Medal of Honor: Respekt und Pseudorealismus

Respekt und Authentizität. Mit diesen Grundwerten habe sich das Studio Danger Close an die Entwicklung der neusten Version von Medal of Honor gemacht, sagt Produzent Greg Goodrich in diesem Interview. Und nicht nur er, und nicht nur bei dieser Gelegenheit. Die ganze PR im Vorfeld drehte sich immer um diese Vorgabe: Man wolle zeigen, was die Soldaten im Feld wirklich leisten. Um den Soldaten Respekt zu erweisen, sei präziser Realismus notwendig.

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Medal of Honor ist im Shahi-Kot-Tal im Osten Afghanistans angesiedelt, in dem 2002 echte Kampfhandlungen stattgefunden haben. Im Einzelspieler-Modus übernehmen wir verschiedene Soldaten in amerikanischen Spezialeinheiten und bekämpfen die im Tal stationierten Taliban, die von al-Kaida oder tschetschenischen Söldnern unterstützt werden. Im Mehrspieler-Modus übernimmt man abwechslungsweise eine Runde lang einen Soldaten der Koalitionstruppen und dann einen der Taliban.

Dass man in die Rolle eines Taliban-Kämpfers schlüpfen kann, hat im Vorfeld für viel Wirbel gesorgt. Der US-amerikanische Army & Air Force Exchange Service will das Spiel nicht in Läden auf amerikanischen Militärbasen verkaufen. Der britische Verteidigungsminister Liam Fox äusserte sich zum Spiel (laut Regierung aber lediglich eine „persönliche Meinung“): „[It is] shocking that someone would think it acceptable to recreate the acts of the Taliban against British soldiers. […] It’s hard to believe any citizen of our country would wish to buy such a thoroughly un-British game. I would urge retailers to show their support for our armed forces and ban this tasteless product.

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Herausgeber Electronic Arts reagierte auf die Kritik zunächst mit dem kleinlichen Hinweis, es seien gar keine Briten im Spiel, und später, indem man die Bezeichnung der Mehrspieler-Fraktion von „Taliban“ in „Opposing Force“ änderte (alles andere im Spiel bleibt gleich). Am Verkaufserfolg rüttelte aber weder die Kontroverse noch die Änderung: Medal of Honor führt die Hitparaden sowohl in den USA als auch in Grossbritannien an.

Doch Medal of Honor ist eine verpasste Chance. Vor lauter Respekt verschanzt man sich hinter Pseudorealismus. Man konzentriert sich auf korrekten Jargon und präzise nachgebildete Waffen – und vergisst, eine in irgendeiner  Weise emotional berührende Geschichte zu erzählen.

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Zunächst jedoch zur Taliban-Frage. Die Kritik des Verteidigungsministers ist durchaus nachvollziehbar. Sie offenbart aber nicht nur wenig Kenntnis des Mediums, sondern auch eine Prise Heuchelei. Denn die Medal-of-Honor-Franchise spielte bis jetzt immer im Zweiten Weltkrieg, und in jeder Mehrspieler-Variante war es möglich, jeweils die Gegenseite zu übernehmen – also einen Soldat der Achsenmächte zu spielen. In Deutschland wurde die Verwendung von Hakenkreuzen heftig debattiert (weil die Verwendung von Nazisymbolen strafrechtlich verboten und nur z.B. im Zusammenhang mit Geschichtsdokumentation oder Kunst erlaubt ist). In Grossbritannien störte man sich daran nicht, der Zweite Weltkrieg ist offenbar weit weg genug. 

Ausserdem sind die Taliban ein Monster, das mit tatkräftiger Unterstützung des Westens entstand. Es war zwar der pakistanische Geheimdienst, der in den 80er-Jahren zunächst die Mudschahidin und später die Taliban unterstützte und gezielt radikale Islamisten für den Kampf gegen die Sowjetunion rekrutierte. Aber Waffen und Geld kamen aus den USA. Ein Verteidigungsminister, der der eigenen Bevölkerung erklären muss, warum in Afghanistan britische Soldaten sterben, erinnert lieber nicht an solche komplexen Zusammenhänge, sondern lässt stattdessen publikumswirksam dem Bauchgefühl der persönlicher Empörung freien Lauf.

