Star Wars: The Old Republic – Der konservative Grünschnabel

Finde die zehn Unterschiede! Das ist wohl der erste Reflex, wenn man «World of Warcraft gespielt hat und nun «Star Wars: The Old Republic» startet. Der Neuling übernimmt grosszügig die bewährte Vorlage des Genre-Primus. Und reichert sie an mit der Erzählweise von Bioware und der Star-Wars-Lizenz. Mit anderen Spielern das Lichtschwert kreuzen und das Star-Wars-Universum erkunden – das müsste eigentlich ein tubelisicheres Rezept sein.

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Als langjähriger «World of Warcraft»-Spieler war mir «Star Wars: The Old Republic» sofort vertraut. Wir erstellen eine Figur und wählen eine Fraktion (die Republik oder die Sith) und eine Klasse, z.B. Jedi-Ritter oder Schmuggler. Die Wahl der Fraktion bestimmt die Welt, in der wir spielen und die Geschichten, die wir erleben. Und die Klasse bestimmt die Spielmechanik. Ein Kopfgeldjäger schiesst mit Gewehren aus der Distanz, ein Jedi-Botschafter kann Verbündete heilen. Ebenso bestimmt die Klasse, welche Rolle wir in Gruppen mit anderen Spielern übernehmen können, ob wir uns vorne ins Getümmel werfen oder aus sicherer Distanz Schaden machen oder Gruppenmitglieder heilen.

Mit dieser erstellten Spielfigur bewegen wir uns in der Spielwelt und interagieren mit denen anderer Spieler oder Computer-gesteuerten Figuren. Wir können alleine die Welt erkunden und Geschichten erleben; oder uns mit anderen zusammentun und gegen schwierige Monster kämpfen; oder in den Wettkampf gegen andere Spieler steigen.

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Diese Mechanik ist ziemlich 1:1 von «World of Warcraft» übernommen, bis hinunter auf die Tastatur-Belegung (P öffnet das Fenster mit den Fähigkeiten, L das Quest-Log). Was aber natürlich nicht stört, weil ich mich gleich zu Hause fühle. Kleine Unterschiede fallen dafür auf: Eine Weltkarte, die transparent wird, wenn wir uns bewegen oder Flächen-Plündern (statt jeden Gegner einzeln zu plündern, reicht ein Klick auf einen, um alles einzusammeln) hätte ich z.B. auch gerne in WoW.

Und natürlich profitiert auch SWTOR davon, dass die Grundmechanik solcher Spiele einfach reizvoll ist. Eine Welt erkunden, mit anderen zusammen schwierige Prüfungen bestehen – und zuerst mal auf dieses Monster da draufhauen, einen hässlichen «Fleischräuber», und hey, da ist was schönes drin! Und so kämpfen wir uns durch die Landschaft und sammeln Gravierte Urnen, Vibrofutterale, Meditationsperlen, Trockene Zungen, Saftiges Gedärm und Koaxiale Droidensonden, nur um sie dann bei einem Händler gegen Credits zu verkaufen, und wir sahen, es war gut.

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Zu Beginn des Spiels erleben wir eine Geschichte, die auf die gewählte Klasse zugeschnitten ist. Mein Jedi-Botschafter musste also zunächst mal vom Padawan zum Jedi aufsteigen, einen grössenwahnsinnigen Immigranten zurechtweisen und die Meisterin vor einer seltsamen Krankheit retten. Wir erleben diese Geschichte, und im gleichen werden wir auch in die Welt, die Fähigkeiten und Spielsysteme eingeführt. Für besiegte Gegner, entdeckte Gebiete und erledigte Aufgabe erhalten wir Erfahrungspunkte und steigen Level um Level auf, was uns jeweils neue oder verbesserte Fähigkeiten beschert.

