The Return of das Ende der Anonymität

Am Freitag hat Facebook neue Rights and Responsibilites (Nutzungsbedingungen) vorgeschlagen, die verdeutlichen, was ich im Artikel und der Diskussion „Das Ende der Anonymität“ angesprochen habe.

Another Step in Open Site Governance (Facebook Blog)
Proposed Privacy Policy, Proposed Statement of Rights and Responsibilities (Facebook Site Governance)

Die zwei wesentlichsten Punkte:

  • Es ist neu nicht mehr erlaubt, mehr als ein Profil auf Facebook zu haben.
  • Facebook nimmt sich das Recht, unter bestimmten Bedingungen an bestimmte externe Partner Benutzer-Informationen weiterzugeben, ohne vorher das Einverständnis der Benutzer zu holen.

Das war übers Wochenende das Thema in den Blogs, siehe z.B.:
Facebook May Share User Data With External Sites Automatically (ReadWriteWeb)
Facebook will Nutzerdaten automatisch weitergeben (Heise)
Sharpen The Pitchforks. It’s Almost Time For Facebook’s Privacy Wake-Up Call (TechCrunch)

Privacy-1
Zu Reden gibt vor allem der zweite Punkt: Facebook will mit bestimmten Partnern Vereinbarungen treffen können, die es Facebook ermöglichen, diesen Partnern bestimmte allgemeine Informationen der Benutzerprofile zu übermitteln, und zwar automatisch, also ohne zuvor eingeholtes Einverständnis der Benutzer.

Es ist noch vieles ungewiss: Wer diese Partner sind, was in den Datenschutzvereinbarungen zwischen den Partnern und Facebook steht, und welche Informationen genau Facebook übermitteln will. Man kann aber davon ausgehen, dass es mehr ist als Name und Bild. Alter, Geschlecht, Stadt sind sicher auch dabei, wahrscheinlich auch der „Social Graph“, also die Freunde. Man soll das per Einstellung im Profil auch verhindern können, die Standard-Einstellung erlaubt es aber.

Das ist nichts anderes als ein Ausdehnen dessen, was heute schon mit Facebook Connect möglich ist. Man kann auf vielen Blogs mit dem Facebook-Namen einloggen (z.B. ja auch hier auf Posterous). Dann erscheint auf dieser Seite ein Kommentar unter dem Namen (und mit dem Bild), den man auch bei Facebook verwendet, verlinkt auf das Facebook-Profil.

Bis jetzt war das „Opt-In„: Ich entscheide selber, ob und auf welcher Seite ich Facebook Connect verwenden will. Jetzt will Facebook ein „Opt-Out“ daraus machen. Auf von Facebook ausgewählten Seiten werden also gewisse allgemeine Informationen über mich direkt zu diesen Partnern übermittelt; die Seite kann dann ihre Inhalte entsprechend anpassen. Z.B. wäre man schon eingeloggt, oder man würde sehen, ob Freunde kommentiert haben, oder man bekäme Inhalte angezeigt, die auf Alter/Ort etc. zugeschnitten sind.

Das Ziel dieser beiden Änderungen ist klar: Facebook will eine einzelne, persönliche, klar zugeordnete Web-Identität – deshalb nur ein Profil und erst noch eines, das automatisch auch auf Seiten ausserhalb von Facebook auftaucht.

Das ist die konsequente Fortsetzung der Strategie, die man seit der letzten Änderung verfolgt, als die Standard-Einstellung für Posts auf „Sichtbar für alle“ geändert wurde: Facebook wird immer öffentlicher.

Nun betrachten viele Benutzer Facebook als etwas privates; sie vertrauen Facebook ihre Informationen an, damit Facebook die den eigenen Freunden weitergeben kann. Einige dieser Informationen will Facebook nun aber herausgeben, und man wird sehen, ob die Benutzer damit ihr Vertrauen missbraucht sehen.

Bei Facebook geht man davon aus, dass diese Öffnung den Bedürfnissen der Benutzer entspricht. Dabei geht es nicht nur um praktische Funktionen, sondern eben generell um eine Tendenz zu mehr Öffentlichkeit. Facebook-Angestellte führen z.B. ihren (in Amerika) grossen Konkurrenten Twitter an. Dort äussern sich viele Leute ungefähr gleich offenherzig wie auf Facebook, der Dienst ist und war schon immer öffentlich. Facebook schliesst daraus, dass viele Menschen die Möglichkeit des Austausches wichtiger einstufen als den Schutz der Privatsphäre oder der Anonymität.

Das ist deshalb für Facebook und seine Benutzer ein Moment der Wahrheit. Stimmt die Einschätzung von Facebook, dass die Benutzer gar nicht soviel Privatspähre wollen? Oder fühlen sich diese vielmehr hintergangen?

Es könnte sich ausserdem ein atlantischer Graben auftun: Während man in Europa generell eher starke Datenschutzgesetze hat, ist man in den USA diesbezüglich liberaler.

Es wird auch in Zukunft auf Facebook möglich sein, seine Informationen nur einem kleinen Kreis von Personen zugänglich zu machen. Die Standardeinstellung „Sichtbar für alle“ kann man heute schon ändern; und auch aus dem neuen automatischen Facebook Connect Opt-In wird man aussteigen können.

Ich halte das deshalb für eine Frage der Medienkompetenz. Wir werden von Facebook gezwungen, selber zu entscheiden, wie viel Öffentlichkeit wir zulassen wollen. Und weil diese Einschätzungen individuell weit auseinander laufen werden, kann man sie nicht einfach delegieren.

Wer sich also bisher geweigert hat, sich mit den Privatsphäre-Einstellungen von Facebook vertraut zu machen, darf sich nicht wundern, wenn die Erwartung nicht mit der Realität übereinstimmt.

Mehr zum Thema: Ich habe in „Das Datenschutz-Pflichtenheft Pflichten für Unternehmen, Staat und Private in Bezug auf Datenschutz vorgeschlagen.
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2 Gedanken zu “The Return of das Ende der Anonymität

  1. Spellcheck-Post, kannst du dann gleich wieder entfernen:bei den wesentlichen Punkten:…unter bestimmten <b>Bedienungen</b> an bestimmte… -> BedingungenIm Abschnitt über "opt-in" hat’s einen freudschen Verschreiber:…Z.B. wäre man schon <b>eingelocht</b>, oder man würde sehen… -> sollte wohl "eingeloggt" heissen :-)Gruss Manuel

  2. Korrigiert, danke Manuel!Meine Ausrede: Die automatische Korrektur von TextEdit, das ich sonst nie benutze und jetzt auch weiss, warum. "eingelocht", gnihihi!

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