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Ob das Spiel eine Grenze überschreitet, ist aber weniger eine politische, sondern vor allem eine persönliche Frage. Denn es geht nicht um den Urgrossvater, der vor 65 Jahren in Frankreich lag und mittlerweile viel Zeit hatte, zu lernen, mit diesem Trauma umzugehen – sondern um Eltern, die sich heute Sorgen um das Wohlergehen ihrer Söhne und Töchter machen. Die Problematik des Themas entsteht nicht daraus, wer welche Fraktion spielen kann, sondern dass es sich um einen Konflikt handelt, der noch nicht vorbei ist.

Dass sich Populärkultur mit aktuellen Konflikten befassen darf, steht für mich trotzdem ausser Frage. Das Thema ist relevant, weil es uns alle beschäftigt und betrifft. In den 50er-Jahren gab es eine wahre Flut von Filmen, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg befassten. Und seit ein paar Jahren wird der Irakkrieg immer wieder aufgegriffen, zuletzt z.B. im Oskar-gekrönten „The Hurt Locker„.

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Doch während dieser Film ein feinfühliges Portrait eines Elite-Soldaten zeichnet, der nur noch unter den Extrembedingungen eines Bomben-Entschärfers in akuter Lebensgefahr zurecht kommt, scheut „Medal of Honor“ vor derlei emotionalem Tiefgang zurück.

In der Einzelspieler-Kampagne wird eine simple Militärgeschichte erzählt: Die Späher am Boden melden Probleme, die vom arroganten General ignoriert werden. Der Sesselfurzer schickt stattdessen Bodentruppen los, die prompt in einen Hinterhalt geraten und von unseren Helden rausgehauen werden müssen.

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Diese Geschichte könnte in jedem Krieg stattfinden. Die Berge Afghanistans sind zwar überzeugend abgebildet – doch sie sind nicht mehr als Kulisse. Denn die Figuren, in die wir schlüpfen, bleiben blass. Sie tragen Paschtunen-Tracht, haben coole Namen wie „Dusty“, „Deuce“ und „Preacher“. Sie erledigen kaltblütig ihren Job, und der ist es, auf höchstem militärischen Niveau Taliban- und Kaida-Kämpfer umzulegen. Da ist kein Trauma sichtbar, Konflikte wie in „Hurt Locker“ werden nicht einmal angedeutet. Nicht das kleinste Quentchen Persönlichkeit – so kann keine Verbindung zu den Figuren entstehen.

Diese Farblosigkeit ist eine direkte Folge der Beschäftigung mit einem laufenden Konflikt. Das Spiel versteift sich auf einen pingeligen Pseudorealismus. Waffen, Fahrzeuge, Uniformen, Berghütten werden so exakt wie möglich abgebildet. „Medal of Honor“ schwelgt, beraten von Ex-Militärs, im Jargon: Funksprüche sind gespickt mit Ausdrücken wie „Danger Close“ (wie sich auch die Entwickler selber nennen), „Delta Hotel“ (Direct Hit, Volltreffer) oder „maintain noise discipline“ statt „Seid still!“.

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Doch das Spiel versteckt sich hinter diesem Realismus. Die Macher haben spürbar Angst, den echten Soldaten im Feld nicht genug Respekt entgegen zu bringen. Damit läuft Medal of Honor in die Falle der selbstauferlegten Beschränkung. Das Spiel ist, wie die 2.-Weltkriegs-Filme mit John Wayne, eine reine Heldenverehrung. Es blendet Emotionen, menschliche Unzulänglichkeiten oder moralische Graubereiche komplett aus. Stattdessen sehen wir Professionals, die ohne Murren einen richtig schwierigen Job erledigen. Das ist zwar gute Armee-Promo, aber erzählerisch uninteressant.

Unter diesem Gesichtspunkt kann man deshalb durchaus sagen, dass Medal of Honor zu früh kommt. Nicht aus Prinzip, sondern weil es zu diesem Zeitpunkt viel mehr Mut gebraucht hätte, sich wirklich mit den Auswirkungen des Afghanistan-Konflikts zu befassen. Stattdessen hat man dieser Geschichte so lange die Kanten abgeschliffen, bis nur noch Waffen- und Jargon-Fetischismus übrig blieb.

