Mario im Doppelpack: «Super Mario 3D Land» und «Mario Kart 7»

Nintendo stürzt sich ins Weihnachtsgeschäft: Gleich zwei Spiele für die tragbare 3DS erscheinen, und in beiden ist Superklempner Mario drin. Das Rennspiel «Mario Kart 7» ist ein sicherer Wert; und «Super Mario 3D Land» ist herzerwärmend charmant.

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Doch zunächst ein kurzer Blick auf den Markt. In meinem Review der 3DS habe ich vor allem das Potential der Konsole für unterwegs hervorgehoben, jenseits des Gimmicks «3D». Doch bezüglich der Geschäftsstrategie von Nintendo meldete ich bereits erste Zweifel an. Noch deutlicher fiel meine Kritik in dieser Bilanz anlässlich der Gamescom im Sommer aus: Nintendo konzentriere sich auf die bewährten Muster, die alten Stärken, und laufe dabei Gefahr, den Zug in die Zukunft zu verpassen. 

In diesem Umfeld ist die 3DS für Nintendo eine absolut zentrale Kiste, und sie ist bis jetzt noch nicht recht vom Fleck gekommen. Aktuelle Verkaufszahlen in der Schweiz vom 3. Quartal zeigen, dass man zwar den Abwärtstrend der DS auffangen konnte (12000 3DS und 9000 DS zusammen verkauften sich im Vergleich zum Vorjahr etwa gleich gut wie die DS damals). Doch eine schlichte Umverteilung von DS auf 3DS war nicht der Plan, denn die Verkäufe der DS gingen davor stetig zurück. Man wollte den Trend nicht nur stoppen, sondern umdrehen. Und das hat man bis jetzt nicht geschafft.

Doch halt! Erst nach dem Weihnachtsgeschäft wird abgerechnet (siehe auch im Kommentar zuunterst). Rechtzeitig für dieses Geschäft fährt Nintendo nun die grossen Kanonen auf: Gleich zwei neue Spiele erscheinen für die 3DS, und in beiden ist Mario drin, das beste Ross im Stall.

Mario Kart 7

Die Mario-Kart-Serie ist für Nintendo ein sicherer Wert. Die letzte portable Version «Mario Kart DS» war 2010 in der Schweiz immer noch eines der meist verkauften Spiele, obwohl es schon sechs Jahre auf dem Buckel hat (weltweit total über 20 Millionen mal verkauft!). Für jede portable Konsole von Nintendo erscheint ein «Mario Kart», das ist die Regel. Und dieses eine Spiel verkauft sich dann jeweils jahrelang gut, nicht nur beim Start. Und «Mario Kart 7» legte bereits einen astreinen Turbostart (haha, Insider-Witz) hin: In weniger als einer Woche wurden in Japan allein über 400’000 Exemplare verkauft.

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Kein Wunder, denn «Mario Kart 7» beweist erneut, warum Mario-Kart-Spiele zu den besten Rennspielen überhaupt gehören. Durch die Kurven zu driften fühlt sich kontrolliert an wie eh und je. Für Neulinge: Man hüpft vor der Kurve mit dem Kart, hält den Hüpfen-Knopf so lange gedrückt, wie der Drift dauern soll, und steuert sanft dagegen – mit dem analogen Stick der 3DS besonders gefühlvoll. Wenn der Drift lang genug andauert, erhält man am Ausgang der Kurve einen kurzen Boost, der in schwierigeren Rennen und insbesondere online unverzichtbar ist.

Die bewährte Mechanik der Serie funktioniert nach wie vor hervorragend: Driften, Boost-Pads erwischen oder riskante Abkürzungen finden und wagen, dazu die Gegenstände, um Gegner zu ärgern – das ist alles bekannt, aber halt immer noch sehr, sehr gut. Das Spiel findet eine perfekte Balance zwischen Strategie, Können und Zufall – ein fieser blauer Panzer kann zwar in der letzten Kurve eines Rennens die Rangliste noch einmal gehörig durcheinander wirbeln, aber wer da vorn mitfährt, hat es sich erarbeitet. Und im Gegensatz zu anderen Rennspielen ist eben jedes einzelne Rennen spannend, es sind nicht Belohnungen, die uns anspornen, sondern das Erlebnis im Rennen selbst.

