Mobiltelefon und Internet

TelmaMoov

Damit ich hier preiswert telefonieren kann, habe ich mir eine SIM-Karte einer lokalen Mobiltelefon-Gesellschaft besorgt. Es gibt drei Anbieter: Die einheimische Telma, dazu Zain, die aus Kuwait stammen und im Nahen Osten und in vielen afrikanischen Ländern tätig sind, und schliesslich Orange.

Die SIM-Karte von Telma kostet MGA 1000. Das entspricht rund 50 Rappen – ein Franken ist rund 2000 Ariary (MGA). Für diese 50 Rappen erhält man gleich noch 15 Minuten Gesprächsguthaben auf dem Telma-Netz.

Kaum jemand hier hat ein Abo, fast alles ist Prepaid. „Crédit“ kann man überall kaufen, bei Strassenhändlern oder in praktisch jedem Laden. Für den kleinen Zettel mit Code zum Freirubbeln zahlt man z.B. 2000 Ariary.

Wie man diesen Crédit auflädt, ist nicht ganz klar, wenn man kein Malagasy spricht: „Raha hampiditra fahana amin’ny Telma Mobile: Tsindrio # 321 * tarehimarika 14 # Ok„. Hat man begriffen, dass „tarehimarika 14“ den 14-stelligen Code meint, den man grade freigerubbelt hat, geht es dann aber schnell.

Die Tarife sind gleich verwirrend strukturiert wie überall auf der Welt. Es gibt „heures pleines“ und „heures creuses“ (Normal- und Niedertarif). Am Sonntag und an Feiertagen ist Niedertarif, über die Nacht und über Mittag auch. Je nach Betreiber unterscheiden sich diese Zeiten, bei Orange z.B. 18 – 6 Uhr und 12 – 14 Uhr, bei Telma aber nur 20 – 6 Uhr und 12:30 – 13:30.

SMS sind im Niedertarif und im eigenen Netz meistens gratis, sonst kosten sie zwischen 60 und 140 MGA  (3 – 7 Rappen) national und 340 – 420 MGA ins Ausland (17 – 21 Rappen).

Auch Gespräche kosten im eigenen Netz viel weniger als zu anderen Anbietern. Die Tarife unterscheiden sich enorm, sie bewegen sich je nach Uhrzeit und Zielnetz zwischen 1 und 14 Ariary pro Sekunde (also 3 – 42 Rappen pro Minute). Telma ist aktuell mit Werbung sehr präsent und fährt eine Preisoffensive: Ein Ariary pro Sekunde im Niedertarif und mit internationalen Gebühren für gewisse Länder (auch die Schweiz), die so tief sind wie nationale Tarife bei Orange in fremde Netze.

Mit den 2000 Ariary, die man gerade freigerubbelt hat, telefoniert man bei Telma demnach zwischen 7 und 30 Minuten oder verschickt zwischen 16 und 33 SMS. Mobiltelefonie in Madagaskar kostet als Faustregel also etwa fünfmal weniger als in der Schweiz. Dabei darf man nicht vergessen, dass viele Menschen hier weniger als einen Franken pro Tag verdienen. Auch diese Leute benutzen Mobiltelefone; die vom Mund abgesparten 500 Ariary für die billigste Karte müssen dann aber lange reichen.

Die Schere öffnet sich weit: Im Flugzeug von Paris nach Antananarivo hatten fast alle um mich herum einen Laptop dabei – wohlhabende Madagassen, viele davon mit französischem Pass. Der Grenzwächter, der meinen Pass kontrollierte, nahm dabei einen Anruf entgegen, auf seinem iPhone.

Luxuriös ist auch die Internet-Lösung, die ich benutze: Per USB-Stick verbinde ich über 3G. Auch hier kauft man Prepaid-Crédit, die 10’000 MGA (5 Franken) reichen für 2 Stunden. Die Verbindung ist weder stabil noch schnell.

Ich benutze den lokalen Internet-Anbieter moov, eine Marke von DTS (Data Telecom Service). DTS betreibt den nationalen Glasfaser-Backbone, 49% der Anteile gehören der Telma.

Diese ergänzenden Posts zur kommenden Reportage „IT in Madagaskar“  sind alle hier gesammelt: Tag Madagascar.

 

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Ein Gedanke zu “Mobiltelefon und Internet

  1. Mann, der recherchiert ja von der ersten Sekunde weg wie wild! Wie das wohl nach einer Woche aussieht? Spannend.

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