Im Taxi durch Tana

Als Vazaha (Fremder) bewegt man sich in der Hauptstadt Antananarivo meistens per Taxi. Das ist zunächst spottbillig (für uns) – eine Fahrt kostet je nach Distanz zwischen 3000 und 8000 Ariary, also eineinhalb bis vier Franken. Man verhandelt, bevor die Fahrt beginnt, und drückt den Ausländerpreis um einige Tausend. Die meisten Taxifahrer kalkulieren knapp mit Benzin. Entweder haben sie eine Pet-Flasche davon neben dem Beifahrersitz und füllen bei Bedarf nach. Oder sie fahren als erstes an eine Tankstelle, ziehen den Fahrtpreis ein und tanken dafür nach. Strassennamen bzw. Adressen gibt es nicht. Als Fahrtziel gibt man also das Stadtviertel und ein bekanntes Gebäude wie ein Hotel, ein Restaurant oder eine Kirche an.

Taxis sind ausserdem sicher, jedenfalls so sicher wie man als offensichtlich Reicher in einem mausarmen Land sein kann. Es wird einem hier empfohlen, sich bei Dunkelheit nicht mehr zu Fuss auf die Strassen zu wagen. Gewisse Viertel sind auch bei Tageslicht ungemütlich bis gefährlich. Eine Tasche lässt man zu Hause oder trägt sie vor sich und hält sie gut fest. Die Sicherheitslage hat sich in dem Mass verschlechtert wie die wirtschaftliche Situation des Landes. Man erzählt mir, dass Entreissdiebstähle zugenommen haben, sozusagen die gewalttätigere Version eines Taschendiebstahls.

Tana

In der Nacht fallen die vielen Menschen auf, die auf Treppen, an Hauswänden und Strassenecken schlafen. Einige versammeln sich um ein kleines Feuer, andere suchen unter Planen und behelfsmässigen Zelten Schutz vor Regen und Kälte (im Moment sind die Nächte auch für Europäer merklich kühl).

Auf der Fahrt von Ivandry nach Andravoahangy ist die allgegenwärtige Armut nicht zu übersehen. Ich bin überrascht, wie nah beieinander Armut und Reichtum liegen, besonders in der Altstadt und dem Zentrum. Nur zwei Strassen weiter von einem Luxushotel sitzen Kinder im Abfall. Fuhr man eben noch durch eine Strasse gesäumt von Bretterverschlägen, tauchen unvermittelt einige stattliche Villen in gepflegten Gärten auf. Sicherheitspersonal mit Schlagstöcken, Hunden und schusssicheren Westen hält diese komplizierten Grenzen aufrecht.

Diese ergänzenden Posts zur kommenden Reportage „IT in Madagaskar“ sind alle hier gesammelt: Tag Madagascar.
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Ein Gedanke zu “Im Taxi durch Tana

  1. guido…mich überrascht, dass du überrascht von den gegensätzen arm/reich bist. das ist doch leider ein grosses problem in asien/afrika etc.das wir erst kennenlernen, wenn wir selbst in diese schönen (von der natur her) länder "eintauchen" und wir uns damit erst vor ort konfrontiert sehen. tut auch gut, "auf die reale Welt" zu kommen…oder wie siehst du das?

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