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Wer früher Mario Kart gespielt, aber schon länger keines mehr in der Hand gehabt hat, wird sofort alles wieder erkennen. Die bewährte Formel scheint ziemlich direkt übernommen worden zu sein. Doch «Mario Kart 7» bringt Neuerungen, die vielleicht nur deshalb weniger auffallen, weil sie sich so gut in die Spielmechanik einfügen.

Natürlich, es gibt neue Strecken, und die sind nicht nur wunderschön knallfarbig, sondern auch clever abgesteckt. Es ist immer etwas los, das Fahrerfeld (acht Karts) zieht sich nie zu sehr in die Länge, die meisten Rennen bleiben spannend bis zum Schluss (jedenfalls in den höheren Schwierigkeitsgraden und online).

In einigen dieser Strecken gibt es lange Sprünge – dort fährt der Kart jeweils automatisch einen Flügel (Deltasegler, Sonnenschirm etc.) aus und wir segeln einen Abschnitt. Im Wesentlichen also ein weiter Sprung, aber steuerbar; manchmal lässt sich ein Segelabschnitt noch verlängern, wenn man geschickt über Aufwind fliegt.

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Vom Land in die Luft, und danach ins Wasser: Auch Unterwasser-Abschnitte sind neu. Der Kart fährt dann hinten einen kleinen Propeller aus und steuert sich etwas träger. Segeln und Tauchen verändern das Spielgefühl nicht komplett, aber es sind schöne Ideen, die zusätzlich Abwechslung in die Rennen bringen.

Auch das klassische Rennmuster (3 Runden auf einem Rundkurs) wird neu ab und zu durchbrochen. Statt drei Runden fahren wir nur eine, dafür eine sehr lange, in drei Abschnitte aufgeteilt. Die Wuhu-Insel aus «Wii Sports Resort» ist Schauplatz für zwei solcher Strecken; und natürlich die Regenbogen-Strasse, der gebührliche Abschluss jedes Mario-Kart-Cups. Dieses Mal fahren wir sogar kurz auf den Ringen Saturns.

Eine weitere Neuerung ist die Möglichkeit, den eigenen Kart aus verschiedenen Teilen individuell zusammenzustellen. Wir können Chassis, Räder und Flügel auswählen und beliebig kombinieren. Je nach Zusammenstellung beschleunigt der Kart schneller, hat eine höhere Endgeschwindigkeit, kann neben der Strecke besser fahren, ist leichter oder schwerer. Natürlich hat jede Eigenschaft gemäss dem Schere-Stein-Papier-Prinzip V
or- und Nachteile; ich hatte nie das Gefühl, dass eine bestimmte Kombination deutlich unterlegen ist. Es geht also vor allem darum, den Kart dem eigenen Fahrstil anzupassen (übrigens eine Idee, die vom Studio kam und die Shigeru Miyamoto zunächst ablehnte).

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Die verfügbaren Kart-Teile werden freigeschaltet, indem wir auf der Strecke Münzen einsammeln. Die Münzen geben ausserdem einen kurzen Boost, sind also auch attraktiv, wenn man mit seinem Kart schon zufrieden ist. Und hey, in einem Mario-Spiel sammelt man Münzen ein, das ist einfach so. Das goldene «Pling!» ist schlicht zu anziehend, um zu widerstehen.

Und natürlich ist das ganze in 3D. An sich schön, ich habe es aber dennoch bald ausgeschaltet. Denn bei einem Rennspiel habe ich – wie wohl viele – die Tendenz, mit der Konsole in der Hand «in die Kurven zu liegen», also die 3DS ständig leicht zu drehen. Das führt dann dazu, dass der 3D-Effekt zerfällt, für meine Augen einfach zu anstrengend (siehe auch schon die Bemerkung hier zu Pilot Wings).

