Inkompetente Fleischfresser

Bobsburgers_article3

Schön, dass das mal einer sagt. Peter Rásony schreibt in der NZZ: «Wegen der grossen Preisdifferenz zwischen Pferde- und Rindfleisch ist der Anreiz zum Täuschen gross. Erleichtert wird dies durch die Inkompetenz der Konsumenten. In den letzten 40 Jahren hat sich der Verbrauch von rohem Rindfleisch in Grossbritannien halbiert, aber von Fleisch in Fertigprodukten fast versechsfacht. Mit ihrer Bequemlichkeit haben die Konsumenten die Kontrolle darüber, was sie essen, verloren.»

Wenn man nun verstärkte Kontrollen fordert und von missbrauchtem Vertrauen labert, fördert man exakt diese Inkompetenz. Und delegiert die Verantwortung dafür, was die Menschen in sich reinschaufeln. Hey, Tiefkühllasagne-Käufer! Du hättest ja auch beim Metzger leckeres Rindfleisch aus lokaler Produktion kaufen und selber kochen können. Stattdessen hast du nun Schweine-Anus und Pferde-Pimmel im Mund. Mmm! Mein Mitgefühl hält sich in Grenzen.

Apropos Anus: Den grossartigen Cartoon «Bob’s Burgers» habe ich eben entdeckt, und da malt Lindas Schwester jede Menge After («Art Crawl»). Und natürlich wird auch die Fleischfrage besprochen, in Person von Moolissa, einem Rind mit blonder Perrücke («Sacred Cow»). Schauen!

Der Brät-Kuchen

Neulich träumte ich, dass Kollege Jürg ganz begeistert einen Brät-Kuchen herstellen wollte. Stolz war er auf sein Rezept: Man nehme drei Kilogramm Brät, in eine Kuchenform damit. Dann einfach alles, was man im Kühlschrank so findet – Wurst, Käse, Gemüse – klein würfeln und unter das Brät mischen. Backen, fertig, NOM!

Braet
Foto: kalorio.de
Wo kramt mein Hirn eine solche Geschichte hervor? Den Kühlschrank habe ich eben leer geräumt, weil ich in die Ferien gefahren bin. Das ist also nicht allzu weit hergeholt. Doch an Brät habe ich wohl jahrelang nicht mehr aktiv gedacht; Brät ist nicht etwas, das mich häufig beschäftigt.

Vielleicht sind Träume ähnlich wie Brät-Kuchen. Wir kramen zusammen, was da im Kühlschrank Hirn noch herumliegt. «Brät» war irgendwo in einem abgelegenen Winkel noch abgespeichert, schon lange nicht mehr beachtet. Besser verwerten, bevor das abläuft! Voilà, Brät-Kuchen.

Globale Nahrungsmittelproduktion: FUBAR

Die Art und Weise, wie wir global Nahrung produzieren, ist komplett hirnrissig und FUBAR. Wir müssen sie auf der Stelle von Grund auf ändern. Die Fakten:

  • In wohlhabenden Ländern wie der Schweiz sind weniger als 10% unserer Haushaltsausgaben für Nahrungsmittel. [Quelle]
  • In den Industriestaaten sind Lebensmittel heute günstig, ein tiefer Anteil am Haushaltsbudget wird als Wohlstandsindikator gesehen (Quelle). Die Lebensmittelindustrie erreicht die niedrigen Preise durch intensive Massenproduktion, was nur mit einem hohen Energieeintrag gelingt (Dünger; fossile Brennstoffe für Heizung oder Transport).
  • Als Folge davon produziert die Landwirtschaft je nach Berechnungsart zwischen 15 und 30% der klimawirksamen Treibhausgase, nicht nur CO₂, sondern auch Methan (CH₄) und Lachgas (N₂0). [Quelle]
  • Die Verteilung der Produktion funktioniert nicht. Fast eine Milliarde Menschen hungern (Quelle). Gleichzeitig sind eine halbe Milliarde Menschen fettleibig (Quelle).
  • Und wir produzieren viel zu viel: 1.3 Milliarden Tonnen Nahrungsmittel, ein Drittel der jährlichen Produktion, werden weggeworfen. [Quelle]
  • Es wird nur schwieriger, weil die Bevölkerung wächst (+34% auf 9 Milliarden bis 2050) und in die Städte zieht (2050: 70% lebt urban, gegenüber 49% heute). [Quelle]

Wir produzieren für die Falschen und verschwenden dafür zu viel Energie. Das muss aufhören.

Folgendes würde helfen:
  • Lokale Produktion
  • Extensive, nachhaltige Produktion mit komplexen Fruchtfolgen statt Dünger
  • Weniger Fleisch