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Ungefähr um Level 10 steuert die Geschichte darauf zu, uns unser erstes eigenes Lichtschwert zu beschaffen. Dieser Moment ist dramaturgisch grossartig vorbereitet, wir müssen zuerst noch Bestandteile beschaffen und uns dann zu einer mythischen Schmiede begeben, auf einer Art Pilgerpfad. Und als erstes bekämpfen wir dann mit dem brandneuen Lichtschwert auch gleich den Gegner, den wir seit Stunden verfolgen. Ein toller Moment, und es wird klar, dass Hersteller Bioware genau weiss, warum wir ein Star-Wars-Spiel spielen wollen.

Ab Level 15 öffnet sich das Spiel, es kommen die Möglichkeiten des Raumkampfes und von Flash Points dazu (in WoW wären das die «Instanzen», eine abgeschlossene Gegend, durch die man sich nur als Gruppe durchkämpfen kann, hier zu viert). Vorher ist SWTOR sehr Story-lastig, und das hat vor allem mit dem Hauptunterschied zu WoW zu tun: Alle Gespräche mit Spielfiguren sind vertont und animiert.

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Im Gegensatz zu anderen Online-Rollenspielen finden hier Gespräche nicht in Textfenstern statt, sondern als Filmsequenzen. Und wie wir es von anderen Bioware-Spielen gewohnt sind (Mass EffectDragon Age, Knights of the Old Republic), können wir die Unterhaltung immer wieder beeinflussen und Antworten auswählen.

All das zu vertonen und durchzuanimieren ist eine wahre Herkulesaufgabe und hauptverantwortlich dafür, dass die Produktion gegen 100 Millionen Dollar gekostet haben soll. Ziel dieser Erzählweise ist, dass wir tiefer in die Geschichten und die Welt einsinken.

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Ich muss allerdings gestehen, dass ich mir immer wieder mal einen kurzen Text gewünscht habe, den ich überfliegen könnte, statt einer langfädigen Szene zuhören zu müssen. Wenn es in einer Geschichte nur darum geht, sieben Dinge einzusammeln, dann möchte ich das schnell hinter mich bringen. Klar kann man versuchen, mir die Motivationen hinter der Sammelei zu vermitteln; aber dafür müsste die erzählte Geschichte dann auch wirklich fesselnd sein. Und bei der schieren Menge von Geschichten, die in diesem Spiel stecken, ist diese Erwartung einfach nicht zu erfüllen. Das Skript ist oft flach, zu überladen mit Erklärungen, zu steril, zu klischiert. Dann wirken die Gespräche aufgezwungen.

Und natürlich dreht sich wieder wie immer bei Bioware und Star Wars alles um die zwei Seiten der Macht; gewisse Antworten oder Handlungen ziehen unsere Figur mehr auf die helle oder die dunkle Seite. Doch leider ist die Mechanik mehr Bioware als Star Wars, also ohne spannendes Dilemma oder Graubereich. Das sind keine echten Entscheidungen aus der Situation heraus. Stattdessen entscheiden wir zu Beginn des Spiels, wie wir unsere Figur spielen wollen und wählen danach jeweils mechanisch die passende Handlung aus. Daraus entsteht nie ein innerer Konflikt, und nur das wäre spannend.

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Die ganze Rederei hat mich also eher ungeduldig gemacht, als in die Welt einsinken lassen. Und auch grafisch bin ich nicht überwältigt. Der Stil wirkt etwas steril und glanzlos. Das mag auch damit zusammenhängen, dass mir persönlich Star Wars nicht so wichtig ist wie vielleicht anderen. Ich habe Star Wars nicht schon als Kind kennengelernt, und das führt halt zu einer weniger emotionalen Bindung.

Am deutlichsten wird die Star-Wars-DNS in den eigentlichen Kämpfen, die schnell und unterhaltsam sind. Zwar sind sie rein mechanisch gleich wie in WoW (wir drücken Zahlen-Tasten oder klicken auf das Symbol der auszuführenden Fähigkeit). Doch die Animationen und Soundeffekte wirken dynamischer. Auch als Heiler-Klasse, verletzlich in leichter Rüstung, kämpft man oft gegen Gruppen von mehreren Gegnern. Das ist nicht das vorsichtige, langsame Eins gegen Eins, das ich aus WoW gewöhnt bin. Schliesslich ist als Jedi die Macht stark in uns – und das wird auch auf tiefen Levels bereits glaubhaft vermittelt. 

