Arnold v. Kontext

Erst wollte ich mich ja lustig machen.

Denn im Film „Commando“ wütet Arnold Schwarzenegger noch gnadenlos herum, nun wird er aber am 2. November als Governor von California vor dem Supreme Court die Position seines Staates vertreten.

Kalifornien hat nämlich 2005 ein Gesetz von Leland Yee verabschiedet, das den Verkauf von Spielen mit Gewalt-Inhalten (mit dem Rating M) an unter 18-Jährige verbietet. Das Gesetz trat nie in Kraft, weil es ein Bundesrichter als verfassungswidrig einstufte – und genau das soll jetzt vor dem Supreme Court endgültig entschieden werden. Während in der Schweiz ja ähnliche Gesetze in Arbeit sind und Deutschland schon länger ein entsprechendes Gesetz kennt, ist man in den USA generell radikaler in der Auslegung der „Free Speech“ – und Gewalt als Inhalt wurde bis jetzt vom Supreme Court noch nie als Grund zugelassen, die Verbreitung von „Speech“ in irgendeiner Weise einzuschränken.

Schwarzenegger wird also dem Supreme Court erklären müssen, warum für Games eine Beschränkung gelten soll, die für den obigen Ausschnitt nicht gilt.

Schwarzenegger und Stallone in der Rambo-Reihe balgten sich Mitte 80er um den Titel, wer mehr Tote in seinem Blockbuster aufstapeln kann. In Deutschland z.B. wurde „Commando“ indiziert (wie das in der Schweiz war, weiss ich nicht, auf jeden Fall kantonal unterschiedlich und wenn überhaupt eingeschränkt, dann vermutlich ab 16). Und wenn man sich diesen Zusammenschnitt des sinnlosen Mordens da oben ansieht, kann man das wohl nachvollziehen. 

Doch unabhängig von der Diskussion, ob man eine solche Einschränkung entweder grundsätzlich oder zumindest für Kinder richtig oder falsch findet: Was mir besonders auffällt, ist die veränderte Wirkung des Zusammenschnitts. Denn wenn man diese Szenen einfach so ohne jeglichen Kontext aneinanderreiht, wirken sie deutlich schockierender und gewaltverherrlichender als innerhalb der Geschichte, die der Film erzählt.

Genau diesen Effekt konnte man beobachten, als der Ständerat die beiden Verbots-Motionen zu Gewalt-Spielen in der Schweiz annahm. Es wurde zwar versucht, dem Argument zuvorzukommen, man verstehe nichts von der Materie: „Es wird sogar gesagt, diese älteren Damen und Herren wüssten halt nicht damit umzugehen, deshalb seien sie dagegen. Dazu muss ich Ihnen sagen: Das ist nicht eine Frage des Alters!“ (Bürgi Hermann, Thurgau, SVP).

Doch hier trafen die Ständeräte genau einen solchen Nichtspieler-Bauchentscheid. Sie sehen sich Games nur an, bekommen sie auf Video vorgeführt oder schauen jemandem über die Schulter, mit schon auf Vorrat besorgtem Blick. Und natürlich sehen sie schockierende Bilder, halten diese für gefährlich und wollen „Schranken setzen„. Sie erfahren das Spiel nicht selbst, sie sehen nur Ausschnitte, keinerlei Kontext und haben deshalb schlicht eine grob verzerrte Wahrnehmung des Mediums (und missachten ausserdem die aktuelle Forschung zur Medienwirkung völlig, aber das ist ein anderes Thema).

Von denjenigen, die einen Film verbieten wollen, könnte man zumindest erwarten, dass sie mehr als einen Zusammenschnitt der schlimmsten Szenen gesehen haben. Warum dieser Erwartung bei Games nicht entsprochen werden soll, ist mir schleierhaft.
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