Mandroso: Informationen per Mobiltelefon

Davidmcafee

Gestern habe ich mich mit David McAfee getroffen, der die amerikanische Hilfsorganisation Human Network International (HNI) leitet. HNI ist hier in Madagascar tätig und betreibt unter anderem das Projekt Mandroso.

Mandroso ist eine Wissensdatenbank, die mit dem Mobiltelefon abgefragt werden kann. Entweder per SMS, man schickt einen bestimmten Code an eine Zielnummer und erhält ein SMS mit Information zurück. Oder man ruft auf eine Nummer an und wählt sich durch einen Telefonbeantworter, bis man sich die gewünschte Information anhört. Also gewissermassen eine stark reduzierte „Internet-Suche“ über das Telefon.

Die Informationen sind in Themenfeldern gruppiert, zu Landwirtschaft, Gesundheit und Mikrokrediten. So kann ein Bauer z.B. herausfinden, wie er Reis-Setzlinge aufziehen und wann er sie ins Feld versetzen muss. Oder eine schwangere Frau kann Informationen zu Hygienemassnahmen oder Impfungen abrufen. Oder man kann sich erkundigen, wo man in der Nähe Mikrokredite erhält.

HNI kooperiert mit dem grössten Mobiltelefon-Betreiber im Land, Zain (rund 2 Millionen Kunden). Wer eine SIM-Karte von Zain hat, kann den Dienst gratis benutzen: Vier Anrufe im Monat sind gratis, der fünfte Anruf kostet 200 Ariary (10 Rappen). SMS sind gratis. Aus der Sicht des Telefonbetreibers entspricht das also einer Spende im sechsstelligen Bereich, jeden Monat. Zain sieht das laut David als eine Investition an: Wenn man die wirtschaftliche Situation vieler Menschen nachhaltig verbessern kann, profitiert ein Mobiltelefon-Betreiber langfristig davon. HNI versucht, auch die anderen Betreiber an Bord zu holen.

Das Projekt ist eben erst gestartet. In den ersten gut drei Wochen haben bereits über 35’000 Menschen den Dienst benutzt. Bis jetzt hat sich Mandroso vor allem über Mund-zu-Mund-Propaganda bekannt gemacht. In den kommenden Wochen will Zain direkt SMS an ihre Kunden schicken und sie so auf das Projekt aufmerksam machen.

David konnte mir nicht genau sagen, welche Themen am meisten abgehört werden. Aufgrund anekdotischer Beobachtungen nimmt er aber an, dass die Mikrokredit-Informationen am begehrtesten sind, was mit der verschlechterten Wirtschaftslage Madagaskars zu tun haben könnte. HNI hat mit Zain eine Vereinbarung getroffen, regelmässig eine Zusammenstellung zu erhalten, wer den Dienst benutzt und welche Informationen nachgefragt werden. So hat HNI (wie bei einer Webseite auch) die Möglichkeit, das Angebot den Bedürfnissen der Benutzer anzupassen.

Mobiltelefone verbreiten sich enorm schnell in Madagascar. Laut David gibt es in dem Land rund dreieinhalb Millionen Haushalte. Er schätzt ausserdem, dass bereits heute über 4 Millionen Menschen ein Mobiltelefon besitzen. Das bedeutet noch nicht, dass es in jedem Haushalt ein Mobiltelefon gibt, weil auf wohlhabende, urbane Haushalte mehrere Geräte kommen. Trotzdem wächst die Zahl schnell: Der grösste Mobiltelefon-Betreiber Zain soll 5000 neue SIM-Karten pro Tag verkaufen. Eine einfache Hochrechnung dieser Zahl zeigt, dass sich die Zahl der Mobiltelefon-Besitzer innerhalb eines Jahres beinahe verdoppeln könnte.

In den grösseren Ballungszentren ist die Abdeckung gut, man hat überall Empfang. Auf dem Land sieht das anders aus. Je dünner die Gegend besiedelt ist, desto schlechter die Abdeckung. Doch auch dort haben viele Menschen ein Mobiltelefon; alle im Dorf wissen ausserdem, wo man Empfang hat. Das bedeutet unter Umständen, dass man auf einen Baum klettern, weite Wege gehen oder sogar auf einen Hügel klettern muss.

Und obwohl die meisten Menschen hier weniger als ein Franken pro Tag verdienen, ist ein Mobiltelefon dennoch eine Investition, die man schaffen kann. Auch hier werden Telefone von den Betreibern subventioniert (auch mit Prepaid-Karten) – es gibt Geräte, die für weniger als fünf Franken zu kaufen sind.

Mehr zu den Mobiltelefon-Betreibern und Preisen in Madagaskar erläutere ich hier: „Mobiltelefon und Internet„.

David meint, dass die grösste Herausforderung für das Projekt Mandroso sei, die Menschen dazu zu bringen, ihr Mobiltelefon nicht nur als ein Kommunikationsmittel, sondern auch als ein Werkzeug zur Informationsbeschaffung zu sehen.

Denn diese Information kann enorme Auswirkungen haben: Ein Bauer, der über Mandroso eine bessere Anbautechnik lernt, kann seine Erträge stark verbessern. Damit deckt er nicht mehr nur den Eigenbedarf, sondern kann auch verkaufen. Mit dem so erwirtschafteten Geld kann die Familie ihre gesundheitliche Situation und die Ausbildung der Kinder verbessern, was die Zukunftsaussichten komplett verändert. 

Diese ergänzenden Posts zur kommenden Reportage „IT in Madagaskar“ sind alle hier gesammelt: Tag Madagascar.
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