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Natürlich wirkt das Spiel an einigen Ecken und Enden noch etwas unpoliert. Eine Figur, mit der ich mich unterhielt, war z.B. ohne ersichtlichen Grund winzig klein, nur einige Zentimeter gross. Meine Figur schaute nach unten auf diesen Wicht, und auch die Kamera versuchte einen Über-die-Schulter-Shot, was dann aber aus nahlvollziehbaren geometrischen Gründen dazu führte, dass die Kamera im Boden versank und man gar nichts mehr sah. Später traf ich die gleiche Figur erneut, und da war sie wieder normal gross.

Auch die Gefährten, die uns begleiten und mit uns kämpfen, irren oft vollkommen hilflos umher, verschwinden, erscheinen plötzlich wieder. Das ist aber bei einem Spiel dieses Umfanges nicht überraschend, und ich muss sagen, dass ich mehr davon erwartet hatte. 

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Von den Talentbäumen (beim Level-Aufstieg wählen wir Talente für die Spielfigur aus, und zwar im Gegensatz zu WoW von unten nach oben, was mich zunächst total verwirrte) bin ich bis jetzt nicht sonderlich beeindruckt. Vieles scheint mir nach dem Schema «Dingsbums X erhöht die kritische Trefferchance von Dingsbums Y um 3%» zu sein, und das ist halt reine Rechnerei und nicht sehr aufregend. Das ist natürlich ein erster Eindruck und etwas, das sich später entwickeln und verändern wird. Gerade hier wird aber besonders deutlich, wie gross der Vorsprung von «World of Warcraft» ist. Gerade für die nächste Erweiterung wurde ja eine radikale Erneuerung des Talentbaum-Systems angekündigt. SWTOR wirkt in diesem Licht konservativ und unerfahren zugleich.

Insgesamt konnte ich mich manchmal auch dem Eindruck der etwas uninspirierten Fliessbandarbeit nicht erwehren. Man wollte so viele Inhalte hineinpacken, dass man einfach Kompromisse eingehen musste, und die schimmern immer wieder durch. Trotzdem überwiegt das Gefühl, dass hier viel Potential ist; dass es jetzt schon viel zu entdecken gibt und dass ein Fundament gelegt wurde, auf dem sich aufbauen lässt.

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Das Timing von SWTOR ist ideal: Bis jetzt sind alle gescheitert, die «World of Warcraft» zu kopieren versuchten. Doch nun zeigt der Gigant erstmals Ermüdungserscheinungen, die Abos sind leicht zurück gegangen. Es scheint, dass viele diese Welt langsam gesehen haben. Auch das Geschäftsmodell (Kaufpreis plus Abo) wurde zwar noch vor wenigen Jahren als das der Zukunft bezeichnet. Stattdessen scheint es eher ein Sonderfall gewesen zu sein. Die Einschätzung von Dan Griliopoulos auf Eurogamer ist deshalb absolut richtig: SWTOR ist der allerletzte Versuch, den Sonderfall «World of Warcraft» zu duplizieren.

Electronic Arts und Bioware haben alles getan, dass dies gelingt. «Star Wars: The Old Republic» wird nicht floppen, dafür ist das Bioware-System zu bewährt und die Star-Wars-Lizenz zu stark. Persönlich hat mich das Spiel aber etwas kühl gelassen. Oder genauer: Es hat mich nicht genug fasziniert, um dafür das vertraute und geliebte «World of Warcraft» zu verlassen. Und in meinem Leben hat es nicht genug Platz für zwei Online-Multiplayer-Spiele dieses Umfangs.

