Games und der Generationenkonflikt

Wann immer wir darüber diskutieren, ob Games süchtig machen, oder zu Gewalt verleiten, oder generell unsere Jugend verblöden, fällt bald das Argument des Generationenkonflikts: Die Kritiker des Mediums seien alt, die Spieler seien jung, und diese beiden Generationen könnten sich nicht verstehen. Games werden als Jugendkultur begriffen und sind deshalb automatisch auf Kollisionskurs mit denen, die schon immer Mühe mit jeder Jugendkultur hatten: Lehrer, Politikerinnen, Eltern.

Raddude

Diese Beschreibung mag in den 80ern noch zutreffend gewesen sein. Die Atari– und Nintendo-Konsolen und der C64 eroberten die Kinderzimmer – viele Eltern mussten wohl eher widerwillig dem Drängen der euphorisierten Kinder nachgeben und handelten sich neue Erziehungsprobleme ein („Nein, erst die Hausaufgaben, dann erst Super Mario!“).

Doch die Gamer von damals sind heute erwachsen und viele spielen immer noch. Games sind schon lange kein Hobby mehr ausschliesslich für Kinder. Die durchschnittlichen Gamer sind heute 30 Jahre alt; das Segment der Gamer-Population, das am schnellsten wächst, ist das der Frauen über 50. Wenn das also ein Konflikt zwischen Gamern und Nicht-Gamer ist, dann verläuft die Trennlinie keinesfalls zwischen Generationen.

Natürlich weiss die Industrie sehr genau, was junge Männer in oder kurz nach der Pubertät cool finden und produziert entsprechend. Trotzdem sind Inhalte, Spielkonzepte und damit Publikum im letzten Jahrzehnt so vielfältig geworden, dass die Reduktion auf einen Generationenkonflikt zu kurz greift. Tatsache ist: Es gibt in jeder Generation Spieler und Nicht-Spieler.

He_who_has_no_life

Die Angehörigkeit zu einer Generation allein kann deshalb nicht erklären, warum Nicht-Spieler dem Medium Games oft nicht nur mit Unverständnis oder Desinteresse, sondern auch einer gewissen Verachtung begegnen. Ich vermute, dass diese Nicht-Spieler nicht nur mit dem neuen Medium Mühe haben, sondern Spielen ganz grundsätzlich problematisch finden.

Denn Spielen ist, so definiert das schon Huizinga, nicht das richtige Leben. Es sei davon örtlich und zeitlich klar abgegrenzt, mit neuen Regeln. Und es dürfe keinen direkten Nutzen haben. Das widerspricht den Vorstellungen vieler Erwachsener (sogar Sport, ein klassisches Beispiel institutionalisierten Spielens, wird als Mittel z.B. persönlicher körperlicher Ertüchtigung oder Wirtschaftsförderung durch Profisport gesehen).

Deshalb hält sich auch das Vorurteil so hartnäckig, Games seien etwas für Kinder – obwohl das statistisch schon lange widerlegt ist. Völlig zielloses Spielen mag für Kinder und Jugendliche noch erlaubt sein. Sobald man sich aber dem Ernst des Lebens stellen und selber Verantwortung übernehmen muss, gibt es für Spiel keinen Platz mehr – Zeitverschwendung.

Man lässt sich weder von den Ludologen beeindrucken, die Spiel als Voraussetzung für Kreativität und damit am Ursprung jeder Kultur sehen, noch vom Umstand, dass natürlich auch akzeptierte Unterhaltungsformen wie Musik und Film keinen direkten Nutzen erbringen. Und schliesslich versucht man absurderweise, Games von älteren Spielformen wie Schach oder Jassen abzugrenzen.

