geschriebene Wort im Schulbuch. Aber hier setzt God of War einfach eine lange europäische Tradition fort: Die bildende Kunst bedient sich schliesslich seit ein paar Jahrtausenden der griechischen Metzel-Mythologie.

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Die Legende von Kratos, der Hauptfigur im Spiel, dreht sich um den Kampf zwischen Göttern und Menschen. Kratos war ein Heerführer aus Sparta und geht einen Pakt mit dem Kriegsgott Ares ein, um ein richtig guter Krieger zu werden. Doch Ares hält seinen Teil der Abmachung nicht ein, er verführt Kratos stattdessen dazu, die eigene Familie zu opfern. Kratos tut, was ein Spartaner tun muss: Er bringt den Kriegsgott um und tritt an seine Stelle. Im Verlauf der Serie verfeindet sich Kratos mit der ganzen Rasselbande auf dem Olymp und sinnt nun im dritten Teil auf Rache am Scheff persönlich: Er will Zeus ermorden, der in guter alter Star-Wars-Tradition sein eigener Vater ist. Das auch sonst hervorragend geschriebene Review bei Eurogamer fasst den Plot von God of War 3 stringent zusammen: „The game is about climbing a mountain to kill the man that lives at the top.

Kratos ist kein Held. Er ist blind vor Wut und Mordlust, das Verlangen nach Rache treibt ihn an. Er vernichtet alles, was ihm vor die Klingen kommt. God of War zählt man zum Genre „Hack & Slash„, und kaum ein Spiel nimmt diese Bezeichnung so wörtlich. Hier werden routiniert Köpfe abgehackt, Körper auseinander gerissen, Kreaturen mit ihren eigenen Hörnern durchbohrt. Opfer von Kratos werden dabei zwar vor allem mythologische Kreaturen wie Minotauren, Geisterkrieger oder der personifizierte Hades. Das ist dennoch kein Spiel für Kinder oder Zartbesaitete. Aber wenn sich ein Spiel diese explizite Darstellung der Gewalt verdient, dann God of War – weil das Spiel eben in einer Welt angesiedelt ist, die seit jeher darauf angelegt ist, Gewalt spektakulär zu inszenieren.

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Und genau um das geht es in God of War: Die epischen Konflikte zwischen Göttern und Halbgöttern zu inszenieren, uns mitten in einen Kampf zu werfen, der die Welt aus den Fugen hebt. Was die ersten beiden Ausgaben der Serie noch auf der Playstation 2 versuchten, bekommt nun mit der Playstation 3 eine Plattform, die der Orgie keine Grenzen mehr setzt. Die Muskeln von Kratos, die Feuerbälle der Titanen, die Wasserpferd-Tentakel von Poseidon, die überwucherten Felsbrüste von Gaia, magisches Leuchten auf Felswänden, der Fluss Styx oder die Seelen, die Hades entweichen – das alles ist schlicht atemberaubend. Unterstützt wird dieses epische Bühnenbild von hervorragend gespielten Stimmen, die röcheln, brüllen, ächzen und donnern, wie es diesem Welttheater geziemt. Sie sind überzeichnet, aber hier geht es wirklich nicht um subtile Charakterdarstellung.

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Während sich die Kritik einig ist, dass God of War 3 zwar schon mehr vom Gleichen ist, aber dafür in seiner spektakulärsten Form, wundere ich mich etwas, dass ich kaum etwas Negatives lese über die Abschnitte zwischen den grossen Kämpfen. God of War ist nämlich ebenso Action Adventure wie Hack & Slash: In guter alter Tomb-Raider-Manier müssen immer wieder Hebel umgelegt, Blöcke verschoben und generell das bedient werden muss, was mein Kumpel Mirko mal mit „epischen, mechanischen Konstruktionen alter Zivilisationen“ umschrieben hat. Diese Rätsel sind wunderbar abwechslungsreich und willkommene Verschnaufpausen, bevor der nächste Gott seine Eingeweide hergeben muss.