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Dazu kommt, dass Medal of Honor auch als Spiel nicht überzeugen kann. Die Einzelspieler-Kampagne leidet unter veralteter Technik. Die künstliche Intelligenz der computergesteuerten Gegner ist schlicht nicht vorhanden. Wir bekommen uralte Shooter-Klischees zu sehen: Ein Gegner rennt aus einer Türe und versteckt sich hinter einer Kiste, wo er dann in schön gleichmässigen Abständen den Kopf an immer der gleichen Stelle hochhält und darauf wartet, bis wir ihn treffen. Im direkten Vergleich mit Halo Reach wirkt das geradezu lächerlich.

Das Spiel nimmt konstant an der Hand, vergisst aber manchmal selber, dass es jetzt wieder dran wäre. Ich stand öfters vor einer verschlossenen Türe und musste darauf warten, dass dem computergesteuerten Kollegen einfiel, dass er sie öffnen sollte. Oder suchte den kleinen Fleck am Boden, auf den man sich stellen muss, damit die nächste Sequenz losgeht. Nur selten kann man eine Türe selber öffnen, was besonders irritiert, wenn man vor einer Türe hin- und her rennt, um dem Spiel klarzumachen, dass man jetzt gerne weitermachen würde. John Walker fasst das Gefühl so zusammen: „Only occasionally did I feel like I was playing the game. Medal Of Honor is about chasing after one to three other soldiers who all seem to have a lot more fun than you.

Besonders peinlich war eine Szene, als einer meiner Kollegen („Preacher“) an einer schienbeinhohen Kiste hängen blieb und das Spiel darauf wartete, dass eben dieser Preacher eine Türe öffnen würde. Weil sich die Holzkiste auch unter Beschuss als äusserst robust erwies, musste ich dem armen Preacher in die Beine schiessen, um ihm zu zeigen, dass er um die Kiste herumgehen kann. Auch wenn es mir bisher gelungen sein sollte, eine emotionale Bindung zu diesem Soldaten aufzubauen, dann wäre die nun wieder kaputt gewesen.

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Ein Promo-Video für Medal of Honor liess anonymisierte Männer auftreten, die angeblich als Special Forces in Afghanistan im Einsatz gewesen sein sollen und Sätze sagen wie „I wish that the public in general could have an understanding what these guys do. Not just what they do operationally, but what they sacrifice for years and years to be the guy that is at the tip of the spear.“ und „We can help them understand what is going on over there.“ Diesen vollmundig angekündigten Anspruch löst Medal of Honor nicht einmal ansatzweise ein. Ich kann nachvollziehen, dass ein Soldat möchte, dass wir verstehen, was er erlebt hat. Dass dabei lediglich dieses Spiel herauskam, ist tragisch.

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Der Ex-Marine Benjamin Busch erinnert in einem lesenswerten Essay („Why A Video Game Does Not A Soldier Make„) daran, dass ein Spiel niemals die Realität eines Krieges abbilden kann: „The power of controlling your situation, to be able to stop the war and rest, is something that our soldiers are quietly desperate for. […] A video game can produce no wounds and take no friends away. […P]laying war in any medium is not combat, and for a gamer, it’s not even political. It’s just sedentary adventurism in need of a subject.

Das würde ich nicht in dieser Absolutheit formulieren, weil ich zumindest im Grundsatz glaube, dass es möglich ist, im Medium Game eine Geschichte zu erzählen, die uns die Erfahrungen eines Soldaten zumindest im Ansatz nachvollziehbar machen. Medal of Honor ist aber nicht dieses Game.

Medal of Honor gibt es für PC, Xbox360 und Playstation 3. PEGI ab 18. In Deutschland wurde im Einzelspieler-Modus die grafische Darstellung von Treffern entschärft, die in der Schweiz verkaufte Version ist unverändert.

Den Mehrspieler-Modus habe ich nur kurz angespielt, das ist eigentlich ein komplett separates Spiel: Andere Entwickler (DICE statt Danger Close), andere Technologie (Frostbite statt Unreal Engine 3). Mein Eindruck: Ziemlich genau zwischen dem Run & Gun von Modern Warfare und der Taktik von Battlefield, also sozusagen der Versuch von DICE, ihr Battlefield schneller und massentauglicher zu machen. Etwas unausgegoren.