Wenn es hier also überhaupt einen Generationenkonflikt gibt, dann zwischen älteren Kultur- und Spielformen und dem jungen Medium Games.
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7 Gedanken zu “Games und der Generationenkonflikt

  1. Herr Berger, Sie hätten das Thema nicht anschneiden sollen. Es kommt eine Teufelswut auf in mir angesichts solcher kreativitätstötenden Leute! Wenn es nur noch solche gäbe, wäre das Leben wertlos. Es sind dieselben Leute, die sagen, Peach Webers Humor sei weniger wichtig als Viktor Giacobbos – nur weil sie sich beim Anhören von Giacobbos Frotzeleien so sehr intelligent fühlen können. Wenn es nach denen ginge, gäbe es nur noch klassische Musik und Goethe, dabei kennen sie sich in Tat und Wahrheit selber nicht einmal damit aus. Kultur generell empfinden sie als anstregend, lesen auch keine Zeitschrift, und denken nicht über die condition humana nach, sondern nur an den nächsten Schluck.Ein solcher entfernter Ex-Schulkollege von mir ist nicht mehr Jungfrau, sondern bereits verheiratet und hat ein Kind. Ein Geschäft hat er auch bereits, und das wichtigste ist: Er ist erwachsen und spielt nicht mehr (Darum ist er auch längst nicht mehr mit mir befreundet). Aber soll das jetzt das Leben gewesen sein? Was macht er mit den restlichen 50, 60 Jahren? Kurzum: Wenn man nur noch das tun würde, was in den Augen dieser Leute "sinnvoll" ist (also das elementar Nötigste), dann könnte man sich gleich die Kugel geben. Das Leben braucht Kultur, dazu gehören Spiele sehr wohl! Kultur ist auch mehr als Zeitvertreib. Sie ist mit ihrer luziden Klarheit vor allem ein Trost über die absurde Situation des Menschseins hinweg. Wenn einem allerdings diese Lage nicht bewusst ist, braucht man offenbar keinen Trost.Das sind die gleichen Persönlichkeiten, die schwerfällige Briefe schreiben mit unzähligen Nominalkonstruktionen und indirekten Sätzen – schwülstig muss es sein, dann ist es gut…Es sind Neobünzlis, wie Linus Reichlin sie perfekt charakterisierte:http://deaddodo.org/ugugu/Text_%22Der_Spiesser_-_ein_alter_Kampfbegriff,_neu_definiert%22_(Linus_Reichlin)Genauer kann man diese Leute eigentlich nicht beschreiben! Aber ich versuche es trotzdem:Es sind dieselben Leute, die die Simpsons hassen, und nicht wissen "was daran lustig sein soll." Irgendwie kommt es mir vor, als würden diese Leute die Populärkultur als ein Entweihen und in-den-Dreck-ziehen ihrer unreflektierten Ideale ansehen, erst recht Comics und Videospiele. Ich könnte aber wetten: Viele der grossen Dichter hätten Videospiele oder das Fernsehen gemocht!! Nietzsche berichtet z.B. von "der ungeheuren Nötigung fern zu sehen" und Games hätten sicher Hermann Hesse gefallen, der mit Realitäten spielte wie mit Glasperlen. Er beschreibt im Übrigen diese Scheingebildeten ja im "Steppenwolf", er ist bei ihnen eingeladen und sie schmeissen ihn fast raus, weil er zu wenig Ehrfurcht vor einem süsslichen Goethe-Bildnis hat.Dabei braucht die Kultur so eine permanente Revolution und ein Hinterfragen, es muss immer aufgegriffen, variiert und erneuert werden, wir können nicht beim Alten Testament stehenbleiben! Kurz gesagt: Diese Art Bildungsbürger weiss nicht, woher die Kunst kommt, und wie schwierig die Schöpfung eines kulturellen Werks ist (auch eines Games). Auch der "Schwanensee" (und wie das alles heisst) ist nicht einfach vom Himmel gefallen. Ihnen kommt es nur darauf an, intelligent zu wirken, und plakativ Shakespeare oder so ins Bücherregal stellen zu können vor allen Leuten. Mit Games geht das halt (noch?) nicht.

