Maywa Denki: Roboter-Humor

Maywa Denki ist eine Kunstgruppe aus Japan – die mit dieser Bezeichnung aber nicht einverstanden wäre: Man verstehe sich als Unternehmen, das Konzert sei eine Produktevorführung. Für DRS 3 und 2 habe ich zusammen mit Reto Widmer über Maywa Denki berichtet. Maywa Denki war für zwei Konzerte in Zürich, wir haben eine Probe besucht.

Maywa Denki war ursprünglich eine Fabrik, die Elektronikteile herstellte (und nicht etwa Staubsaugerrohre, wie der Rest des deutschsprachigen Internets behauptet, weil es „vacuum tubes“ nicht richtig übersetzen kann). Während der Ölkrise 1979 ging die Fabrik allerdings bankrott. Die beiden Söhne des Firmengründers eröffneten sie 1993 neu – als Kunstwerkstatt. Heute leitet sie der jüngere der beiden, Nobumichi Tosa.
Präsident Tosa tritt in hellblauer Arbeitsuniform mit Krawatte auf, um den Unternehmensgedanken zu betonen. Die meisten Produkte, die Maywa Denki herstelle, seien Prototypen; ab und zu werden diese aber auch zu Spielzeugen weiterentwickelt. So zum Beispiel der Otamatone, ein kleines Plastikinstrument in der Form einer Note.
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Ich habe nach den Berichten am Dienstag Abend auch noch das Konzert besucht, und war begeistert. Ich habe schon lange nicht mehr einen Raum mit so vielen fröhlichen Menschen gesehen. Tosa-san verströmt einen ansteckenden Enthusiasmus und führt die wirren Gerätschaften mit soviel Freude vor, dass sich dem niemand entziehen kann. In der erste Hälfte des Konzertes stellt Tosa alle Roboter-Instrumente auf der Bühne vor („I introduce you to next product!“) und betont, wie gefährlich die alle seien („We use 100 Volt switches!“), immer streng in der Rolle des japanischen Ingenieurs und Firmenchefs. Nach der Pause gibt es dann mehr Musik, den Maywa-Denki-Firmen-Song oder den Otamatone-Song: Eine Mischung aus J-Pop und japanischer Game-Musik, doch statt mit Casio-Synthis mit den Krach-Maschinen gespielt, und von Tosa kräftig per Pauke unterstützt. Der singende Roboter geht kaputt und versetzt Tosa Stromschläge („I afraid now!“), die Zugabe überrascht uns mit einem Kostümwechsel (Krawatte weg, Sonnenbrille auf, Gel ins Haar, die Ingenieure rebellieren) und das komische Timing von Tosa ist perfekt („I introduce you to employees!“ ruft er, man erwartet die übliche Band-Vorstellung, die er so abliefert: „Employee … A, B, C, D!“). Grossartig!
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