World of Warcraft: Mists of Pandaria – Was für eine lange, seltsame Reise

Kann «World of Warcraft» mit «Kung Fu Panda» und «Pokémon» im neunten Jahr fortbestehen? Darüber meditieren wir in Pandaria.

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Als Hersteller Blizzard ankündigte, dass die vierte Erweiterung von «World of Warcraft» in Pandaria spielen und sich um die Pandaren drehen würde, war die Reaktion vieler Fans ein verwundertes «Kung Fu Panda?! Echt jetzt?». Ich dagegen stand da mit erhobenen Armen und jubelte – fühlte mich dabei aber ein bisschen, als stünde ich in der falschen Fankurve.

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Ich liebe erklärtermassen den Film «Kung Fu Panda». Aber darum geht es gar nicht: Pandaren gab es im Warcraft-Universum schon fünf Jahre vor dem Film. Klar, ursprünglich war der Pandaren eine als Witz gemeinte Zeichnung des Blizzard-Art-Directors Samwise Didier. Aber «World of Warcraft» war noch nie bierernste «High Fantasy», sondern hatte immer schon Platz für Humor.

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Als Blizzard die Kampfhaustiere vorstellte, das Spiel im Spiel, wo wir unsere virtuellen Haustierchen ausbilden und gegeneinander antreten lassen können, war die Reaktion vieler Fans ein verwundertes «Pokémon?! Echt jetzt?». Ich dagegen stand da mit erhobenen Armen und jubelte, wieder in der falschen Fankurve.

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Mit der Entscheidung, einen Insider-Witz zum Kernthema einer ausgewachsenen Erweiterung zu machen, sind bei Blizzard alle Dämme gebrochen, alle Scheren im Kopf in der Schublade verschwunden. Die abgefahrenen Ideen sprudeln in «Mists of Pandaria». Ich habe mich per Wassersäulen in die Luft schleudern lassen, um spielend einen Wassergeist zu überzeugen. Ich habe einen sprechenden Fisch und einen singenden Kranich bekämpft. Wir haben eine wilde Party von Affen mit Fez unterbrochen, indem wir auf explodierenden Bierfässern in sie gerollt sind. Ich habe einen Hasen überlebt, der «Hopsallus» heisst und Karottenbrei kotzt.

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Als Blizzard die ersten Screenshots von rotgoldenen Tempeln, Karstgebirge, Bambushainen und Kirschblütenwäldern veröffentlichte, gab es vielerorts die Einschätzung, man wolle damit halt den chinesischen Markt ansprechen. Mit einer Portion beiläufigem Rassismus geht man wohl ganz selbstverständlich davon aus, dass der Chinese nur China spannend findet; und übersieht, dass das in «Mists of Pandaria» gezeichnete Asien-Klischee wohl eher die Exotik-Erwartung westlicher Augen bedient. 

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Die Kerngeschichte in «Mists of Pandaria» ist eine hochdramatische: Nach den vereinenden Kämpfen gegen übermächtige Gegner wie den Drachen «Todesschwinge» besinnt sich «World of Warcraft» auf seine erzählerischen Wurzeln und stellt den alten Konflikt zwischen Allianz und Horde ins Zentrum. Das neutrale Pandaria wird ungewollt zum Schauplatz dieses Krieges, die friedlichen, abgelegenen Täler zu Schlachtfeldern. Wie lässt sich diese Tragödie mit dem überbordenden Humor vereinen? Puristisch gesehen gar nicht. Eigenartigerweise im Spiel problemlos. «World of Warcraft» ist ein Buffet und es gibt Süsses und Bitteres.

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Und es gibt Bier, gebraut von den fülligen Panda-Braumeistern. Nicht nur sie sind berauscht – wir berauschen uns an den neuen Inhalten. Erkunden atemlos den neuen Kontinent, erleben neue Geschichten, probieren neue Spielfiguren aus, entschlüsseln das neue Talentsystem. Einiges wurde radikal angepasst, vieles wurde im kleinen gefeilt, unser Alltag wurde vereinfacht.

Wenig gibt uns das Gefühl, eine völlig andere Mechanik zu spielen, wie es kürzlich «Guild Wars 2» konnte. «World of Warcraft» ist nicht der frische Jungspund, sondern die alte Dame, deren erfülltes Leben Respekt verlangt. Werden neue Inhalte und verfeinerte Mechanik die Pensionierung hinauszögern? Erst in einigen Monaten werden wir wissen, wie sich z.B. Raids anfühlen, ob auf den Rausch der Kater folgt.

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Ich spiele dieses Spiel nun seit bald sechs Jahren. Damit bin ich Fanboi, ob ich will oder nicht. Es ist ein Wunder, dass es «World of Warcraft» überhaupt seit mehr als acht Jahren gibt. Es ist nicht das neue Modell für die Game-Industrie (wie noch vor wenigen Jahren alle g
laubten), sondern immer klarer ein wunderbarer Sonderfall, eine glückliche Fügung.

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Ist es bald zu Ende? Klar. Alles ist vergänglich. Ich bin dankbar für die Zeit, die war, und dankbar für jeden Moment, der noch kommt. Was für eine lange, seltsame Reise. Und wie schön!

«World of Warcraft: Mists of Pandaria» ist für PC und Mac, es ist ab 12. Das Haikiew ist hier.

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2 Gedanken zu “World of Warcraft: Mists of Pandaria – Was für eine lange, seltsame Reise

  1. Also bei einigen neuen Quests hab ich mich gefragt wer sich das ausgedacht hat. (oder was die Leute dabei geraucht haben) Total wirr zum Teil. Nun bin ich 90 und muss sagen allgemein sehr gelungen. Ich hoffe jedoch dass auch der Raid Content einigermassen gut wird. Die 20 Stunden die ich hatte von 85 auf 90 sind eigentlich genau richtig. nicht mehr nicht weniger. Und nun ab in die Heroics wünsche viu Spass bim levle 🙂

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