Allerdings lauert in diesen Abschnitten unheimliches Frustrationspotential. Denn Kratos kann zwar einem Minotaurus ohne grosse Anstrengung einen Dolch in den Schädel rammen, womit er aber unheimlich Mühe zu haben scheint, ist Springen und Kisten öffnen. Um grössere Spalten zu überwinden, müssen wir einen „Doppelsprung“ anwenden, also springen, und gleich noch einmal den Sprungknopf drücken. Das Zeitfenster für diesen zweiten Knopfdruck ist viel zu eng. Statt also einen weiten Satz zu machen, fällt Kratos in ein Loch und stirbt. An einer Stelle mit drei aufeinanderfolgenden Doppelsprüngen ist mir Kratos so oft weggestorben, dass ich gerne meinen Kontroller enthauptet hätte.

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Ebenso schleierhaft ist mir, warum Kratos präzise auf einem winzigen Punkt exakt
vor der Kiste stehen muss, um sie zu öffnen. Steht er daneben, kann er sie nicht öffnen. Steht er einem Zentimeter zu nah dran oder zu weit weg, kann er sie nicht öffnen. Lässt man die Öffnen-Taste etwas zu früh los, kann er sie nicht öffnen. Man könnte meinen, dass ein Halbgott damit keine Mühe haben müsste, aber Kratos kriegt wohl auch keine Gurkengläser auf.

Das mag pingelig klingen, es führt aber zu einem stossenden Kontrast: Soeben haben wir Hades Fleisch aus dem Körper geschnitten oder Poseidon die Augen ausgedrückt, mit ein paar wenigen präzise gedrückten Knöpfen. Und dann plumpsen wir recht undramatisch von einer Kante. Das ist enttäuschend und wirkt etwas schludrig.

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Doch diese leise Enttäuschung kann das Spiel nicht verderben. Dafür ist die epische Götter-Seifenoper schlicht zu grossartig. Hollywood hat ja in den letzten Jahren immer wieder versucht, die antike Bibliothek zu plündern und diese grossartigen Geschichten zu modernisieren. Vielleicht mit der Ausnahme von „300“ (und auch da mit schwerem Computer-Geschütz) ist das nie wirklich gelungen. God of War 3 macht stattdessen vor, wie man heute Götter abschlachtet.

God of War 3 ist für die Playstation 3 und nach PEGI ab 18. Das Haikiew ist hier.
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12 Gedanken zu “God of War 3: Der Halbgott, der nicht springen kann

  1. Hallo Guido!Wirklich tolles Feedback dass Du abgegeben hast zu God Of War 3! Das mit den Problemen betr. Kisten öffnen und Abgründe überspringen trifft macnhmal zu und nervt, aber über das ganze Game hinweg kann man da locker drüberwegschauen! Bin nun seit ca. 10 Stunden dran, mich durch die griechische Mythologie zu schlachten…und bin absolut begeistert von diesem Spiel…es ist einfach hammergeil animiert und geht ab "wienes Zäpfli"! Nichts mit Wattebäuschel oder Samthandschuhen…Kratos kennt keine Gnade! Natürlich ist das Spiel sehr brutal, aber es spielt ja in einer "Fabel- oder Fantasiewelt" und deshalb kann man das ganze auch nicht soooooo extrem ernst nehmen! Habe bereits die beiden Vorgänger auf der PS2 gespielt und war damals schon begeistert…aber was nun beim GoW3 geboten wird ist wirklich atemberaubend…und langweilig wirds def. nie! Viele Grüsse und weiter so DRS3-Team…coole Sache! Cookster

  2. Hallo GuidoGutes Review zu einem grandiosen Spiel! Allerdings kann ich deine Kritik von wegen dem Doppelsprung nicht ganz nachvollziehen… Ich bin beim Spielen gefühlte 1000x gestorben (spiele auf Schwer) aber in einen Abgrund gefallen bin ich eigentlich kaum einmal… Daher drängt sich mir die Frage auf, ob du an die Flügel des Ikarus gedacht hast?? Zum Springen einfach 2x X drücken und beim 2.Mal draufbleiben und schon segelt der gute Kratos ziemlich problemlos über jeden Abgrund… Das mit den Kisten stimmt schon, aber das ist nun wirklich Jammern auf allerhöchstem Niveau! Ich habe schon die beiden Vorgänger geliebt und hatte etwas Bedenken, ob die riesigen Erwartungen, die ich an den Abschluss der Trilogie hatte auch wirklich erfüllt werden. Aber GoW3 hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen!!!