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Schliesslich hat Nintendo den Online-Modus verbessert. Wie man es von Nintendo gewohnt ist, sind die Möglichkeiten immer noch sehr eingeschränkt, aber ich muss sagen, dass ich in einem simplen Spass-Rennspiel auch nicht mehr erwarte. Ich hatte beim Verbinden mit dem Dienst mehrfach Probleme, bis eine Gruppe von acht Spielern gefunden wurde; das braucht wohl je nach Land und Tageszeit etwas Geduld. Doch wenn die Rennen mal losgingen, liefen sie absolut stabil. Am wichtigsten: Das von der DS-Version bekannt-berüchtigte Hin- und Herspringen der gegnerischen Karts ist weg; jetzt werden meistens alle Karts auch tatsächlich da angezeigt, wo sie sind, auch wenn die Gegner in Japan sitzen. Mir haben deshalb die Online-Rennen viel mehr Spass gemacht als noch auf der DS – auch wenn man sich darauf einstellen muss, dass es wirklich schwierig ist, online Rennen zu gewinnen.

Also: Die bewährte Formel sanft renoviert – ein konservatives, aber dennoch wunderbares Spiel.

Super Mario 3D Land

Es fällt mir schwer, zu erklären, warum dieses Spiel soo gut ist. Am besten beschreibe ich die Wirkung: Ich bin grade etwas kränklich und hatte gestern Abend eigentlich keine Lust zum Spielen, mehr zum Rumliegen und ins Leere starren. Trotzdem überwand ich mich, die 3DS mit auf die Couch zu nehmen und startete «Super Mario 3D Land». Und schon noch einem halben Level hatte ich ein Strahlen im Gesicht und die Erkältung fast vergessen. Die beste Medizin: Freude!

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Die Freude kommt in diesem Spiel nicht unbedingt von Neuem: Strukturell ist es sehr ähnlich aufgebaut wie «New Super Mario Bros.» (das ich geliebt habe): In jeder Welt einige Levels, in jedem Level lassen sich drei Sternenmünzen entdecken. Muss man aber nicht, die Levels lassen sich immer auch ohne abschliessen. Die meisten dieser Sternenmünzen sind versteckt oder knapp ausser Reichweite – sie alle einzusammeln ist der wesentliche Reiz des Spiels und bringt uns dazu, immer wieder die gleichen Levels zu probieren.

So wirken Levels beim ersten Mal spielen sehr kurz. Das ist nicht nur perfekt für die Situation unterwegs, sondern folgt auch der Maxime meiner Grossmutter, dass man immer dann aufhören solle, wenn es am besten sei. Doch wenn man diese Levels dann noch einmal spielt, werden sie gefühlt immer grösser, weil sich darin soviel entdecken lässt.

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Die Grundmechanik des Spiels – Rennen, Springen – ist knackig und präzise wie immer. Das klingt jetzt wie ein hingeworfenes, lauwarmes Kompliment, aber es ist eine ganz wesentliche Stärke des Spiels und eine grosse Leistung. Wir machen zwar Fehler, aber es ist immer unsere eigene Schuld. Auch in richtig kniffligen Abschnitten haben wir nie das Gefühl, unfair behandelt zu werden. Ebenso grossartig ist die automatische Kameraführung. Das Spiel zeigt uns in jeder Situation genau das an, was wir sehen müssen. Kombiniert mit der 3D-Ansicht sorgt es ausserdem dafür, dass das auch spektakulär aussieht. So stellte sich bei mir in einem Level hoch in den Wolken schon beinahe ein leichtes Schwindelgefühl ein.