Star Wars: The Old Republic ist für PC. Die Standard-Version (Download) kostet 55 Euro, 30 Tage Spielzeit inklusive. Um allerdings loslegen zu können muss man entweder mehr Spielzeit kaufen (27 Euro für 60 Tage) oder ein Abo abschliessen (zwischen 20 Franken pro Monat und 100 Franken pro Halbjahr, mit automatischer Erneuerung). Im ersten Jahr kostet SWTOR als mindestens 260 Franken. Milhouse würde sagen: «This better be good». Das Haikiew ist hier.
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10 Gedanken zu “Star Wars: The Old Republic – Der konservative Grünschnabel

  1. Hallo"Ich han de Yoda mal ganz churz gseh"Da musste ich ehrlich gesagt schon kurz lachen als ich das hörte :-)Man sollte doch meine dass ein Redakteur schon ein wenig Recherche betreibt und hätte er das getan, wäre selbigen aufgefallen dass das nicht Yoda ist, sondern lediglich ein Typ der gleichen Spezies. Ausserdem spielt Star wars The Old Republic weeeeeeeit vor den Geschnissen der Edisoden IV bis VI, der aufmerksame Zuhörer bekommt sogar mit wer der Typ in Star Wars The Old Republic istZitat:Ich muss allerdings gestehen, dass ich mir immer wieder mal einen kurzen Text gewünscht habe, den ich überfliegen könnte, statt einer langfädigen Szene zuhören zu müssen.Auch hier, hätte man ein ganz kleines bisschen im offiziellen Forum recherchiert, hätte der liebe Redakteur lesen können dass man die Video’s mit der Leertaste der Tastatur überspringen bzw. erheblich verkürzen kannZitat:Die ganze Rederei hat mich also eher ungeduldig gemacht, als in die Welt einsinken lassen.Fastfood Generation juchhee, sag ich da nur, alles muss schnell gehen, für nicht’s mehr Zeit nehmen, lieber heute als morgen Endlevel erreichen.Zitat:Und auch grafisch bin ich nicht überwältigt. Der Stil wirkt etwas steril und glanzlos.Die Grafik ist im übrigen mit Absicht etwas altbacken, nicht jeder kann sich einen High-End-Pc leisten, schon gar nicht die Zielgruppe die das Spiel ansprechen sollAnsonsten ist der Bericht aber recht gut, nur die ständigen Vergleiche mit WoW immer und überall nerven gewaltig.Noch was von mir am Rande:Wer die Abokosten über die offizielle Seite bezahlt, sollte das tunlichst vermeiden, ist in meinen Augen eine Frechheit was die uns Schweizern abverlangen.Es gibt auch in der Schweiz Anbieter von 60 Tage Spielkarten die etwas weniger als Fr. 29.- kosten für 60 Tage.Auf Amazon kann man sich die 60 Tage Spielzeitkarte kostenfrei für etwas mehr wie Fr. 27.- nach Hause schicken lassen, was dann pro Monat bisschen mehr wie Fr. 13.- kostet, so kommen auch wir Schweizer in den Genuss günstiger Abokosten.GrüsseTinu

  2. Als grosser Fan des ganzen Warcraft Universums und langjähriger Wow Zocker ist dies das 1. Spiel das mich so neugierig gemacht hat dass ich es testen musste. 2min nach dem einloggen mit meinem Sith Warrior las ich im channel wie Leute jedes Detail mit Wow verglichen und ich erinnerte mich nach Jahren wieder an den sogenannten "Brachland-Chat". Dass diesen Ausdruck geschätzte 80% der Spieler kannten hat mich aber dann doch verwundert ^^Die ersten 20 lvl spielen sich ganz gut aber jede einzelne Quest mit einem 5min Video auszustatten fand ich dann doch irgendwie mühsam. Das UI gefällt mir dann auch nicht so und mir fehlen die Möglichkeiten die WoW bietet. Auch dass sich die Kameraeinstellung nicht anständig ändern lässt ist ein weiterer Punkt der mich wirklich gestört hat.Schlussendlilch wird das Spiel in Zukunft wohl noch um einiges besser werden diesbezüglich aber der entscheidende Punkt wird das Endgame sein. Und da muss schon was ganz spezielles her sonst werden tausende von Spielern wieder zurück zu Blizzard kommen 🙂

  3. @UndeadDK: Ja, in /1 sagt alle zehn Minuten jemand: «Findet ihr WoW auch total doof?» und alle sagen: «Jaa!». Scheint zumindest auf meinem Server viele Wechsler zu haben.

