Trials Evolution: Jetzt neu! Mit noch mehr Bums!

Vor uns Rampen, Ölfässer, ein steiler Hang – mit dem Töff so schnell wie möglich drüber zu fahren, ist unser Ziel. Und damit das auch schön spektakulär aussieht, explodiert oder brennt ständig irgendwas. Das ist «Trials Evolution» – ein wunderbar schlichtes, unprätentiöses Spielprinzip, perfekt umgesetzt.

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Den Vorgänger «Trials HD» haben wir alle hier in der Redaktion schon sehr geliebt (siehe «Trials HD: Uiiiiii… Auauaua. F*%&#! Hihi!»). Beim Nachfolger «Trials Evolution» musste es RedLynx also vor allem darum gehen, nichts kaputt zu machen. Da das finnische Studio erstmals die grossen Ubisoft als Publisher im Rücken hatte, gab es im Vorfeld durchaus Befürchtungen, dass die Reinheit der Formel getrübt werden könnte. Wir können aufatmen: «Trials Evolution» ist grossartig – und noch einmal entscheidend besser als «Trials HD».

Die Trials-Formel ist einfach. Die Steuerung ist einfach und sehr präzise. Wir beschleunigen und bremsen mit den beiden Triggern; mit dem linken Stick verlagern wir das Gewicht des Körpers. Steuern müssen wir nicht, da wir auf einer virtuellen Schiene fixiert von links nach rechts fahren. Einen einzigen weiteren Knopf brauchen wir: Um uns zum letzten Checkpoint zurückzusetzen, wenn wir einen Fehler gemacht haben und gestürzt sind. Und das tun wir in den schwierigeren Leveln sehr oft, dazu gleich mehr.

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Obwohl die Steuerung maximal vereinfacht ist, ist die resultierende Bewegung im Spiel komplex. Haben wir Gewicht auf dem Vorder- oder Hinterrad? Beschleunigen wir sanft oder geben Vollgas? Springt unser Motorrad aus den Federn? Wie reagiert der Untergrund auf das Hinterrad? Wie steil oder hoch sind die Hindernisse? Unsere einfachen Eingaben werden physikalisch komplex und vor allem glaubwürdig und immer nachvollziehbar modelliert – ein wesentlicher Reiz des Spiels.

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Das würde aber noch nicht reichen: Die Hindernis-Parcours müssen spannend sein. Und hier ist «Trials Evolution» ein ganz grosser Wurf gelungen. Man hat auf einen der wenigen Kritikpunkte am Vorgänger reagiert – dort verloren die ständigen Fabrikhallen irgendwann ihren Reiz. Das ist nicht mehr so: Schrottplätze, Sägereien, mystische Ruinen, Sumpf, ein Güterbahnhof, Ölpipelines, Autobahnbrücken, Hafen, haushohe Holz-Loopings, ein einstürzender Staudamm – jede der Strecken hat einen eigen Look, ein eigenes Thema und entsprechende Hindernisse.

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Das Spiel erlaubt sich hier auch einige Spässe; ein Level ist z.B. im Look von «Limbo» gestaltet – schwarze Scherenschnitt-Silhouetten auf grauem Hintergrund. Ein anderer bezieht sich auf die verworrenen Traumwelten aus «Inception». Und nicht nur optisch, sondern indem sich die ganze Strecke ständig dreht und so die Gravitation mitten im Sprung in eine andere Richtung zieht.

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Wir beginnen das Spiel mit ein paar Einsteiger-Strecken. Zwischendurch lernen wir in Lizenz-Prüfungen neue Techniken, erhalten ein kräftigeres Motorrad und Zugang zu schwierigeren Strecken. Einen Parcours bestehen gibt eine Bronze-Medaille; für Gold müssen wir schnell und fehlerlos fahren. Je mehr Medaillen wir sammeln, desto mehr Strecken schalten wir frei.

Für jede Strecke gibt es eine Online-Rangliste. Die beste Fahrt unserer Xbox-Live-Freunde wird uns direkt auf der Strecke angezeigt; nicht wie sonst üblich als «Ghost», sondern als schlichter weisser Punkt. Eine sehr elegante Lösung: Der Punkt stört uns nicht in der Konzentration, spornt uns aber dennoch konstant an, unsere Fähigkeiten zu verbessern und die Zeit zu unterbieten.

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Ein wunderbar kauziger Humor ergänzt die Spielmechanik. Unser Fahrer muss hart unten durch: Bei jedem Sturz zerlegt es den armen Kerl fürchterlich, was uns oft den eigenen Frust vergessen und befreiend kichern lässt. Gar wenn wir fehlerlos einen Parcours überstanden haben, kriegt der Fahrer trotzdem noch sein Fett weg, indem der Zielraum gesprengt, verbrannt, bombardiert oder unter Schutt begraben wird. Diese Abschlusszerstörung hat RedLynx im Vergleich zum Vorgänger ausgebaut und komisch-dramatisch inszeniert – eine Belohnung zum Abschluss des Levels.

Auch der Soundtrack unterstreicht diese alberne Grundhaltung: Finnischer Emo-RockNu und Rap Metal dröhnen herum, und ich kann mir nicht vorstellen, dass das noch jemand ganz unironisch cool findet. Doch spätestens seit Lordi wissen wir ja, dass der Finne die Ambivalenz zwischen «Es rockt!» und «Es ist peinlich!» mag.