6 Gedanken zu “Medal of Honor: Respekt und Pseudorealismus

  1. Ich bin nicht ganz deiner Meinung, so schlecht wie du das darstellst, ist es doch bei Weitem nicht.Klar die Kampagne ist ein wenig kurz geraten, aber die Missionen, die man spielen kann, sind doch wirklich gut gemacht. Mir hat die Kampagne sehr gefallen, ich konnte mich auch in gewisse Situationen der Soldaten hineinversetzen. Du sagst, dass du manchmal vor verschlossener Tür standst, das habe ich auch festgestellt, doch das wird schon seinen Grund haben. Wenn du in einem Trupp unterwegs bist, gibt es gewisse Regeln und so wie ich das sehe, ist der Spieler nicht der Anführer des Trupps, sondern der KI gesteuerte Spieler wie z.B."Mother".Da kannst du nicht einfach Türen einbrechen, ohne dass dein Partner dir den Befehl dazu gibt oder bereit ist. (Wenn Du das Spiel auf der höchsten Schwierigkeitsstufe durchspielst, wirst du merken, dass es manchmal noch von Vorteil sein kann, wenn deine Kameraden auch bereit sind.  )Auch im Tier 1 Modus ist es nicht von Vorteil, wenn du zu schnell voran gehst.Ich bin der Meinung, dass es nicht Ziel des Spiels sein kann, die ganze Mission im Alleingang zu lösen und die Sealtruppe nur hinterher hinkt, oder? Wenn man das auf die Realität überträgt, macht es sehr wohl Sinn, dass man sich langsam vorankämpft. Ich denke keiner ist "Rambo" und rennt durch die Strassen, wenn Kugeln am Kopf vorbeifliegen.Klar es sollte nicht sein, dass der KI erst dann geht, wenn du ihm ins Bein schiesst.Zu der Geschichte und zum Inhalt:Meiner Meinung nach ist ja eine Geschichte integriert, Soldaten, die rausgeschickt werden mit falschen und/oder schlechten Informationen. Aus Gründen, weil ein General das Gefühl hat, er wisse es besser als die Kampftruppe vor Ort. Was bei solchen Aktionen passieren kann, wird eindrücklich gezeigt. Klar es hat keine Liebesgeschichte integriert, doch die will ja eh keiner. Du hast noch geschrieben, dass es die Realität nicht treffen würde. Ich denke einfach, dass dem Spiel auch Grenzen gesetzt sind, schlussendlich ist es ein Spiel und nicht die Realität.Was mit den Soldaten passiert, was sie für Krankheiten nach Hause bringen oder was mit Ihrer Psyche geschieht, kann man nun wirklich nicht in einem Spiel integrieren. Das ist jedenfalls meine Meinung. Kommen wir zum Pseudorealismus. Warum wird denn ein Spiel zensiert? Warum müssen die Hersteller gewisse Szenen löschen oder dürfen sie nicht veröffentlichen?Wir stellen so hohe Anforderungen. Es muss möglichst realistisch sein, aber warum spielen wir denn so unrealistisch? Warum versuchen wir, ganze Armeen im Alleingang zu bekämpfen? Man kann nicht so unrealistisch spielen und am Ende vom Spiel über Pseudorealismus sprechen.Ich habe Battlefield/CoD/MoH alle einmal gespielt und ich finde wirklich, dass MoH ein sehr sehr gutes Spiel ist. Ich konnte mich in diese Soldaten reinversetzen, was ich bei BadCompany2 und MW1/2 nicht konnte.Ich hoffe auf weitere Kommentare.Mit freundlichen Grüssen Mario

  2. Ich finde folgender Satz sagt fast alles über das Gameplay: "Medal Of Honor is about chasing after one to three other soldiers who all seem to have a lot more fun than you." Die Szene mit der Holzkiste erinnert an die 90er… da scheinen die Entwickler noch nicht sehr viel weiter gekommen zu sein.