  4. @Tinu: Dass SWTOR mehrere tausend Jahre vor den Filmen spielt, hab ich aber gesagt und geschrieben.Überspringen ist nicht das gleiche wie überfliegen. Ich will ja schon wissen, um was es geht. Und das geht mit Text halt schneller als mit linearem Video.Dass du mir eine «Fastfood»-Mentalität vorwirfst, ist schon fast etwas böswillig 😉 Schliesslich schreibe ich hier ja auch meterlange Texte. Ich fand einfach viele der Quest-Geschichten nicht sehr interessant. Darum wurde ich ungeduldig, nicht aus Prinzip.Grafik: Mein PC ist recht aktuell, und eine gute Engine passt sich an die Maschine an, nicht umgekehrt. Ich meine aber mit meiner Aussage nicht die Technik, sondern den Stil. Es wirkt manchmal etwas flach, stumpf, das Licht ist sehr gleichmässig, wenig kontrastreich.Und das mit den WoW-Vergleichen tut mir auch etwas leid, aber das ist nun wirklich selbstgemacht. Wenn ein Spiel dermassen viel übernimmt, darf es sich nicht wundern, wenn man vergleicht. Und in der aktuellen Marktsituation ist der Vergleich ebenfalls zwingend. Ein Review ohne WoW-Vergleich wäre seltsam autistisch gewesen.

  5. Zitat:Dass SWTOR mehrere tausend Jahre vor den Filmen spielt, hab ich aber gesagt und geschrieben.Naja, der erste Satz im Radio war: Ich han de Yoda ganz churz gsehWie gesagt der Typ im Spiel ist nicht Yoda, sondern entstammt nur der gleichen Spezies.Noch was zu WoW:Auch WoW hat nur kopiert, denn all die vielen Dinge/Features (den grössten Teil zumindest), gab es schon weit vor WoW, nur hat WoW es massentauglich gemacht.