Das ist also die Formel: Steuerung + Physik + Level-Design + Ranglisten + Humor = Spass! Es kann so einfach sein.

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Alles andere als einfach ist allerdings das Spiel selbst. Es gibt ja immer wieder Leute, die darüber jammern, dass Spiele heute zu einfach seien. Das ist Quatsch, und «Trials Evolution» zeigt, wie es geht.

Am Vorgänger «Trials HD» wurde noch kritisiert, dass der Schwierigkeit so etwa in der Mitte zu steil anstieg, dass dort zu viele einfach hängen blieben und nicht mehr weiter kamen. Diese Dramaturgie verbessert nun «Trials Evolution» ganz wesentlich. Das Spiel bringt uns die technischen Finessen besser bei und führt uns sanfter an die wirklich schwierigen Strecken heran. Auch gibt es mehr Möglichkeiten, zusätzliche Medaillen zu gewinnen und damit weniger Sackgassen. Die Strecken zu Beginn setzen auf eher weitläufige Parcours mit viel Geschwindigkeit und spektakulären Sprüngen. Erst gegen Ende werden die Strecken kleinräumiger, langsamer und sehr, sehr technisch.

So ab der Schwierigkeit «Medium» steigen die Ansprüche. Und wenn das Spiel eine Strecke als «Hard» bezeichnet, dann ist sie das tammisiech nomal aber sowas von. Ein erstes Mal ins Ziel zu kommen gelang mir da selten ohne Dutzende oder gar über hundert Fehlern. Der erste Track, der meine Geduld so richtig auf die Probe stellte, war «The Ascent». Dort sollen wir im Wald Hänge hochfahren, die fast senkrecht und haushoch sind. 218mal bin ich umgefallen, bevor ich Ziel war. Ich war so erschöpft und ausgelaugt, dass ich kaum noch Kraft hatte, mich zu freuen.

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Normalerweise sind die Checkpoints schön eng gesetzt, wir müssen nie unnötig über ein Hindernis fahren, nur um wieder an die Stelle zu gelangen, wo wir zuvor gescheitert sind. Eine Ausnahme von dieser Regel ist «Gigatrack». Dieses sadistische Arschloch von einer Strecke ist nicht nur laaang (die Besten fahren sie unter sieben Minuten, während andere Strecken selten länger als ein, zwei Minuten dauern), sondern setzt auch absichtlich die Checkpoints weit auseinander. Statt also nur einen Weitsprung zu stehen oder einen Steilhang zu überwinden, müssen wir oft drei, vier hintereinander schaffen. In meinen ersten zwei Versuchen sah ich nicht einmal das Ziel, sondern scheiterte am 30-Minuten(!)-Limit. Erst als ich realisierte, dass sich der schnellere Scorpion 450cc etwas besser eignet (vor allem für die Weitsprünge) als der agilere Phoenix 250cc, kam ich endlich durch. Von einer fehlerlosen Fahrt bin ich aber weit, weit entfernt.

Wer 135 Medaillen sammelt (an sich schon keine leichte Aufgabe), schaltet die «Trial Trophy» frei. Da gibt es noch einmal neue Strecken, die als «Extrem» klassifiziert sind. Und dazu die Möglichkeit, statt Gold- nun Platin-Medaillen zu holen: Null Fehler in einer Zeit, die so schnell ist, dass nur ein perfekter Lauf reicht.

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Neu in «Trials Evolution» ist der Mehrspieler-Modus: Online oder auf der gleichen Couch können wir zu viert Rennen fahren. Die Strecken sind extra darauf abgestimmt; wir fahren auf vier parallelen Bahnen auf dem gleichen Bildschirm. Ausserdem hat uns RedLynx einen ausgewachsenen Level-Editor spendiert, kombiniert mit einer modernen Verteil-Infrastruktur für Fan-Kreationen. Und die «Skill-Games» sind ein lockerer Zeitvertrieb, z.B. wenn man an einer besonders schwierigen Strecke hängen bleibt und etwas Frust abbauen möchte.

Doch das Filetstück des Spiels ist der Einzelspieler-Modus und die Online-Ranglisten. Hier schafft «Trials Evolution» das, was wohl alle gerne hinkriegen würden: Einsteiger haben sofort Spass – und wer Zeit und hartes, hartes Training investiert, findet genug technische Tiefe, Herausforderung und Befriedigung.

«Trials Evolution» ist für die Xbox 360, zum Download über die Live Arcade (für 1200 Microsoft Points, was ca. CHF 20.- entspricht). Es ist ab 12. Das Haikiew ist hier.

Im Gegensatz zu «Trials Evolution» gilt beim echten Trial natürlich «Safety First». Ich liess mir von Christian Weilenmann das Trial-Bike zeigen und die Grundlagen vermitteln. Fotos: Reto Widmer.

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2 Gedanken zu “Trials Evolution: Jetzt neu! Mit noch mehr Bums!

  1. Das wird auch wieder ein Frustfest, wie der Vorgänger schon war. Aber es macht einfach sauviel Spass!

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