Joe Danger Jumps The Shark

Wer wollte nicht schon mal im Glitteranzug auf dem Motorrad über einen Pool voller Haifische springen? Joe Danger kitzelt den Evel Knievel in uns. Ein Spiel über einen Stuntman, der nach einer Verletzungspause ein Comeback startet – und wer liebt nicht eine gute Comeback-Geschichte?

Stadium

Joe Danger ist im charmanten Comic-Look gestaltet und hat einen charmanten Hintergrund: Lediglich vier Mann sind im Team von Hello Games (allerdings mit beeindruckenden Referenzen: Burnout, Black, Geometry Wars, Virtua Tennis). Die vier haben ein amüsantes und poliertes Spiel abgeliefert, dem man den Spass anmerkt, den die Entwickler damit hatten.

Auf den ersten Blick erinnert Joe Danger stark an Trials HD, das ich sehr gemocht habe. Wie in Trials fahren wir mit Joe von links nach rechts durch einen Hindernis-Parcours. Wie in Trials sind die ersten Levels einfach, werden mit der Zeit aber richtig knifflig. Und wie Trials hat auch Joe Danger begriffen, dass ein Reset blitzschnell sein muss, um von vorne zu beginnen und es noch einmal zu versuchen.

Bigjump

Wie in Trials HD wird auch in Joe Danger das Scheitern versüsst: Wenn wir nicht weit genug springen, oder an einer Hürde hängen bleiben, oder in ein Haifisch-Becken fallen, haben wir zwar den Level nicht geschafft, werden aber belohnt, weil es den armen Joe ganz fürchterlich zusammenfaltet. Schadenfreude ist die schönste Freude, da muss Joe einfach durch. Hart im nehmen ist er ja, ein Knopfdruck, und er steht wieder bereit und wagt einen neuen Versuch.

Bei einem zweiten Blick zeigen sich aber auch Unterschiede zu Trials HD. Schon bald gibt Joe Danger den Charakter des Stunt-Spieles auf und wird eher zu einem Jump & Run. Es geht um mehr als einfach Anlauf zu holen und möglichst schnell durch einen Looping zu brausen und über möglichst viele Busse zu springen. Wir können auch blaue Sterne und gelbe Münzen (Woher kommt uns das bloss bekannt vor…) einsammeln, präzise auf Zielscheiben landen oder durch die Buchstaben D-A-N-G-E-R fahren (was mit einem sehr schönen „Danger!“-Klang belohnt wird). All diese Zusatzaufgaben können wir nur erledigen, wenn wir auch mal langsam oder sogar rückwärts fahren, was mit einem Stunt im engeren Sinn eigentlich nichts mehr zu tun hat.

Sharktank

Ich halte das aber genau für den richtigen Design-Entscheid. Statt sich streng an der gewählten Geschichte festzuklammern, achtet das Spiel darauf, was Spass macht. Und schnelle, weite Sprünge nutzen sich halt irgendwann ab. Das Spiel lockert hier geschickt auf und verlangt von uns, jeden Level neu anzugehen.

Im Unterschied zu Trials HD geht es in Joe Danger nicht nur darum, möglichst schnell alle Hindernisse zu bewältigen. Wir erhalten mehr Punkte, wenn wir auf dem Hinterrad fahren, beim Sprung den Lenker loslassen und ins Publikum winken, oder uns über zehn Pickup-Trucks auch noch überschlagen. Schliesslich soll ein Stuntman eine gute Show bieten. Am Schluss eines Levels werden uns immer auch gleich die Punkte unserer Freunde angezeigt, um uns zu besseren Leistungen anzustacheln.

Race2

Die Konsequenz dieser Möglichkeiten ist allerdings eine recht komplexe Steuerung. In Trials HD geht es nur um Balance, Gas und Bremse. In Joe Danger kommen noch Springen, Winken, Gegner boxen, Ducken und Boosten dazu. Besonders zu Beginn kann das etwas überwältigend sein.

Ebenfalls Mühe hatte ich mit dem Ablauf. Wie immer in solchen Spielen schalten wir neue Levels frei. Hier merken wir aber nach der Belohnung „Du hast Level xy freigeschaltet!“, dass wir zusätzlich noch die Startberechtigung für den Level mit eingesammelten Sternen kaufen müssen, dass wir den Level also noch ein zweites Mal freischalten müssen, um ihn dann wirklich spielen zu können. Das ist unnötig kompliziert.

Moley

Dass wir auch eigene Levels basteln können, ist zwar schön. Doch habe ich mich in dem Editor etwas zu stark eingeschränkt gefühlt – z.B. ist die Anzahl verwendeter Objekte beschränkt, Objekte haben eine fixe Grösse, und wir haben keinen Zoom, um den gebastelten Level zu überblicken, was manchmal die präzise Platzierung von grossen Objekten wie Looping-Rampen erschwert; und die Speicherlogik oder wie ich eine Ziellinie mache, habe ich erst begriffen, als ich danach gegoogelt habe. Trotzdem kann man sich hier lange austoben und den armen Joe möglichst kreativ leiden lassen. Schade ist wiederum, dass man diese Levels nur mit Freunden austauschen kann.

Das hätte aber wohl alles ein grösseres Team erfordert. Hello Games hat sich hier ganz offensichtlich zusammengerissen und sich auf weniger Funktionen beschränkt, die dann aber sauber ausgearbeitet. Die Grundmechanik des Spiels und die Steuerung sind hervorragend gelungen, wir haben sofort ein gutes Gefühl für das Motorrad, wenn ein Sprung zu kurz gerät, wissen wir auch gleich, warum. 

Stadiumtrick

Joe Danger weiss, was es ist, und will nicht mehr sein. Ein Motorrad, ein Stunt
man und die komplette Verachtung von Konsequenz und Vernunft – mehr braucht es nicht, um Spass zu haben. Rod Kimble in dem sehr sehenswerten „Hot Rod“ formuliert es so: „Who wants to see me do a big-ass stunt?“ Wir wollen! Und Joe Danger befriedigt genau diesen Reflex.

„Joe Danger“ ist ein Download-Titel für die Playstation 3, für 22.- auf dem PSN (finde ich etwas zu viel; das hat aber mehr mit der „Euro-Steuer“ zu tun, die wir offenbar immer zahlen müssen; die 15 Dollar oder 10 Pfund, die das Spiel in den USA resp. in Grossbritannien kostet, wären genau richtig gewesen). Es ist laut PEGI ab 3 freigegeben. Das Haikiew ist hier.

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