  6. Tja, gut wenn man WoW nicht gespielt hat, dann muss man nicht immer vergleichen :PAber Spass bei Seite: Jeder, der sich in der Geschichte der Computerspiele etwas auskennt, weiss, dass die von dir beschriebenen "kopierten Mechaniken" nicht die Erfindung von WoW waren. Nein, SWTOR ist schlicht und einfach ein RPG und bedient sich somit den fast schon uralten RPG-Mechaniken. Zum Beispiel ähneln die erwähnten Dinge sehr stark Baldur’s Gate, welches sechs Jahre vor WoW erschien, und – oh Wunder – von BioWare ist. Fast jedes RPG hat am unteren Bildschirmrand eine Fähigkeitsleiste, fast jedes RPG hat verschiedene Klassen, u. s. w. …Grundsätzlich empfinde ich deine Kritik für einmal sehr flach (ausnahmsweise). Ich habe ebenfalls etwas Erfahrung mit RPGs und MMOs im Besonderen, mit Guild Wars, AION und jetzt mit SWTOR.Das du die Dialoge kritisierst erstaunt mich besonders, vor allem weil du Skyrim so in den Himmel gelobt hast. Und sind wir ehrlich: In Skyrim sind die Dialoge qualitativ weit unter SWTOR, dauern aber genau so lange und sind nicht wirklich informativer. Im Gegenteil. Ich empfinde das Spiel als wunderbar passend zu Star Wars, vergleicht man es mit den Filmen, so hat man mit den Dialogen die reiche Narration und mit dem Kampfsystem die Actionszenen. Beides finde ich gut interpretiert, bei mir kommt da das klassische Star-Wars-Feeling so richtig auf. Ich muss zugeben, dass ich selber kein Star-Wars-Kind bin, denn für die ersten Filme bin ich zu jung, für die zweiten wäre ich im besten Alter gewesen, aber mein Umfeld hat zu wenig darauf reagiert, um mich in den Star-Wars-Bann zu ziehen. Auch habe ich mich nicht durch die Hardcore-Community gewühlt, um zu erfahren, was die treusten Fans von dem Spiel halten.Grundsätzlich kann ich schon verstehen, dass die Dialoge manchmal etwas zu lang werden. Die Story spiele ich aber mit einem Kollegen gemeinsam, und so ist es immer lustig, wenn man gespannt ist, welche Antwort der andere gewählt hat. Unsere Figuren haben so schon so manchen Lacher verursacht.Auch ist die Story sehr vielfältig, denn jede Klasse hat ihre eigene Geschichte. Ich spiele Saboteur und mein Kollege ein Sith-Marauder. Während ich mich in Terrororganisationen infiltrieren muss, die Hutten manipuliere, bis sie dem Imperium hörig sind und Spione der Republik ausschalte, muss mein Mitstreiter Geheimnisse der Dunklen Seite in Tempeln finden und tun, was ein Sith-Lord sonst noch so macht. Die Storys sind wirklich sehr gut auf die Klassen angepasst, und diese wiederum passen perfekt ins Star-Wars-Universum.Auch sind die Klassen im Vergleich zu anderen MMOs deutlich vielfältiger. Der von dir erwähnte Heiler ist nämlich nicht nur ein Heiler, sondern auch ein Range Damagedealer. Grundsätzlich kann man sagen, dass die drei Teile des Skilltrees häufig auch drei unterschiedliche Arten des Spielens repräsentieren.Mein Saboteur hat einen Heiltree, mit dem ich wunderbar meine Gruppe heilen kann, dann einen Melee Dmg Tree und einen Midrange Dmg Tree. Will ich im PvE als Damagedealer spielen, wähle ich den dritten, spiele ich PvP nehme ich den zweiten und muss ich im PvE heilen, so nehme ich den ersten. Meine Klasse fühlt sich komplett anders an, je nach dem welchen Baum ich skille. Nenne mir ein anderes MMO, in welchem ich mit einer einzigen Klasse so unterschiedliche Rollen übernehmen kann! Und GW2 zählt nicht, denn das erscheint ja erst dieses Jahr ;)Zudem muss ich ein Lob aussprechen, wenn es darum geht, wie SWTOR versucht, die Spieler zum Zahlen der Monatsgebühren zu bringen. Dies geschieht wie bei anderen MMOs nicht durch stundenlanges Grinden (und jaaa, da bildet WoW weiss Gott keine Ausnahme), sondern durch die unzähligen Quests und die dazugehörigen Dialoge. Dazu muss man auch sagen, dass hier das Kill-Ten-Rats-System kaum eingesetzt wird (häufig sind nur die Questbonuse so), sondern das man in den Quests häufig irgend was suchen, oder in die Luft sprengen, oder eine Botschaft überbringen muss. Mir wurde jedenfalls bis jetzt nicht langweilig. Das Leveln geht flüssig, das Craften braucht auch kaum Aufwand, an gutes Equip kommt man auch ohne Tagelang irgendwelche Punkte zu farmen, all das Zeug was MMOs so schlimm macht, sind nicht vorhanden.Ja, das sind viele positive Punkte, aber es ist nicht so, dass ich SWTOR irgend durch ne rosa Brille anschaue. Ich bin mir gewöhnt, Spiele von verschiedenen Seiten (sowohl Entwickler- wie auch Spieler-) und vor allem objektiv anzuschauen. So findet man auch bei diesem Exemplar negative Stellen, nicht wenige sogar um genau zu sein. Beispielsweise ist die Serververwaltung schlicht und einfach nicht zumutbar. Sorry, aber ich will sicher nicht zu Stosszeiten eine Viertelstunde warten müssen, weil mein Server voll ist. Auch ist der NPC-Bug, der du erwähnt hast, bei Weitem nicht der einzige. Heute fährt man ja die Strategie "Das Produkt reift beim Kunden" (hallo BF3!), wir dürfen uns also auf so manchen Patch freuen.Die PvP-Formate sind ebenfalls eher schwach, Huttenball ist einfach nur zum Kotzen, wenn man keinen Gapcloser oder Speedbuff hat, steht man einfach nur hinten an. Schon nach kurzer Zeit wird einem langweilig, dies auch, weil es nicht mal auf den PvP-Servern organisierte Gruppen gibt, die die Sache einigermassen anspruchsvoll machen. Nichts für E-Sport (aber das ist WoW ja auch nicht ;P).Somit kann man sagen, dass SWTOR ein gelungenes MMO ist, auch wenn es WoW nicht vom Thron stösst. Das erwartet ja auch niemand, und auch wenn 2012 ein MMO-Jahr (SWTOR, TERA, GW2) ist, so gibt es nur ein Spiel, welches dazu in der Lage sein wird: Guild Wars 2. Das GW2 bei Längen besser sein wird als WoW, dafür würde ich meine Hand als Game Designerin ins Feuer legen, aber ob es WoW endgültig den Todesstoss geben wird… wir sehen ja schon anhand von deinem Artikel, dass ihr WoW-Veteranen schwer zu beeindrucken seid und viele wohl nicht so auf Änderungen im Genre stehen ;D