  3. @Cookster: Bezgl. Gewalt: Vor dem Release gingen ja Trailer herum, die sehr brutal waren – Kratos reisst einem Vieh ein Horn aus und ersticht es damit; beim Anschauen fragte ich mich, ob sie es nicht übertreiben damit (siehe z.B. mein <a href="http://guido.posterous.com/fallout-3-uberleben-nach-der-a">Review zu Fallout 3</a>, dort fand ich die total übertriebenen Headshots in Slow Motion nicht nur unnötig, sondern auch dramaturgisch schlecht/ermüdend).Jetzt im Spiel ging es mir aber nie so. Das ist halt eine epische Geschichte, es geht um Leben und Tod, und das sind Götter, die kämpfen, und da ist automatisch alles überhöht und extrem. Die Gewalt macht hier also – eben im Gegensatz zu Fallout 3 – auch inhaltlich Sinn, sie ist nicht nur Selbstzweck, wie in so vielen Shock-Horror-Shootern.Und wie gesagt, das Spiel ist ein gutes Beispiel dafür, dass solche medialen Gewaltdarstellungen keineswegs neu sind, sondern dass es im Gegenteil eine lange Tradition gibt.

  4. @spreadyourwings: Passender Alias! Nein, natürlich habe ich die Ikarus-Flügel benutzt. Auf die Gefahr hin, dass ich mich hier lächerlich mache, erzähle ich dir, wie das genau gelaufen ist:Kratos muss drei Sprünge schaffen, der Abgrund ist jedes mal etwas zu breit für einen einfachen Sprung, und die Zielkante liegt etwas höher als die Absprungkante, was es schwieriger macht. Kratos stirbt und stirbt, meistens beim dritten Sprung, den ich einfach nicht hinkriege (übrigens auf Normal, ich spiele immer auf Normal, ausser ich bin total unter Zeitdruck). Nach dem gefühlt hundertsten Fehlsprung unterbricht das Spiel tatsächlich und fragt mich frech, ob ich vielleicht die Schwierigkeit auf "Einfach" wechseln möchte, das verdammte Drecksteil!Und um die Beleidigung noch zu vertiefen, steht da dann noch ausdrücklich, dass sich der Schwierigkeitsgrad nur auf die Kämpfe bezieht, NICHT auf Sprünge!Naja, irgendwann hab ichs dann gepackt und etwas mehr Sicherheit gekriegt, habe aber auch später im Spiel immer wieder mal einen Sprung verpasst. Oft auch zu richtig blöden Zeitpunkten – die Checkpoints könnte auch etwas enger gesetzt sein. Ich war ein paar Mal vor einem einfachen Sprung nervöser als vor einem Bosskampf.Mein Problem ist wohl, dass ich mich sehr an die Mario-Sprunglogik gewöhnt habe: Man kann dort den Doppelsprung jederzeit ausführen, egal, wo im Sprung man grade ist. Man kann also kurz nacheinander drücken, oder erst etwas segeln und dann nochmal an Höhe gewinnen. Ich würde behaupten, dass die allermeisten Spiele so funktionieren.Bei God of War geht das aber genau nicht, man muss eher kurz nacheinander drücken, und auch noch sehr präzise (zu früh darf man auch nicht). Und diese Umstellung hab ich einfach schlecht verkraftet.Die Kamera hat mir übrigens dabei oft auch nicht geholfen, wenn sie z.B. mitten im Sprung/Flügelflug die Perspektive wechselt und man dann daneben segelt, weil man nicht analog zur Kamera die Richtung nachkorrigiert. Das sind einfach Details, die ich einem so grossen Titel nicht durchgehen lassen will.