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Apropos 3D: Das ist das erste Spiel auf der 3DS, bei dem ich die 3D-Ansicht auch nach vielen Stunden immer noch eingeschaltet liess. Erstmals wirkt 3D in einem Spiel sinnvoll eingesetzt, es ist nicht nur eine grafische Verbesserung, also unnötige Kosmetik, sondern hat auch spielerisch einen Sinn. Es gibt z.B. Situationen, die wie in den Zeichnungen von M.C. Escher in 2D unmöglich wären, und sich nur in 3D auflösen. Diese perspektivischen Tricks werden aktiv als Rätsel eingesetzt.

Was eine Idee für ein ganzes Spiel gewesen wäre (ja, ich schaue dich an, Echochrome), ist hier bloss eine von vielen, vielen. «Super Mario 3D Land» wirft verschwenderisch grosszügig mit Ideen um sich. In jedem Level werden neue Spielelemente eingeführt. Und darum ist diese Welt so spannend: Wir kennen zwar jede Figur, jedes grafische Element (Pilze, Sterne, Blöcke, Münzen, Röhren etc.), aber innerhalb dieses starren Rahmens sprudelt die Fantasie.

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Neben den bekannten Power Ups wie der Feuerblume erhält Mario eine neue Verkleidung: den Tanuki-Anzug. Ein Fell, niedliche Ohren und einen buschigen Schwanz, um damit die wegzufegen. Und in der Luft kann er etwas länger schweben als bei einem gewöhnlichen
Sprung (wie mit Yoshi in «Super Mario Galaxy»). Dieser Tanuki-Anzug machte auf mich einen etwas zwiespältigen Eindruck. Denn durch die Möglichkeit, in der Luft zu schweben und so weiter zu springen, verlieren einige sehr fein austarierte Levels und ihre Abgründe etwas an Schwierigkeit. Der Anzug hat eindeutig den Zweck, das Spiel einfacher zu machen. Einen speziellen gold-silbern glitzernden Tanuki-Anzug erhält man ausserdem geschenkt, wenn man in einem Level sehr häufig scheitert; dann nimmt uns das Spiel an der Hand und führt uns recht ungefährdet durch den Level. An sich eine hervorragende Idee (man wird nie irgendwo hängen bleiben und deshalb das Spiel weglegen); doch mit dem normalen Tanuki ist man für meinen Geschmack etwas zu sehr auf die gnädige Seite gekippt.

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Das soll nicht heissen, das Spiel sei insgesamt zu einfach. Wer alle geheimen Räume und Sternenmünzen entdecken will, muss sich anstrengen. Das ist genau das tolle an diesem Spiel: Alle können hier Spass haben, sowohl die Un- als auch die Hochbegabten. Und alle werden ein breites Grinsen im Gesicht haben.

Wenn ich mir das Geschäftsmodell und die Zukunftsstrategie von Nintendo anschaue, runzle ich die Stirn; mein Kopf ist von den oben verlinkten Einschätzungen überzeugt. Aber mein Herz! Es fliegt diesen zwei Spielen wieder zu, als wäre es das erste Mal.

«Mario Kart 7» und «Super Mario 3D Land» sind für die Nintendo 3DS. Das Haikiew ist hier.

5 Gedanken zu “Mario im Doppelpack: «Super Mario 3D Land» und «Mario Kart 7»

  1. Diese beiden Spiele sind genau der Grund, warum ich die zusammen mit der gestern bestellten Zelda 3DS Edition im Briefkasten erwarte. Schaaatz ich kann nicht mehr warten!

  2. Ich habe gerade deinen Beitrag gelesen und gedacht dass MUSS ich haben… War ein riesen Super Mario 64 fan und habe auch das New Super Mario Bros. auf der Wii stundenlang mit meinem Kollegen gespielt. Also habe ich mir heute mittag die 3DS geholt und werde es heute Abend gerade mal ausprobieren!! "freu"

  3. So wie euch zwei geht es scheinbar vielen: Die beiden Spiele sind eindeutig System-Seller. So seien in Japan die Verkäufe der 3DS deutlich angezogen.

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