  7. Merci für die ausführlichen Überlegungen!Am Sender hab ich gesagt, dass WoW auch nichts erfunden hat. Hier nicht. Weil ich das auch nichts grundsätzlich schlechtes finde. Es fällt einfach sehr, sehr auf, wenn man von WoW her kommt, und ich glaube, dass viele SWTOR-Spieler aus dieser Ecke kommen. Denn es gibt halt nur einen beschränkten Markt für MMOGs, und WoW ist der Marktführer in diesem Genre, und da sich dort langsam Ermüdungserscheinungen breit machen, wird es viele Wechsler geben.Leveln geht richtig glatt, da bin ich mit dir einverstanden, das gefiel mir auch gut. Und die Klassengeschichten sind gut gelungen, weil sie dir im Gegensatz zu WoW schon das Gefühl geben, ein Held zu sein, und nicht ein kleines Würstchen, das Ratten jagen muss (wobei hier WoW auch dazugelernt hat).Ich kann das jetzt natürlich nicht mit Zahlen belegen, aber die Dialoge in SWTOR kamen mir deutlich länger vor als in Skyrim. Ich bin überzeugt, dass da wirklich unterschiedliche Philosophien aufeinander prallen: Skyrim will den Spieler machen lassen; Bioware will lange Geschichten erzählen (jemand, ich glaube RPS, hat das Bioware Genre mal «Talk & Shoot» genannt).Du sprichst einen Punkt an, der mir bei Schreiben des Reviews vielleicht zu wenig bewusst war: Evtl. bin ich strukturell zu konservativ. Ich sehe ein MMOG schon etwas als ein Zahlenspiel, als eine erweiterte Excel-Tabelle. Ich bekomme Befriedigung nicht nur aus dem eigentlichen Ereignis, sondern v.a. aus der Persistenz meiner Spielfigur; dass ich dieser Figur und ihren Fähigkeiten die Zeit ansehe, die ich in sie investiert habe. Aus diesem Grund habe ich wenig Mühe mit «Grinding», ich mache z.B. recht gerne Dailies (und höre Podcasts dazu) oder fische. Vielleicht mag ich auch deshalb PvP nicht, das ist mir zu hektisch/aggro und zu sehr auf den Moment fokussiert.Und nun kommt ein MMOG daher, das diese Sichtweise verändern will, das ein MMO-KOTOR sein will. Es versucht, Konventionen umzuwerfen, und das ist natürlich auf jeden Fall begrüssenswert, auch wenn ich etwas konservativ reagiere.Andererseits: Hätte man dann nicht auch strukturell progressiver sein müssen? Braucht es wirklich tausend «graue» Items, die nur den Sinn haben, Credits in den Umlauf zu bringen und uns dann zu zwingen, diese in den Goldsink der Inventory-Vergrösserung zu stecken? Braucht es wirklich «+3%»-Skill-Trees?Möglicherweise ist meine etwas reservierte Reaktion aber auch einfach mit der Welt selbst zu erklären. Ein MMOG bedeutet immer ein richtig fettes Zeit-Investment. Dazu muss mir die Welt halt gefallen, und das ist immer etwas rein emotionales, persönliches. Und ich bin wohl der einzige, aber auf die bescheuerten Pandas freue ich mich; Star Wars reisst mich dagegen einfach nicht vom Hocker.

