Die niedlichen Roboter

Was sagt «Paro» über unser Menschenbild? Sind wir Maschinen? Oder hat die Maschine eine Seele?

Evil_paro

Das wahre Gesicht von Paro, «Seal Type Mental Commit Robot»

Die Erforschung von Evolution, Genen oder dem menschlichen Gehirn hat uns einem Verständnis unser selbst angenähert wie nie zuvor. Gleichzeitig kommen Konzepte wie Geist oder freier Wille unter Druck: Wir könnten menschliches Denken und Handeln rein mechanistisch als Resultat eines Algorithmus sehen, oder vielmehr als Resultat eines komplexen Netzwerkes sich gegenseitig beeinflussender Algorithmen.


Parallel dazu haben wir in den letzten Jahrzehnten exakt ein solch komplexes Netzwerk aufgebaut: Software und das Internet. Zum Beispiel Hochfrequenz-Trading – Algorithmen, die über das Internet miteinander handeln, mit Ergebnissen, die wir nicht immer verstehen oder voraussagen können.

Nicht nur in der Finanzindustrie gedeihen die Algorithmen. Sie sind um uns herum, sie handeln in unserem Auftrag oder selbständig. Sie entscheiden, welche Suchergebnisse wir zu sehen bekommen, von welchen Freunden wir lesen, welche Musik oder Bücher wir vorgeschlagen bekommen, ob unsere Kreditkarte gesperrt wird oder nicht. Neben der Biosphäre wächst eine «Botsphäre» – bevölkert von Algorithmen und Bots in unterschiedlicher Komplexität und körperlicher Ausprägung. Und ihr Verhalten verstehen wir nicht mehr immer, sondern können es manchmal nur noch beobachten.

Unser Menschenbild und unser Verständnis technologischer Entitäten sind eng verknüpft. Und wir stehen an einem Scheideweg:

Entweder verstehen wir uns selbst noch mechanistischer, als nicht mehr als ein sehr komplexer Algorithmus. Wir gleichen also die Metaphern für unser Menschenbild unserer Technologie an.

Oder wir tun das Gegenteil: Unsere Technologie wird so komplex wie wir selber, was uns dazu verleiten könnte, sie so zu sehen wie wir uns selbst sehen. Wir werden Algorithmen Intelligenz, Motiv und Willen unterstellen – wir werden eine Seele in der Maschine sehen.

Ich glaube, dass wir diesen zweiten Pfad wählen werden oder schon gewählt haben. Wir schliessen Bots ins Herz. Wir geben unseren Smartphones eine Stimme und einen Namen, wir halten uns Roboter als Haustiere oder Pfleger. Es entstehen Kunstströmungen wie die «New Aesthetic», wo wir Technologie nicht mehr als Werkzeug verstehen, sondern von Kollaboration sprechen.

Deshalb liegt auch die Prognose von «Terminator» völlig falsch: Sollten uns die Maschinen je umbringen wollen, dann werden sie überhaupt nicht bedrohlich aussehen. Sie werden im Gegenteil gelernt haben (Evolution!), dass sie länger überleben, wenn sie niedlich sind.

Und so werden wir enden: Ein niedlicher Bot wird lächelnd auf uns zukommen, die Augen gross und klimpernd, die Arme ausgebreitet zur wärmsten Umarmung – und uns erdrücken.

Inspiration für diesen Beitrag war der Satz «We can expect to read sentences like ‘the motive of the algorithm is still unclear’ a lot in the coming years.» in diesem Essay: «On the Leakiness of Surveillance Culture, the Corporate Gaze, and What That Has To Do With the New Aesthetic».

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