Interview mit Peter Sunde (Flattr, Ex-Pirate Bay)

Petersunde

Foto: m4music

Peter Sunde, ehemaliger Pressesprecher und öffentliches Gesicht der Pirate Bay, tritt am Samstag als Hauptredner am m4music-Festival in Zürich auf. Allerdings nicht als Pirat, sondern ganz im Gegenteil als einer, der eine neue Möglichkeit vorstellt, wie mit Inhalten Geld zu verdienen ist. Hat Peter Sunde seine Piratenflagge eingeholt? Ich habe mit ihm gesprochen.

Von Pirate Bay…

Peter Sunde ist ein adretter junger Mann um die dreissig, etwas bleich und unscheinbar. Er spricht ruhig und freundlich – und wirkt eigentlich nicht wie ein Pirat. Was war seine Motivation, Pirat zu werden? Er habe immer schon alles kopiert, alles, was er gelernt habe, was er heute sei, das sei ein Produkt dieses Kopierens, sagt Sunde. Dass das als illegal bezeichnet werde, wolle er nicht akzeptieren.

Diejenigen, die Musik oder Filme produzieren, pochen dagegen auf ihr Recht, ihre Inhalte zu verkaufen und die Verbreitung zu kontrollieren. Peter Sunde hat ein anderes Kulturverständnis und will genau dieses Recht nicht uneingeschränkt gelten lassen: Man könne nicht kontrollieren, wie Musik gehört oder weitergegeben werde. Auch das Publikum habe Rechte, die man nicht einschränken dürfe.

Peter Sunde stellt das Recht der Konsumenten über das der Produzenten – eine Ansicht, die bis jetzt die Richter nicht teilen. Peter Sunde stand in Schweden vor Gericht und wurde wegen Beihilfe zu Urheberrechtsverletzung verurteilt; die Berufung vor dem höchsten Gericht ist allerdings noch hängig.

… zu Flattr.
Peter Sunde hat in der Zwischenzeit mit den Piraten abgeschlossen – er arbeitet an einem neuen Projekt, das auf den ersten Blick wie das pure Gegenteil der Pirate Bay wirkt: Flattr. Benutzer bezahlen für Inhalte, und zwar eine monatliche Gebühr, die sie frei wählen können, im Schnitt sind es rund 5 Euro. Wenn ihnen ein Inhalt gefällt, sei es ein Stück Musik oder ein Blog-Artikel, klicken sie dort auf einen „Flattr“-Knopf. Diese Klicks werden gezählt, und am Ende des Monats wird die bezahlte Gebühr auf die Klicks aufgeteilt. Es geht also nicht darum, ein Stück Inhalt zu kaufen, sondern dafür Geld zu spenden, was einem gefällt – eine Mischung aus Kultur-Flatrate und Facebook-Like-Button.

Leute, die Inhalte konsumieren, bezahlen also einen festen, frei bestimmten Betrag pro Monat. Und Leute, die Inhalte produzieren, bekommen für jeden Klick einen kleinen Betrag. Was dabei zusammenkommt, kann Sunde nicht genau sagen, zwischen ein paar Cent und tausenden von Euros pro Monat gebe es alles. Wesentlich sei, dass der Preis eines Inhalts anders definiert werde: Nicht der Produzent bestimme den Preis, sondern die Konsumenten, individuell.

Auch wenn die Beträge klein sind – es ist ein neuartiger Weg, für Inhalte zu bezahlen. Hat der ehemalige Pirat etwas wieder gutzumachen? Peter Sunde verneint entschieden. Flattr und Pirate Bay hätten die gleichen Ideale: Inhalte sollen frei verfügbar sein, zugänglich für alle. Flattr biete eine Möglichkeit, dafür Geld zu bekommen. Ob diese Bezahl-Möglichkeit für alle Beteiligten funktioniert, ist noch offen, Flattr ist erst seit wenigen Monaten im Betrieb.

Das komplette Interview, in dem uns Peter auch verrät, auf welchem Computer er seine ersten Gehversuche gemacht hat, könnt ihr hier nachhören (21 Minuten, Englisch).


20110315_petersunde.mp3

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