Für die Freaks: Minotron 2112

Das ist der zweite Teil eines Blumenstrausses mit iPhone-Games drin, und zwar der Teil, der eher Gamer mit einem recht spezifischen Geschmack ansprechen wird. Neulinge und die Masse lesen den ersten Teil.

Minotron 2112 ist das zweite Spiel des Minotaur Project, eine Spiel-Reihe des genialen britischen Game Designers Jeff Minter. Ich habe ihn schon beim ersten Spiel abgefeiert („Minotaur Rescue: Ein psychoaktiver Jeff Minter„) und auch Minotron 2112 hat mich begeistert.

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Nicht nur, weil es eine modernisierte Hommage an Minters Klassiker Llamatron ist. Es ist auch im Gegensatz zu Spielen wie Tiny Wings oder Land-a Panda wirklich innovativ.

Minter erklärt sich wie immer ausführlich selbst, z.B. hier in seinem Blog: „I have been a busy ox. Again.“ Und Minotron 2112 ist wie immer unverkennbar ein Jeff-Minter-Spiel: Die Grafik ist total retro und es ist im Kern ein schneller Shooter mit einer sehr cleveren Steuerung.

In Minotron 2112 löst Jeff Minter ein Problem, dass viele Shooter auf dem iPhone haben: Dass man sie mit zwei Fingern bedienen muss, und deshalb zwei Finger auf dem Touchscreen viel der sichtbaren Fläche verdecken. Ein Finger steuert die Bewegung der Spielfigur, der andere die Richtung, in die sie zielt. Bei den meisten anderen Spielen sind diese Funktionen fest einem Finger zugeordnet, und die Finger haben einen fest zugeteilten Platz auf dem Bildschirm.

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Das ist eigentlich eine sehr unoriginelle Lösung: Denn es wird einfach ein herkömmlicher Konsolen-Kontroller vorgetäuscht, man tut so, als hätte man eigentlich zwei Analogsticks und steuere das Spiel genau so, wie man es auch auf einer Konsole steuern würde.

Wie schon in Minotaur Rescue befreit Jeff Minter die Finger: Die können irgendwo auf dem Screen hingehalten werden. Damit kann Minter den ganzen Screen für die Darstellung der Action nutzen – und wenn sich die Action unter den Finger verlagert, kann man den einfach woanders hinhalten.

In Minotron kommt nun der zweite Finger ins Spiel. Auch den kann man hin halten, wo man will. Besonders gut ist, dass man nicht immer hinhalten muss – der zweite Finger ist zum Zielen, und man greift nur kurz ein, um die Zielrichtung zu verändern, danach kann man den Finger wieder ganz vom Bildschirm nehmen. Das Spiel denkt mit: Die erste Berührung wird automatisch als der Finger erkannt, der die Spielfigur bewegt; die zweite Berührung wird dann als Ziel-Finger interpretiert. Damit ist das Spiel auch komplett identisch zu bedienen für Links- und Rechtshänder – wenn man will (oder weil es die Action verlangt) kann man sogar mitten im Spiel die Zuteilung von rechtem und linkem Finger verändern.

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Das ist genau das, was ich so an Jeff Minter bewundere: Da sitzt einer in seinem Landhaus in Wales und liefert seit Jahrzehnten Autoren-Spiele ab, die auf den ersten Blick alle sehr ähnlich aussehen – und bei denen man aber bald merkt, dass er sich für jedes neue Spiel unheimlich viele Gedanken zur Steuerung macht und immer wieder äusserst intelligente Lösungen präsentiert. Und die Minotaur-Project-Reihe ist intellektuell stimulierend, weil wir die Evolution von Game-Mechanik-Ideen in kurzen Abständen mitverfolgen können.

Ebenso intelligent wie die Steuerung ist auch die Idee, wie Jeff Minter das Problem zu umgehen versucht, dass seine Spiele oft eher für Gamer gedacht sind, die sich von schwierigen, schnellen Shootern motivieren lassen. In Minotron 2112 gibt es nämlich drei Spielmodi: In einem steuern wir die Bewegung und die Zielrichtung der Spielfigur selber, was recht anspruchsvoll ist. Wem das viel zu schwierig ist, kann das Zielen ganz dem Spiel delegieren. Man steuert dann mit einem Finger und hat Zeit, die Action zu geniessen. Meine Lieblings-Variante ist allerdings der Mittelweg – da steuern wir Bewegung und Zielen mit zwei Fingern selbst, erhalten aber eine kleine Drohne, die uns hilft im Kampf gegen die unzähligen Gegner.

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Nicht nur konzeptionell hat mich Minotron 2112 überzeugt. Wie bei Jeff Minter eigentlich immer, sind die Spielmodi unheimlich gut ausbalanciert und das ganze Spiel ist mit dem seltsam absurden Humor des Briten durchzogen (16-Tons-Gewicht! Schaf-Geräusche! Minotaur-Wortspiele!). Gerade dieser Humor macht die Spiele von Jeff Minter zugegebenermassen etwas zur Geschmacksache – für mich sind sie aber die besten Shooter, die man auf einem iPhone spielen kann.

Minotron 2112 (iPhone und iPad)
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