  3. @Mario: Mit der Pseudorealität meine ich, dass die Entwickler einen Teil des Krieges (Berge, Waffen, Uniformen, Fahrzeuge) sehr real abbilden, einen anderen Teil aber völlig ausblenden, z.B. die emotionale Wirkung auf die Soldaten. Sie wählen den einfacheren Weg und bilden einfach präzise Dinge ab. Und damit werden sie ihrem eigenen Anspruch nicht gerecht: Dass wir verstehen sollen, wie es ist, da Soldat zu sein. Also ob es reichen würde, einfach die richtigen Kleider anzuziehen, und schon wüsste man Bescheid.Wie du bin ich auch nicht sicher, ob dieser Anspruch richtig ist, da setzt man sich die Latte sehr hoch. Andererseits ist das evtl. gerade in einem aktuellen Konflikt eben nötig.Im Gegensatz zu dir glaube ich aber schon, dass man mehr Emotion im Spiel hätte unterbringen können, ohne gleich das Shooter-Genre zu verlassen und ein Heavy Rain hinzulegen. Die Schlussszene von Halo Reach z.B. hatte für mich sehr viel emotionale Tiefe (und das, obwohl die Geschichte davor recht plump war), gerade, weil man sich selber wehren muss, selber erkennen muss, dass die Lage aussichtslos ist und sich selber ins Schicksal fügt, das von Anfang an besiegelt war. So etwas in der Art hätte ich in MoH gerne gesehen.Mir geht es nicht um eine komplett reale Abbildung der Kriegserfahrung, das ist ohne Zweifel unmöglich und auch nicht erstrebenswert. Aber ich habe von dem Spiel eben eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Krieg in Afghanistan erwartet.

  4. Ah, und der Schluss (den ich natürlich nicht verrate) hat wenigstens Ansätze der Emotion drin, von der ich gerne mehr gehabt hätte. Aber: Schade, dass das nur in einer Cutscene kommt, und nicht In-Game (wie im Halo-Beispiel oben). Hier kommt zum fehlenden Mut noch fehlendes Vertrauen in die Stärken des Mediums dazu.

  5. "Aber ich habe von dem Spiel eben eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Krieg in Afghanistan erwartet." Genau das ist das Problem an MoH. Alles, was sich in Afghanistan bewegt, ist böse und gehört ausgemerzt, dieses Bild vermittelt «Medal of Honor». Der Spieler muss sich so über sein Tun keine lästigen Gedanken machen, sondern kann munter drauflosballern. Ein realer Krieg wird hier als pure Unterhaltung vermarktet. Und das finde ich doch ziemlich problematisch. M. E. – und da werden mir vielleicht viele widersprechen – hat "Modern Warfare" (beide Teile) zumindest versucht dem Wahnsinn des Krieges im Medium Videospiel mit Ernsthaftigkeit zu begegnen. Das sieht man u.a. daran wie der Plot konstruiert ist und dass das Spiel bewusst mit den Konventionen des Genres und den Erwartungshaltungen des Spielers bricht.

  6. @raffi: Ich nehme an, du sprichst den Satz an, den der Ranger-Trupp-Anführer sogar explizit ausspricht: "Keine Verbündeten hier, schiesst auf alles, was sich bewegt!"Ich dachte zu Beginn noch, dass etwas differenziert wird, weil immerhin zwischen guten Afghanen, den Taliban, Tschetschenen und der Kaida unterschieden wird. Normalerweise werden die immer alle in einen Topf geworfen: Turban = Islamist = Terrorist = Ziel. Allerdings reduziert sich diese Differenzierung dann einfach auf verschiedene Stärke-Klassen der Gegner: Die Tschetschenen haben die besseren Waffen und bewachen nur "wichtiges" (auch ein Zitat). In der Geschichte spielt die Unterscheidung gar keine Rolle.Einen spannenden Moment in diesem Zusammenhang war der Beginn einer Mission, als die Neptun-Einheit einen afghanischen Hirten betäubt, weil er sie sonst entdecken und ihre Position verraten würde. Die US-Spezialeinheiten werden hier als Truppe dargestellt, die Zivilisten schont, so gut es geht.Spannend daran ist, dass es tatsächlich genau in der Operation, auf der das Spiel basiert, eine Diskussion um exakt einen solchen Vorfall gab. Aber genau anders herum: Deutsche Spezialtruppen werfen den amerikanischen Schiesswütigkeit ohne Rücksicht auf zivile Verluste vor. Mehr hat <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Anaconda#Reverse_side_of_the_operation">die Wikipedia hier</a>.Wenn man also wirklich kritisch sein wollte, könnte man dem Spiel nicht nur mangelnde Tiefe, sondern sogar Geschichtsklitterung vorwerfen. Ich hab das im Review nur weggelassen, weil ich keine Möglichkeit habe, die Aussage der deutschen Soldaten zu verifizieren.

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