Von Antananarivo nach Toliara

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Fotos: Martina Lippuner, Guido Berger

„Je mange du riz. J’ai l’habitude.“
 
Madagassen essen mehr Reis als alle anderen in Afrika, aber auch mehr als Inder und Chinesen, sogar gut doppelt so viel wie Japaner. Dreimal am Tag, gut 120 kg pro Kopf im Jahr. Der Reis wird grösstenteils im Land selber produziert und das prägt die Landschaft. Besonders im Hochland um die Hauptstadt Antananarivo (1435 m.ü.M. am höchsten Punkt) wähnt man sich oft eher in Südostasien als in Afrika. Jedes Stückchen freies Land ist ein Reisfeld, Terrassen und Kanäle leiten das Wasser. 
 
Tana – Tulear, Etappe 1: Antananarivo – Fianarantsoa
 
Gut 60% der arbeitenden Bevölkerung betreibt Reisanbau. Dazu wird Maniok gepflanzt, Zuckerrohr, auch Mais, Tomaten oder Bananen. Man hält ausserdem Zebus, Ziegen und Hühner. Vanille ist eines der wichtigsten Exportprodukte (nur im Nordosten), doch der weitaus grösste Teil der Landwirtschaft dient der Selbstversorgung. Weil die Bevölkerung schnell wächst (aktuell etwas mehr als 20 Millionen), reicht die einheimische Produktion nicht aus, was auch eine Folge der wenig ertragreichen Anbaumethoden ist.
 
Tana – Tulear, Etappe 2: Fianarantsoa – Nationalpark Isalo
 
Auf der gut 800 km langen Fahrt in zwei Tagen von Antananarivo über Fianarantsoa in den Süden nach Toliara („o“ spricht man immer als „u“ aus, Vokale am Schluss werden meistens verschluckt) begegnet man kaum Industrie. In den grösseren Städten gibt es etwas Handwerk und einfache Dienstleistungen, doch die meisten Menschen leben in Dörfern, die aus einer lockeren Ansammlung von windschiefen Hütten neben der Strasse bestehen, dazwischen Zebus und Hühner und Sand. Das Land ist mausarm: 90% der Menschen verdienen weniger als 2 Dollar pro Tag.
 

Tana – Tulear, Etappe 3: Nationalpark Isalo
 
Die wenige Industrie im Land leidet ausserdem unter der politischen Krise nach dem Staatsstreich letztes Jahr, die zur diplomatischen Isolation des Landes und teilweise auch zu Sanktionen geführt hat. Besonders der Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen, ist davon betroffen, mit einem Einbruch von zeitweise bis zu 70%. Auch viele internationale Hilfsorganisationen haben Gelder sistiert. Gegenüber meinem letzten Besuch vor zweieinhalb Jahren hatte ich den Eindruck, dass in der Hauptstadt nachts deutlich mehr Menschen draussen auf der Strasse schlafen.
 
Tana – Tulear, Etappe 4: Nationalpark Zombitse, Mangily und Toliara
 
Die Armut schränkt den Bewegungsradius enorm ein. Niemand besitzt ein Auto. Eine WWF-Volontärin, die für ein paar Monate in einem winzigen Dorf lebt, hat mir erzählt, sie sei von Kindern gefragt worden, wo denn ihr Auto sei. Einige der Kinder hatten noch nie Weisse gesehen, die nicht in einem Auto auf der Strasse vorbeifuhren.
 
Nationalpark Tsimanampetsotsa
 
Man geht stattdessen zu Fuss – morgens ist am Rande der Hauptstrasse immer das halbe Dorf unterwegs. Oder fährt auf einem Zebu-Karren mit („Le 4×4 malgache„), was nur unwesentlich schneller ist. Eine Fahrt im Taxi Brousse (einem bis unter und über die Decke vollgepackten japanischen Kleinbus, Mazda scheint sehr beliebt zu sein) können sich nur wenige leisten. Vielleicht spart man auf ein Velo, stark gebrauchte seien ab 15 Franken zu haben. 
 
Die günstigste Variante, diese Isolation zu durchbrechen, ist deshalb das Handy. Die billigsten Modelle gibt es schon ab 5 Franken. Auch wenn man sich damit natürlich nicht fortbewegen kann: Das Gerät macht es möglich, mit Bekannten Kontakt zu halten, die in die Stadt gezogen sind, oder Informationen zu erhalten, was ausserhalb der zwei, drei Dörfer passiert, die man zu Fuss erreicht (mehr dazu: Mandroso: Informationen per Mobiltelefon).
 
Mora Mora in Anakao
 
Quellen:
Madagascar (Wikipedia)
The price of rice in Madagascar (International Rice Research Institute)
National Rice Development Strategies (Coalition for African Rice Development CARD)
 
Diese ergänzenden Posts zur kommenden Reportage „IT in Madagaskar“ sind alle hier gesammelt: Tag Madagascar.

 

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