  8. Ich spiele seit Meridian mmo’s, also wirklich schon seeeehr lange. WoW muss man lassen, dass das Leveln eine Revolution war, weil man durch Quests aufsteigen konnte und nicht, wie zuvor in allen Spielen, durch grinden. Auch andere Dinge die WoW gemacht hat waren gut und richtig. Aber alles betraf nur PvE. In Sachen PvP ist WoW ein Versager. Da hat DAoC schon Jahre zuvor gezeigt was Sache ist. Und deshalb habe ich WoW gehasst sobald ich lvl 50 wurde, einfach weil es ein PvE-Spiel ist. Und ich spiele schon immer nur PvP. Auf WoW PvP einzugehen habe ich gar keine Lust, für mich nicht der Rede wert. Und damit ist für mich das Thema WoW durch, auch mich langweilen die Vergleiche.Was ich absolut revolutionär an SWTOR finde ist, dass versucht wird, BEIDES anständig unter einen Hut zu bringen. Das hat bisher noch kein Spiel gemacht oder vernünftig umgesetzt bzw. ernsthaft in Angriff genommen. Nun ja, ich bin kein Fanboy und es ist mir klar, dass Illum defintiv noch kein Platz ist um open PvP zu betreiben. Nach den Erfahrungen mit Bioware in den letzten Wochen muss ich aber gestehen, dass ich glaube, dass die das Kind schon schaukeln werden.Und genau da liegt für mich der große Unterschied zu allen anderen Spielen. Auch das mit den Skilltrees kann ich so nicht unterschreiben. Ich halte die, die ich kenne, für ausgesprochen ausgeklügelt. Das Kämpfen macht einfach verdammt viel Spass und ich LIEBE meine Skillung. Kein Punkt ist übrig geblieben, es ging alles auf, wie durch ein Wunder….ja, oder doch durch ein durchdachtes, schlaues System? Wenn eine Skillung plausibel erscheint, Finessen bietet und auf eigentlich alles eine Antwort bietet, dann kann das nicht so oberflächlich abgetan werden. LvL 1-49, da macht doch jedes Spiel irgendwie Spass. Das ist nicht so wichtig, auch wenn genau dieser Bereich das Budget gefressen hat. Die Hoffnung für mich als PvPler ab lvl 50 dauerhaft Spass zu haben ist für mich in SWTOR sehr groß, zurecht denke ich. Hier wurde einfach von Anfang an sehr sehr viel richtig gemacht. Daher darf man wohl davon ausgehen, dass das so weiter geht.In Sachen Content kann selbstverständlich SWTOR mit einem (mittlerweile) Urgestein wie WoW nicht mithalten, wie auch. Vergleich daher nicht angebracht. Aber die Zukunft sieht glaube ich rosig aus, für PvEler sowie PvPler!Und noch mal für alle: WoW war nicht das erste Spiel in dieser Richtung. Es hat alles nur so einfach gemacht, das jedes Kind es kapieren konnte. Das hat dem Genre geholfen und gleichzeitig massiv geschadet. Ach WoW, ich persönlich hasse dich. Und du SWTOR, bist bisher echt okay!

  9. Nachtrag zu meinem Comment gestern: der Patch gestern für Illum war eine Katastrophe. Sowas dummes hab ich bisher in noch keinem Spiel erlebt. Sieht so aus als wäre alles noch offen….

  10. @tsundere: GW 2 ist ja jetzt draussen, ich nehme an du spielst es? Wenn ja: Lust, es auf DRS 3 zu besprechen? Melden!

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