  2. Ich bin 26 und habe einen NindendoDS, eine PS3 und einen PC mit Steam und voll mit Emulatoren vom NES, SNES, Amiga etc. und ein MacBook und freue mich schon auf den Nintendo 3DS und ich spiele Minecraft (shicegrafix ololol) und lese nebenbei Comics, liebe Katzen und treibe mich 4chan rum (feel’s good man), werde bald Vater und arbeite 100% und gehe gerne Joggen. Ich esse sehr gern ungesund, mag aber auch Gemüse und Bananen, ab und zu gönne ich mir auch ein Activia, auch wenn ich weiss, dass es nichts bringt. Ich liebe Starbucks, Tiefkühlpizzen und McDonalds, habe trotzdem einen BMI von 22.5. Ich trinke gerne Bier und habe einmal in einem Kiosk geklaut als ich 5 war. Ich höre Psy-Trance, Minimal-Techno und Beethoven, Bach und Helge Schneider u.v.m. und habe noch nie ein Buch von Heinrich Heine gelesen. Nebenbei habe ich Angst vor der Islamisierung, obwohl ich ganz genau weiss, dass das alles nur Quatsch ist. Genauso wie ich weiss, dass unter dem Bett keine Monster wohnen trotzdem aber nie drunter fasse.Zum Glück ingoriere ich diese Diskussionen zu 99%, weil ich mich dann immer frage in welches Kästchen ich nun gehöre. lol Penis xD ^^ :3 P.S. Dieser sinnfreie Beitrag represäntiert das eine Prozent.

  3. Hoi HarryIch wollte mit meinem Kommentar nur beweisen, dass es Leute gibt, die ein sich stetig wandelndes, neugieriges, komplexfreies Verhältnis zur Kultur haben, und auf der anderen Seite diejenigen Menschen, die halt eine fixe Vorstellung von Ästhetik und Ethik haben, und rein gar nichts dulden, was dagegen geht. Mir persönlich ist einfach erstere Personengruppe sympathischer, weil ich mich selber dazu zähle, aber ich wollte das nicht werten oder so, sondern einfach (überspitzt) charakterisieren, tut mir leid.

  4. Ach so! Nein! War nicht gegen dich gerichtet. Im Gegenteil ich las deinen Beitrag sehr gerne. Was ich eigentlich sagen wollte… Ja was wollte ich eigentlich sagen?Genau: "Gaming-Journalismus" ist für den After. Ausser dieser Blog natürlich.

  5. Warum ist Game-Journalismus (ausser diesem Blog natürlich) für den After? Würdest du das auf jede Form von Kultur-Journalismus beziehen? Falls ja, warum? Falls nein, was ist am Game-Journalismus anders?

  6. Nein, nicht für jede Form von Kultur-Journalismus. Aber der Game-Journalismus ist immer noch in den Kinderschuhen und macht keinen Anstalten diese auch zu verlassen. Ich lese sehr gerne hier, da man hier eine gelassene Ernsthaftigkeit feststellen kann und du auch weisst worüber du schreibst. Das ist längst nicht bei allen Profis so, geschweige denn vom Blick oder 20minuten. Ich lese die PC Action seit ich den Amiga habe und muss mit jeder Ausgabe feststellen, dass es doch noch schlechter geht: Die Artikel sind gespickt mit vorpubertären Witzen aus dem letzten Jahrzehnt und die Bildunterschirften waren vielleicht in den 80igern im MAD-Magazin lustig. Internetblogs die sich auf Konsolen spezialisiert haben kommen nicht aus dem Konsolenkrieg heraus. Gut die werden meisten ja auch nur als Hobby betrieben, trotzdem kommt jedesmal der Fremdscham hervor, wenn ich Artikel z.B. der Play3.de lese (gut bei meinen Kommentaren heir vielleicht auch bei dem einen oder anderen, aber meistens bin ich ja auch betrunken wenn ich hier schreibe). Meinungen und Geld anstelle von Fakten bescherrschen die Reviews, anders kann ich mir die Diskrepanz zwischen Leser- und Redaktionsreview auf Metacritic nicht erklären. Wobei ja gerade im Fall von Kane&Lynch ans Tageslicht kam, dass Redaktuere gekauft wurden.Was mir aber immer noch am meisten missfällt, sind wenn sich Politiker oder andere Gutmenschen meistens aus dem christlichen Lager sich über Internet oder eben Videospiele äussern. Immer, aber ohne Ausnhame werden Videospiele und Internet als der Untergang der Kultur und als Ursache für die Verrohung der Jugendlichen missbraucht, falls kein Computer aus der Luft gegriffen werden kann, sind es halt Pornos. Unwissenheit und blanke Lüge. Bestenfalls auf Blickleserbriefniveau wird über das Thema geschrieben. Was mich am meisten aufregt ist, dass dieses Schema seit Jahren funktioniert.

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