  5. OK, hätte mich auch gewundert wenn dir die Flügel entgangen wären. Ich dachte nur weil du nur vom Doppelsprung gesprochen und die Flügel gar nie erwähnt hast. Und eben dieses Problem ist mir halt noch nie aufgefallen. Aber ich bin auch nicht von italienischen Klempner voreingenommen… Kann mir schon vorstellen, dass da was in die (Latz-)Hose gehen kann… 😉

  6. @Harry: Citation needed!Wenn ich in der Wikipedia z.B. nach Devil May Cry oder Diablo suche, stosse ich auf einen interessanten Unterschied:Die englische Wiki hat einen Eintrag zu "Hack and slash". Die Eingabe "Hack and slay" redirected auf "slash". In den Texten zu Devil May Cry/Diablo ist immer von "slash" die Rede.In der deutschen Wikipedia dagegen ist es genau umgekehrt: "Slash" wird auf "Slay" redirected, im Diablo-Text steht "Slay".Man schliesst daraus:1. Harry muss chillen.2. "Hack and slash" ist der englische Sprachgebrauch.3. "Hack and slay" dagegen der "deutsche".Ich ziehe "Hack and slash" vor. Denn "Hack" ist eine Bewegung von oben, "Slash" eine seitliche. Beides sind Bewegungen, die unsere Hauptfiguren ausführen. "Slay" dagegen beschreibt nicht eine Bewegung, sondern den Akt an sich. Und deshalb ist "Hack and slash" der konsistentere Ausdruck.!!!!1111!1!!1!!

  7. Aber als ich noch klein war habe ich immer Hack ’n Slay gesagt und nun muss ich herausfinden ,dass ich mich die ganzen Jahre wie ein n00b verhalten habe und ich deswegen aus der Gruppe gekickt wurde?Egal, ich "hacke & erschlage" weiterhin meine Gegner in "Fackellicht" :3

  8. Immerhin hast du die deutsche Wikipedia hinter dir; und wegen sowas schmeiss ich doch keinen aus der Gruppe 8)

  9. Habe gestern erst den 2. Teil der God of War 2 beendet und werde heute mit dem 3. Teil anfangen. Hoffe doch mal stark, dass das timing beim springen doch leicht verbessert wurde und deine Beschreibung bezüglich Der Halbgott, der nicht springen kann übertrieben ist.Ich glaube nicht, dass ich bis jetzt in irgendeinem anderen Spiel, annähernd soviel gestorben bin wie in GoW 2 (wohlgemerkt nur wegen den Sprungpassagen) und dabei fast die Nerven und die Geduld verloren habe.Gruss

  10. Hey,sag mal stimmt es das God of War 3 der letzte teil dieser Reihe sein wird oder kommt noch ein vierter Teil ? Das Spiel ist naämlich eins der Besten überhaupt meiner Meinung nach. Inzwischen gibt es ja leider auch schon viele änliche wie bspw. Dantes Inferno die versuchen auf diesen Zug aufzuspringen, geschafft hat es aber bisher noch kein Titel !

  11. Haha, ich hatte zuerst auch ziemliche Probleme mit der Rumsprinegrei, aber mit der Zeit gings dann doch ganz gut. Nichtsdestotrotz wirkt es irgendwie manchmal doch ziemlich erbärmlich, wenn man sich gerade durch eine riesige Gegnerhorde gemetzelt hat und als nächstes eine kleine Kluft runterfällt 😀 Jedenfalls habe ich gerade eben eine PS3 gekauft (eigentlichv or allem wegen diesem Spiel *hüstel*) und habe Teil 3 durch. War schon toll 😀 Jetzt Spiele ich Teil 2, danach nehme ich mir dann die 1 vor – konsequent rückwärts wenn man so will.@God of War 3:Nun, wenn du das Spiel gespielt hast ist wohl ziemlich klar, dass es schwer wird einen Teil 4 zu machen. Zeus ist tot, ja fast alle (griechischen) Götter sind tot und Kratos mehr oder weniger auch. Was allerdings möglich wäre, wären Midquels oder Prequels. Kommt ja bereits schon ein zweites für die PSP raus.

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